Sonntag, 8. Mai 2016

Dust - Soulburst


Band : Dust
Album : Soulburst
Spielzeit : 41:38 Min.
Plattenfirma : Attitude Recordings
Veröffentlichung : 20.05.2016
Homepage : www.dustband.se

Wertung : 6 von 10

Trackliste :


  1. Sun Rising
  2. King Is Coming
  3. Come On !
  4. Waiting For You
  5. Bad Boy
  6. Free
  7. Soul Stealer
  8. Keltic Wheel
  9. Blind

Die Stockholmer Hardrocker Dust packen Ende Mai ihr zweites Album, Soulburst in die Plattenregale. Der klassische 70er Jahre-Hardrock von Roger Solander (Lead-Gesang), Johan Niskanen (Gitarre und Gesang), Bernt Ek (Bass und Gesang) und Örjan Dr. Rock-Englin (Schlagzeug) hat natürlich auch heute noch viele Anhänger und dürfte Fans von Bad Company, Free oder Deep Purple erfreuen. Die Band indes wird sich aber wohl die Frage stellen müssen, ob Soulburst den eigenen Erwartungen gerecht wird. 

Schlecht gemacht ist das Ganze zwar nicht, Roger Solander muss sich mit seinem kraftvollen Organ, welches ein wenig an Ronnie James Dio erinnert, keinesfalls verstecken. Auch die handwerklichen Fähigkeiten seiner Kollegen sind klasse, es mangelt in der Summe aber an herausragenden Songs bzw. deren Umsetzung. Die Bemühungen aller Beteiligter in Ehren, doch nach dem dritten, vierten Durchlauf fällt auf daß dem Ganzen der letzte Kick mangelt, der Platte fehlen diese "Scheisse wie geil !!!!!" - Momente. Herausragende Soli, Hooklines mit Wiedererkennungswert, coole Breaks...was auch immer, der berühmte Funke will einfach nicht auf mich überspringen.


Schade, ob es nun der harte, rifflastige Opener Sun Rising oder das mit dem AC/DC / I Put The Finger On You Gedenkminuten-Intro versehene King Is Coming ist, im einzelnen funktionieren die Nummern, doch eben nicht in Albumlänge. Die Songs dümpeln zu eindimensional an mir vorbei und bleiben dementsprechend kaum im Ohr hängen. Da ist leider auch weder der Gesang noch einer der Mitmusiker herausragend genug, um die Rakete zu zünden. Ob ein cleverer Produzent etwas mehr hätte rausholen können, ich weiß ich nicht, fette Gitarrenriffs und präzise Drums allein machen es aber allein auch nicht aus.

Im Grunde bleibt keiner der neun Songs nachhaltig im Ohr hängen, doch mit etwas gutem Willen lassen sich das mit einem Gitarrenriff aus der NuMetal Kiste und coolen Basslauf versehene Bad Boy (schönes Solo obendrein) und das treibend bluesrockende, an Robin Trower erinnernde Free als Reinhörtipps ausmachen. Soundtechnisch gibt es nix zu meckern, die Scheibe ist gut gemixt, die Bassdrum baut Druck auf und sämtliche Instrumente sind zu orten. Ich sag's nicht gern aber da hätte man wirklich mehr draus machen können. 

Chance leider vertan.


Bernd

Freitag, 29. April 2016

Virgin Steele - The House Of Atreus Act I & Act II (Re-Release)


Band : Virgin Steele
Album : The House of Atreus Act I & Act II
Spielzeit : 194:19 Min.
Plattenfirma : Steamhammer / SPV
Veröffentlichung : 20.05.2016
Homepage : www.virgin-steele.com

Wertung : 8 von 10

 
Trackliste : 

Disc 1: Act I "Kingdom Of The Fearless (74:02)
  1. Kingdom Of The Fearless (The Destruction Of Troy)
  2. Blaze Of Victory (The Watchman's Song) 
  3. Through The Ring Of Fire
  4. Prelude In A-Minor (The Voyage Home)
  5. Death Darkly Closed Her Eyes (The Messenger's Song)
  6. In Triumph Or Tragedy
  7. Return Of The King
  8. Flames Of The Black Star (The Arrows Of Herakles)
  9. Narcissus
  10. And Hecate Smiled
  11. A Song Of Prophecy
  12. Child Of Desolation
  13. G Minor
  14. Day Of Wrath
  15. Great Sword Of Flame
  16. The Gift Of Tantalos
  17. Iphigenia In Hades
  18. The Fire God
  19. Garden Of Lamentation
  20. Agony And Shame
  21. Gate Of Kings
  22. Via Sacra

