Mittwoch, 18. Januar 2017

Deaf Havana - All These Countless Nights





Band: Deaf Havana
Album: All These Countless Nights
Spielzeit: 45:03 min.
Plattenfirma: SO Recordings/Rough Trade
Veröffentlichung: 27.01.2017
Homepage: www.deafhavanaofficial.com

Wertung: 7,5 von 10



Tracklist:

1. Ashes, Ashes
2. Trigger
3. L.O.V.E.
4. Happiness
5. Fever
6. Like A Ghost
7. Pretty Low
8. England
9. Seattle
10. St. Paul's
11. Sing
12. Pensacola, 2013

Das neue DEAF HAVANA Album "All These Countless Nights" ist mein erster Kontakt mit dieser britischen Band, die auch schon seit etwa 11 Jahren existiert und nach der Veröffentlichung des letzten Albums "Old Souls" 2013 und einer Top 10 Charts Platzierung in Großbritannien ein Jahr später kurz vor der Auflösung stand. “Ich war kurz davor alles hinzuschmeißen,” sagte Sänger Veck-Gilodi, “ich wollte einfach nicht mehr in der Band sein.” Glücklicherweise haben die Briten sich wieder zusammen gerauft, Sänger James hat seine Alkohol- und Drogengeschichten angeblich wieder im Griff und "All These Countless Nights" ist fertig eingespielt. Denn entstanden ist ein Post-Rock-Alternative Album, welches bei mir zumindest des Öfteren im Player landen wird. 


Bereits der Opener "Ashes, Ashes" weiß nach sanftem Beginn mit einer gelungenen Melodieführung, treibenden Drums und einem richtig guten Refrain zu überzeugen. Noch besser ist dann aber das folgende "Trigger", welches in meinen Augen wirklich das Zeug zum Radiohit hat. So muss gekonntes Songwriting anno 2017 aussehen, mit einem Gespür für die feinen Details, klasse gesetzten Breaks und einem Ohrwurm-Refrain. "Trigger" vereint wirklich eine Melange aus klassischem Rock a la BRUCE SPRINGSTEEN und modernen Sounds wie sie uns COLDPLAY darbieten. Gut, das Niveau halten DEAF HAVANA leider nicht über das komplette Album und bereits das nun folgende "L.O.V.E." läuft an mir völlig vorbei. Glücklicherweise kriegen die Briten aus Norfolk gleich wieder die Kurve und liefern mit "Happiness" eine wunderbare gefühlvolle Ballade, die Menschen in meinem Alter zum Träumen einlädt und sicher so manches Herz zum Dahinschmelzen bringt. Zumindest, wenn der Hörer weiblich und zwischen 15 und 25 ist. Wage ich einfach mal in den Raum zu stellen.

"Fever" ist mit seiner düsteren Grundstimmung und dem sehr nachdenklichen Text emotional gesehen ein ganz anderes Kaliber und genau das macht "All These Countless Nights" für mich interessant, denn das Album ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle und kommt für mich daher sehr ehrlich und offen rüber. Auch "Pretty Low" stellt wieder die melancholische Seite der Band dar und zählt zu den weiteren Highlights. Und als letzten großartigen Song gibt es mit "Sing" noch einen fröhlichen Radiosong, dessen Video ich euch unten angefügt habe. 

Doch wie bereits gesagt, können mich nicht alle Stücke wirklich restlos überzeugen, wobei DEAF HAVANA 2017 beweisen, dass Sie guten Songs schreiben können, deren Message man Ihnen auch abnimmt. Für jeden, der sich mit gutem modernen Rock beschäftigen möchte, der nicht gleich an der oberflächlichen Seite kleben bleibt, kann ich "All These Countless Nights" empfehlen.

Markus


 

Pride Of Lions - All I See Is You (Musikvideo)

Als Vorgeschmack auf das neue PRIDE OF LIONS Album "Fearless" präsentieren Jim Peterik und Sänger Toby Hitchcock das Musikvideo zu "All I See Is You". Bis auf den ungewöhnlichen Anfang mit Jim am Mikro, gefällt mir der fröhliche Song ganz gut. It's Cheezy Easy Listening Melodic Rock.