Disc 2: Act II "Wings of Vengeance" (45:21)
  1. Wings Of Vengeance
  2. Hymn To The Gods Of Night
  3. Fire of Ecstasy
  4. The Oracle Of Apollo
  5. The Voice As Weapon
  6. Moira
  7. Nemesis
  8. The Wine Of Violence
  9. A Token Of My Hatred
  10. Summoning The Powers

Disc 3: The By The Gods Suite (3-7), The Legends Suite (8-10), Bonus Tracks (74:56)
  1. Flames Of Thy Power (From Blood They Rise)
  2. Arms Of Mercury
  3. By The Gods - The By The Gods Suite
  4. Areopagos
  5. The Judgement Of The Son
  6. Hammer The Winds
  7. Guilt Or Innocence
  8. Anemone (Withered Hopes...Forsaken) - The Legends Suite
  9. The Waters Of Acheron
  10. Fantasy And Fugue In D Minor (The Deaths Of Orestes)
  11. Resurrection Day (The Finale)
  12. Gate Of Kings (Acoustic Version) - The "Magick Fire Music" EP
  13. Agamemnon's Last Hour
  14. Great Sword Of Flame (Alternate Version)
  15. Prometheus The Fallen One (Re-Mix)
  16. Flames Of The Power (From Blood They Rise) (Alternate Mix)
  17. Wings Of Vengeance (Alternate Mix)

Was für eine Geschichte...Atreus und Bruder Thyestes streiten sich um die Herrschaft über die Mykene, eine der bedeutensten Städte des antiken Griechenlands. Atreus erhält die Macht und Thyestes betrügt ihn daraufhin mit der Frau des Bruders...der wiederum "revanchiert" sich während Thyestes' Abwesenheit mit der brutalen Ermordung dessen beider Söhne, die er ihm als Mahlzeit, dem "Thyestesmahl" serviert. Thyestes wiederum zeugt daraufhin ein Kind mit seiner eigenen Schwester. Ein inzestuöses Kind würde, so die Vorhersage eines Orakels, eines Tages den verhassten Bruder töten, was letztlich auch geschieht. Atreus' Söhne Agamemnon und Menelaos werden später Herrscher der Mykene bzw. König von Sparta und es wird fleissig weiter gemordet, intrigiert und massakriert...

Virgin Steele aka David DeFeis liess es sich Anno 1999/2000 nicht nehmen, Teile dieser Geschichte in Form zweier prall gefüllter Alben zu vertonen. Ein Jahr zuvor war der Band immerhin mit Invictus ein Riesenerfolg gelungen, nachdem man trotz hervorragender Alben wie Noble Savage, Age Of Consent und vor allem den beiden Meisterwerken The Marriage Of Heaven And Hell Pt.1 und Pt.2 nicht den kommerziellen Durchbruch schaffte. 

Bereits mit den Marriage-Alben flirtetet man ja schon sporadisch mit diesen Themen, doch mit Invictus (dem offiziell dritten Teil der Marriage-Alben) wandte sich David DeFeis  endgültig den Sagen und Mythologien der Antike zu. Der konzeptionellen Ausrichtung der Band stand allerdings auch eine musikalische Veränderung gegenüber, die nicht allen Fans zusagte. Bis dahin waren noch stets klassische Metalsongs mit Ohrwurmcharakter und DeFeis' Falsettgesang Mittelpunkt der Virgin Steele-Musik. Jetzt wendete sich das Blatt zunehmend Richtung Metal-Hörspiel mit zunehmendem Sprechgesang, Stakkatodrums und Endlos-Doublebass. Auch die vielen Intros und Outros konnten wohl nicht jeden Hörer begeistern. 

Aber, Virgin Steele zeigten es im September 1999 noch mal allen und legten mit dem ersten Teil der "Romantic-Barbaric Opera" einen echten Klassiker der Bandgeschichte, quasi eine Metal-Oper vor. Im Herbst 2000 sollte der zweite Akt folgen und eine mehr oder minder erfolgreiche Ära beschließen


The Destruction Of Troy, The Arrows Of Herakles, Iphigenia In Hades oder Agamemnon's Last Hour, all diese Songtitel nehmen direkten Bezug auf die Geschichte der Kriege und Schlachten, Gottheiten und Herrscher dieser Zeit, verpackt in das musikalische Metal-Gewand eines David DeFeis, der bereits in jungen Jahren von diesen Themen begeistert war und es dank klassischer Ausbildung musikalisch umsetzen konnte. Die Faszination für diese Themen ging im Resultat so weit daß DeFeis in Zusammenarbeit mit Walter Weyers, Regisseur und Intendant des Landestheaters Schwaben 1999 eine echte Heavy Metal-Oper namens "Klytaimnestra oder Der Fluch der Atriden" in Memmingen aufführte. Somit darf vorliegender Re-Release als Höhepunkt dieser Umsetzung angesehen und von Fans mit Interesse an solchen Themen Jahre nach seiner Erstveröffentlichung nochmals genossen werden. Hier ein Link zur damaligen, knappen TV-Berichterstattung klick.

Beide Alben enthalten tolle Songs, die mich noch immer faszinieren. Das sanfte, hymnenhafte Moira, das rifflastige Metalbrett Through The Ring Of Fire oder die unbedingt im Zusammenhang zu hörenden Garden Of Lamentation und Agony And Shame dürfen, sorry...müssen als Klassiker der Band bezeichnet werden, die auch Jahre später noch voll überzeugen. Mit dem Child Of Desolation flirtet DeFeis dann nochmal mit der Marriage-Saga

Mich persönlich haut die Neuauflage aber nicht wirklich vom Hocker. Die Anschaffung lohnt sich für Neueinsteiger, die sich erstmals mit dem Thema beschäftigen möchten, hat aber ausser der Hinzunahme der Magick Fire Music EP, die Re- und Alternativmixes einiger Songs enthält, keinen Mehrwert zu bieten. Wer die Original-Alben also schon hat muss nicht unbedingt zugreifen. Einen klanglichen Unterschied zu den bereits sehr gut abgemischten Originalen kann ich ebenfalls nicht ausmachen, insofern ist das Ganze für mich als langjährigen Anhänger der Band eher uninteressant. 

Trotzdem, The House of Atreus Act I & Act II ist und bleibt ein wichtiger Meilenstein in der Bandgeschichte und somit gibt es auch heute von mir verdiente acht Punkte.

Bernd

Sonntag, 24. April 2016

Bad Company - Live In Concert 1977 & 1979 (2CD)


Band: Bad Company
Album: Live In Concert 1977 & 1979 (2 CD)
Spielzeit: 78:15 min. & 76:39 min.
Plattenfirma: Rhino Records
Veröffentlichung: 29.04.2016
Homepage: www.badcompany.com


WERTUNG: für Fans ein Fest


Tracklist:

CD 1 - Live At The Summit, Houston, Texas, Mai 1977
01. Burnin’ Sky
02. Too Bad
03. Ready For Love
04. Heartbeat
05. Morning Sun
06. Man Needs Woman
07. Leaving You
08. Shooting Star
09. Simple Man
10. Movin’ On
11. Like Water
12. Live For The Music
13. Drum Solo
14. Good Lovin’ Gone Bad
15. Feel Like Makin’ Love

CD 2 - Live At The Empire Pool, London, England, März 1979
01. Bad Company
02. Gone, Gone, Gone
03. Shooting Star
04. Rhythm Machine
05. Oh, Atlanta
06. She Brings Me Love
07. Run With The Pack
08. Evil Wind
09. Drum Solo
10. Honey Child
11. Rock Steady
12. Rock ‘n’ Roll Fantasy
13. Hey Joe*
14. Feel Like Makin’ Love
15. Can’t Get Enough
* aus dem Capitol Center, Washington, DC (6/26/79)

Die letzten beiden Jahre sind für Classic Rock Fans alles andere als Dürrejahre. Bei der Flut an hochwertigen Veröffentlichungen, sowohl von neuen Bands als auch an rarem und bisher unveröffentlichten Material der alten Helden, könnte man glatt den Überblick verlieren. BAD COMPANY gehören für mich zu den ganz großen Heroen der damaligen Zeit, die aus welchem Grund auch immer nie in einem Atemzug mit DEEP PURPLE oder LED ZEP genannt werden. An der Vielzahl der Hits kann es nicht gelegen haben, das hat eindrucksvoll die "Best Of-" Scheibe aus dem vergangenen Jahr verdeutlicht. Nun kommt ein weiterer Genuß für Fans. Das erste Live Album im ursprünglichen Original Line-Up mit Paul Rodgers (Ex-Free), Mick Ralphs (Mott The Hoople), Boz Burrell (King Crimson) und Simon Kirke (Free) zeigt die damalige Supergroup in absoluter Bestform. 


Im Interview mit dem Billboard Magazin erwähnte zwar Paul Rodgers, dass er skeptisch darüber war, wie die Plattenfirma diese Veröffentlichung auf die Beine stellte (auch was das Bearbeiten des Sounds angeht), "..but when I listened I was quite surprised," sagte er, "...There's some things that have turned up that have actually surprised all of us, and I thought, 'Well, if it's interesting to me, perhaps it's interesting to the fans." Und wie Recht er hat. Denn Rhino Records haben einen wirklich guten Job gemacht. Der Sound ist für eine Liveaufnahme der damaligen Zeit hervorragend, eine Veröffentlichung auf Vinyl steht ebenfalls noch an und bei der Setlist gab es bis auf zwei Ausnahmen keine Überschneidungen ("Shooting Star" und "Feel Like Makin' Love"). 

Dafür gibt es eher selten live gespielte Stücke wie "Leaving You" auf die Ohren. die erste CD beinhaltet eine Show aus dem May 1977 aus Houston, Texas. Denn zwei Tage nachdem LED ZEPPELIN dort auftraten, rockten BAD COMPANY am 23. Mai 1977 die Bühne. Das waren noch gute Zeiten für texanische Rockfans. Doch auch die Briten konnten 1979 nicht meckern, wie die zweite CD beweist, in der BAD COMPANY The Empire Pool in London zum Kochen bringen. Einzig das JIMI HENDRIX Cover "Hey Joe" stammt aus einem Gig aus Washington 3 Monate später. Warum diese Version ersetzt wurde, erschließt sich mir nicht, ist auch nicht in den ansonsten gut geschriebenen Liner Notes zu finden. Und auch eine zweite Frage bleibt unbeantwortet: Warum dieses großartige Material fast 4 Jahrzehnte im Verborgenen geschlummert hat? Für alle BAD COMPANY Fans ist diese Scheibe ein Pflichtkauf und natürlich empfehle ich die Vinyl Version, die als Doppel LP pro Konzert erscheinen soll. Dies allerdings erst später im Jahr. 

Markus


 

Samstag, 16. April 2016

Thunderstone - Apocalypse Again

Band: Thunderstone
Album: Apocalypse Again
Spielzeit: 43:45 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 01.04.2016
Homepage: www.thunderstone.org


WERTUNG: 8 von 10


Tracklist:

01. Veterans Of The Apocalypse
02. The Path
03. Fire And Ice
04. Through The Pain
05. Walk Away Free
06. Higher
07. Wounds
08. Days Of Our Lives
09. Barren Land


Geschlagene 7 Jahre ist es her, dass mit "Dirt Metal" das letzte längere Lebenszeichen der finnischen Melodic Metal Band THUNDERSTONE zu hören war und dieses war mit Verlaub kein wirklich gelungenes Album. Nun hat das relativ kurze Gastspiel des schwedischen Sängers Rick Altzi (Ex-AT VANCE), der auf "Dirt Metal" zu hören war, auch schon seit einigen Jahren ein Ende gehabt und THUNDERSTONE sind seit etwa 2012 (so ganz genau weiß ich es leider nicht mehr) wieder mit Originalsänger Rasi Pantanen vereint. So gut Rick Altzi als Sänger ist, er hat leider nicht wirklich zu THUNDERSTONE gepasst und die Finnen haben nun wieder einen großen Schritt zu Ihrem ursprünglichen Sound getan, wie er auch schon auf dem sehr erfolgreichen Debüt zu hören war. Klassischer skandinavischer Power-/Melodic Metal im Sinne von SONATA ARCTICA, NOCTURNAL RITES oder JORN LANDE (gerade stimmlich) dominiert bei "Apocalypse Again" wieder. 


Der Opener "Veterans Of The Apocalypse" startet sogleich richtig durch, Double Bass-Attacken begleiten messerscharfe Gitarrenriffs und so komme ich nicht umhin heftig meinen Kopf im Takt zu schütteln. Gut, über den starken Keyboardeinsatz kann ich gerne hin weg sehen. Bereits STRATOVARIUS haben vor Jahren klar gemacht, dass Keyboards hervorragend zu schnellem Powermetal passen. "The Path" nimmt das Tempo ein wenig raus und könnte von stampfenden Sound tatsächlich auch von JORN LANDE stammen. Im Grunde auch vom Songwriting her ein richtig guter Song, nur der Refrain reisst mich nicht völlig vom Hocker (gerade der klingt dann doch zu sehr nach vielfach gehörtem). In die gleiche Kerbe schlägt "Fire & Ice", das mich jedoch tatsächlich von Anfang bis Ende gefangen nimmt. Gut, der Song ist noch melodischer geraten und ich halt ein wenig älter - daran könnte es auch liegen. Fakt ist jedoch, dass keiner der auf "Apocalypse Again" enthaltenen 9 Stücke schwach auf der Brust ist. "Through The Pain" ist mir dann ein kleine Spur zu langsam und zieht sich ein wenig, trotz starkem Refrain. Zum Glück gibt es mit dem folgenden "Walk Away Free" meinen absoluten Favoriten auf dem Album. Durch mehrere Tempiwechsel, harten und sanften Passagen baut sich eine Spannung auf, die mit den stärksten THUNDERSTONE Stücken (ich denke da besonders an die "The Burning"-Zeit zurück) locker mithalten kann. "Higher" ist anders, aber ähnlich stark und auch die restlichen Stücke können fast alle überzeugen. 

Zu einem Granatenalbum bzw. Klassiker fehlt "Apocalypse Again" zwar noch ein Stückchen, ein richtig gutes ist es aber auf alle Fälle geworden, so dass ich ohne weiteres fette 8 Punkte zücken möchte und mich ehrlich freue, dass Rasi Pantanen wieder an Bord ist. Sollte es den Finnen dann auch vergönnt sein, uns in good old Germany mit einigen Gigs zu beglücken, werde ich mir THUNDERSTONE auch endlich mal live und nicht nur wie seit Jahren auf Konserve zu Gemüte führen.  

Markus


 

Donnerstag, 14. April 2016

Ace Frehley - Origins Vol. 1

Interpret: Ace Frehley
Album: Origins Vol. 1
Spielzeit: 51:46 min.
Plattenfirma: Steamhammer

Veröffentlichung: 15.04.2016
Homepage: acefrehley.com



Wertung:  7 von 10 Punkten 
 
Tracklist:

  1. White Room (original by Cream) 
  2. Street Fighting Man (original by The Rolling Stones) 
  3. Spanish Castle Magic (original by Jimi Hendrix, feat. John 5) 
  4. Fire and Water (original by Free, feat. Paul Stanley) 
  5. Emerald (original by Thin Lizzy, feat. Slash)
  6. Bring It On Home (original by Led Zeppelin) 
  7. Wild Thing (original by The Troggs, feat. Lita Ford)
  8. Parasite (Kiss, feat. John 5) 
  9. Magic Carpet Ride (original by Steppenwolf) 
 10. Cold Gin (Kiss, feat. Mike McCreedy) 
 11. Till The End Of The Day (original by The Kinks) 
 12. Rock N Roll Hell (Kiss)


Immer wenn ein Künstler ein Cover-Album veröffentlicht stell ich mir die Frage, ob das denn unbedingt sein muss bzw. ob dem oder derjenigen welchen nicht doch die Ideen ausgegangen sind. Im Regelfall greife ich doch immer auf das Original zurück und die Coverversionen, die die Urversion in den Schatten stellen, sind doch eher rar gesät (sofern überhaupt vorhanden)
Ace Frehley's "Origins Vol. 1" ist ein derartiges Coveralbum. Was die Sache aber durchaus interessant macht sind die verschiedenen hochkarätigen Gäste, die Atze hier am Start hat.

Mit "White Room" wird ein guter Einstand gewählt, insbesondere die harmonischen Gitarren kommen sehr gut rüber. Der Gesang - nunja es ist eben Ace Frehley und der hat sich noch nie durch übergroßen Stimmumfang ausgezeichnet. Aber der Coolness-Faktor ist unbestritten.

Dass Ace ein Stones-Anhänger ist, hat er ja schon bei Kiss mit "2000 Man" bewiesen. In die gleiche Kerbe schlägt "Street Fighting Man", der vom Aufbau her ähnlich ist. 

John 5 stellt sich beim Hendrix'schen "Spanish Castle Magic zum Gitarrenduell. Der  Sprechgesang ist hier extrem lässig. Der Song ist heavy interpretiert und auch auf der Habenseite abzuhaken.

Das absolute Highlight auf "Origins Vol. 1" ist die erste Zusammenarbeit von Ace mit Paul Stanley seit der Kiss-Scheibe "Psycho Circus" von 1998. Wirkt Paul's Stimme live in den letzten Jahren doch etwas zerschossen, so überzeugt er hier in  etwas tieferer Stimmlage absolut. Schließlich gilt es, die Fussstapfen von Paul Rodgers zu füllen, was ihm famos gelingt.

Manche Songs soll man lieber nicht covern, dazu zählt wohl einiges wenn nicht alles von Thin Lizzy. Auch wenn sich hier Slash die Ehre gibt so ist der schräge Ace-Gesang hier etwas fehl am Platz, denn man denkt automatisch an Meister Phil Lynott und da kann man als Nachspieler ja nur verlieren. Das hätte er besser sein lassen.

Beim Led Zeppelin'schen "Bring it On Home" bin ich mir nun nicht wirklich sicher, ob das wirklich Ace am Mikro ist (die Liner Notes liegen mir nicht vor). Denn da gibt es einen lupenreinen Plant zu hören. Überraschend!

"Wild Thing" wurde mittlerweile ja auch schon fast zu Tode gecovert. Hier als Duett mit Lita Ford, was dem Song doch noch das gewisse Etwas gibt. Macht Spass zu hören.

Ob es geschickt ist gleich drei Kiss-Songs zu featuren und sich somit selber zu covern sei einmal dahingestellt. Bei "Parasite" ist nochmal John 5 zu hören. Der Sound ist hier schön fett produziert (im Vergleich zur lauen Produktion beim Kiss-Original) von daher zumindest eine interessante Version. Wie auch bei "Cold Gin" (mit Pearl Jam's Mike McCreedy and der Klampfe) wird sich sehr nah ans Original gehalten aber ich greife dann doch lieber zur Kiss-Version. Am überraschensten sicherlich die Wahl des dritten Kiss-Songs "Rock and Roll Hell" (vom 1982 Werk "Creatures Of The Night"), denn da war Frehley gar nicht zu hören, da er bereits vor den Aufnahmen ausstieg (bzw, ausgestiegen wurde). Auch hier passt der Gesang nicht so ganz dazu, da ist Gene Simmons der Vorzug zu geben.

Der Rest ist schnell erzählt:
Das locker -flockige "Magic Carpet Ride" von Steppenwolf wird hier in einer etwas heftigeren Version gebracht und passt gut zu Ace. Sicher live auch ein Abräumer. Verbleibt mit "Til The End of The Day" noch ein Kinks-Cover, das jedoch nicht besonders spektakulär ausfällt und wohl eher als Füller auf die Scheibe genommen wurde.


Fazit:
Eine Cover-Scheibe, die frisch klingt und handwerklich sehr gut gemacht ist. Die Gaststars geben dem Ganzen noch ein besonderes Aroma, so dass man "Origins Vol. 1" durchaus empfehlen kann. Eine gute Scheibe zum Start in den Frühling. Ace-Freunde schlagen sowieso blind zu. Bleibt abzuwarten, was auf weiteren Volumes landen wird......


Martin

Lee Jay Cop - Irgendwas is immer




Band : Lee Jay Cop
Album : Irgendwas is immer
Spielzeit : 41:24 Min.
Plattenfirma : Run United
Veröffentlichung : 15.04.2016
Homepage : www.leejaycop.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste:
  1. Schnellzug
  2. Check it out
  3. Du fühlst es auch
  4. Nur für dich
  5. Lifestyle blues
  6. 4 Farben
  7. B & G
  8. 23
  9. Hier hast du alles was du brauchst
  10. Mit dir
  11. Queen of Alles

Du trägst Baggy aus Überzeugung und möchtest die Uni mal so richtig ficken ? Du kennst den Teufel, lässt aber sicherheitshalber erstmal den Hund vorlaufen um die Lage zu checken ?

Wenn Du Dich da wiederfindest, solltest Du aber mal ganz schnell Lee Jay Cop kennen lernen, denn eure Profile decken sich verdächtig. Bei mir sieht das anders aus, ich könnte der Vater der Jungs aus Oldenburg sein und meine Helden Made in Germany hießen Fehlfarben, Extrabreit und Nichts. Wenn die übers ficken und saufen sangen, hatte das noch was Provokantes, bei den Cops gehört das einfach dazu, die hauen das raus ohne Dir ein Kotelett an die Backe zu labern. 

Trotz des Altersunterschieds mag ich Irgendwas is immer, die zweite und diesmal fast durchgängig deutschsprachige Scheibe der Band aus Oldenburg auf Anhieb. Erfrischend unverkrampft hauen Sänger Christopher Been jr., C.von Hillesheim und Daniel Schumann (Gitarren), Alex Fox (Bass) und Johnny Sweden (Schlagzeug) neben diversen sentimentalen Weichspülern (Nur für Dich, 23, Hier hast Du alles was Du brauchst), Rap-Einlagen über Brot & Spiele (B&G) einige coole Checker raus.

So fragt sich Christopher im Lifestyle Blues etwa, ob er vielleicht etwas zu verschmust sein könnte und rauscht im sehr geilen und süchtigmachenden Opener Schnellzug mit Marty McFly durch die Stadt.


Das alles geschieht dermaßen sprachgewandt, da stellen selbst solche Spitzen wie "jetzt wo ich in Dir bin, macht alles einen Sinn" (Queen of Alles) keinen Antrag auf Peinlichkeit. Die jungen Nordlichter dürfen das so sagen, weil sie die dicke Hose erst gar nicht angezogen haben und sich das alles überhaupt nicht schäbig anhört. "Mädchen mach' den Jungen hart, das gibt dem Leben mehr Karat" (Check it out) sind vielleicht keine intellektuellen Höchstleistungen, müssen sie aber auch nicht. Lee Jay Cop stellen keinen Anspruch auf Perfektion, schildern ihre Sicht der Dinge, ihres Lebens, auf ihre manchmal leicht melancholische aber spürbar ehrliche Weise...und das gefällt mir.

Das Ganze erinnert mich gelegentlich ein wenig an eine Mischung aus Tilman Rossmy ohne Stock im Arsch und Bands wie Belle & Sebastian oder Mazzy Star. Ob die britischen Wurzeln von Christopher hier eine Rolle spielen, wer weiß das schon...

Irgendwas is immer wurde übrigens in Bosnien (Mostar) aufgenommen. Das Muzički Centar Pavarotti (PMC) wurde 1997 auf Initiative von Luciano Pavarotti, Brian Eno und der Band U2 aufgebaut um, so die ursprüngliche Idee, der lokalen Jugend in der schweren Nachkriegszeit Erleichterung durch musikalisch-kreative Projekte zu verschaffen. So wundert es auch nicht daß man Lee Jay Cop zu einer toll produzierten Scheibe gratulieren darf, das Studio ist technisch hervorragend aufgestellt. Wer sich davon überzeugen möchte, kann das hier tun klick.

Meine Nummer eins, Du fühlst es auch, bringt die Sache mit riesengroßem Mitsingfaktor auf den Punkt. Coole Bassline, schöne Story über Herz, Schmerz und tralala...hey, was wollen wir denn eigentlich mehr ? 

Jungs, macht unbedingt weiter so und zieht Euer cooles Ding bitte durch. Danke.


Bernd

Dienstag, 5. April 2016

Lee Aaron - Fire And Gasoline

Interpretin: Lee Aaron
Album: Fire And Gasoline
Spielzeit: 48:24 min.
Plattenfirma: Caroline (Universal Music)

Veröffentlichung: 25.03.2016
Homepage: Leeaaron.com



Wertung:  8 von 10 Punkten
 


Tracklist:


01. Tom Boy
02. Fire And Gasoline
03. Wanna Be
04. Bitter Sweet
05. Popular
06. 50 Miles
07. Bad Boyfriend
08. Heart Fix
09. Nothing Says Everything
10. If You Don't Love Me Anymore
11. Find The Love




Lee Aaron hat schon eine Ewigkeit keine neue Scheibe mehr abgeliefert. Zeitweise war sie ja in die Jazzrichtung abgedriftet und hat dem guten alten Rock Lebewohl gesagt so schien es. Nach einigen Aktivitäten an der Livefront (unter anderem beim Sweden Rock Festival vor ein paar Jahren) hat sich die Gute jedoch nochmal besonnen und ist zurück bei dem, was sie bekannt gemacht hat: Handgemachter Rockmusik.
Wer jetzt jedoch ein  "Metal Queen" a'la 2016 erwartet liegt falsch und das ist gut so (auch wenn sie wohl auch noch heute im Lendenschurz mit Schwert eine gute Figur machen würde). 
"Fire and Gasoline" ist ziemlich abwechslungsreich ausgefallen und bei Weitem mehr als eine Veröffentlichung einer 80er Ikone, bei der nur Altes aufgewärmt wird. Im Gegenteil - teilweise zeigt sich die nach wie vor sehr stimmgewaltige Lee sogar sehr modern, wie beim Opener "Tomboy", der zwar ein bisschen rüberkommt wie "Ich will mal einen auf modern machen" (zudem mit recht infantilem Text), in der zweiten Hälfte jedoch Boden gutmacht und sich dann doch noch als ziemlicher Ohrwurm entpuppt. Das Video (siehe unten) ist Geschmackssache, der Song war ursprünglich für ihre Tochter gedacht, was man auch hört.

Ernsthafter geht es mit dem Titeltrack weiter, einem bluesigen Song, bei dem ihre rauhe  Stimme besonders gut zur Geltung kommt. Zwar ein etwas getragener Song aber qualtitativ hochwertig. Insbesondere die Produktion ist zu loben. So sollte das anno 2016 klingen.
"Wannabe" beginnt mit einer Reminiszenz an ihre Jazz-Zeit ehe sich der Song in einer wilden Mischung aus Green-Day'schen Punk-Attitüden und Kate Perry  einreiht. Auch ein bisschen auf hip gemacht aber als ein Gute-Laune-Song allemal zu gebrauchen.

Highlight der Scheibe ist Song Nr.4 namens "Bittersweet". Das ist eine wirkliche Hammer-Halbballade, eine der besten seit langem. Mehrfach gehört geht eine das "If you think this tune is a love song" nicht mehr aus dem Ohr. Wäre die Welt gerecht wäre das ein Megahit. 

"Popular" ist ein flotter Modern-Rocker, der ebenfalls Spass macht, während "50 Miles" ein düsterer Blues-Track ist, der wiederum ein idealer Showcase für die gut geölte Aaron'sche Röhre darstellt. Sie hat ja von sich selber behauptet, dass die Jazz-Phase ihrer Stimme gut getan hat. Kann man bedenkenlos unterschreiben. 

"Bad Boyfriend" könnte auch auf einem ihrer alten Werke stehen und riecht schwer nach 80ern. Metal war Lee Aaron trotz ihrer bekanntesten Scheibe ja nie, eher 80er Hardrock, den dieser Song in Reinkultur liefert. Stark!

Im letztden Drittel der Scheibe geht es eher gediegener zu, was keineswegs bedeutet, dass die Qualität abnimmt, im Gegenteil:
"Heart Fix", "Nothing Says Everything"   und das AOR-lastige "If You Don't Love Me Anymore" sind Songs ohne qualitätive Ausrutscher, allesamt gut gelungen und zum Teil an Heart zu ihren besten Zeiten erinnernd.

Als Rausschmeisser gibt es mit "Find The Love" nochmals ein echtes Highlight. Der fast 7minütige Song ist genial gesungen, zwar auch sehr ruhig aber sowohl Melodie und auch Text berühren. Gänsehautfaktor und auch für diesen Track würden die Wilson-Sisters killen. Alle Achtung.

Zusammenfassung:
Die CD überzeugt, mich überrascht sie sogar. Statt aufgewärmtes gibt es flotten (Hard-)Rock mit teilweise modernen Elementen und ein paar "cheesy" Momenten. Nichtsdestotrotz eine sehr gute Veröffentlichung die Spass macht. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass sich die Scheibe so gut verkaufen wird, dass man die Rockrühre mal wieder in unserem Breitengraden sehen kann.


Martin