Und wer nicht genug kriegen kann, kann hier auch noch in "Silent Music" vom neuen Album reinhören, wenn auch ohne 80er Jahre Frauen im Bild :-)


Dienstag, 17. Januar 2017

The Band Of Heathens - Duende


Band: The Band Of Heathens
Album: Duende
Spielzeit: 39:02 Min.
Veröffentlichung: 13.01.2017
Plattenfirma: Blue Rose Records
Homepage: www.bandofheathens.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste:

  1. All I'm Asking
  2. Sugar Queen
  3. Last Minute Man
  4. Deep Is Love
  5. Keys To The Kingdom
  6. Trouble Came Early
  7. Daddy Longlegs
  8. Cracking The Code
  9. Road Dust Wheels
  10. Green Grass Of California

The Band Of Heathens (Gemeinschaft der Heiden) vertreten eine Musikrichtung, die es in den letzten Jahren geschafft hat, mehr und mehr an Popularität zu gewinnen. Americana kommt (unschwer zu erraten) aus den Staaten und vermengt wichtige Musikstile wie Blues, Country, Folk und Rock mal mehr, mal weniger. Dementsprechend sind TBOH bei Blue Rose Records, DEM Label für Roots- bzw. Country-Rock, ganz passend untergekommen. Mit Duende wird dieser Tage der fünfte Studio-Longplayer veröffentlicht.

Die Geschichte der Band aus Austin, Texas liest sich ganz interessant. 2007 teilten sich die drei Songwriter Colin Brooks, Ed Jurdi und Gordy Quist Abend für Abend als Solo-Interpreten die Aufmerksamkeit des Publikums. Es dauerte jedoch nicht lange festzustellen, dass man auch als Trio durchaus Spaß haben könnte. Bassist Seth Withney stieß hinzu und fertig war Name The Good Time Supper Club. Der Name hielt aber nur kurz, denn eine Lokalzeitung kündigte die Band fälschlicherweise als The Heathens an. Nachdem Drummer John Chipman und Keyboarder Trevor Nealon das Projekt ergänzten, war die Urversion der heutigen Band fertig.

Ed (Gesang, Gitarre), Gordy (Gesang, Gitarre) und Trevor (Piano, Keyboard) bilden den Kern der Heathens und werden heute von Drummer Richard Millsap und Bassist Scott Davis verstärkt. Die Musik als getragenen Songwriter- / Gitarren-Pop-Rock zu bezeichnen, damit tritt man der Band sicher nicht zu sehr auf die Füße. Immerhin gelingt der Einstieg in Duende mit All I'm Asking dermaßen eingängig und beschwingt, dass man fast geneigt ist, sich den Sommer herbei zu reden, die kurzen Hosen aus dem Schrank zu holen um mit der Liebsten händchenhaltend über Blumenwiesen zu hüpfen. 



Einen Emotions-Supergau müssen wir aber nicht befürchten, denn es ist weitaus mehr als die Leichtigkeit des Seins, die Duende ausmacht. Die Sonne bricht zwar immer wieder durch und verwöhnt uns mit hormonschwangeren Songs wie Deep Is Love, einer Verneigung vor den Beatles, doch es geht auch anders: "Ich habe das Gefühl, dass das Album all unsere Einflüsse und alles, was wir in den Jahren mit der Band getan haben, zusammenbringt. Jeder Aspekt unserer Karriere ist eingeflossen...unsere Wurzeln, nachdenkliche Singer-Songwriter-Sachen, Vollgas-Rock'n'Roll, das gehört alles zu uns." so Ed Jurdi

So ist es. Zum Beispiel Trouble Came Early, die Nummer rockt...zumindest so wie The Band Of Heathens sich das unter "Vollgas-Rock'n'Roll" vorstellen. Da hat es eine fast dreckige E-Gitarre und fast polternde Drums, Uptempo, ein schönes Gitarrensolo und ein wunderschönes Barrelhouse-Piano. M
an meint für einen Moment, Ryan Adams stecke den Kopf durch die Tür. Dann die totale Kehrtwende. Daddy Long Legs lädt George Clinton, Sly Stone und Prince zum psychedelischen Funk-Stelldichein ein und lässt mich verwundert nachsehen, ob es sich überhaupt noch um die Band Of Heathens handelt.

Plötzlich wird klar, der Reiz liegt in dem, was die Jungs aus alledem machen. Egal welche Gefühlslage sich in welchem Song entwickelt, man nimmt ihnen diese Musik einfach ab. Die stärksten Momente haben The Band Of Heathens immer dann, wenn ihre Songs, wie in Last Minute Man, nachvollziehbare Geschichten transportieren. In diesem Fall die von Ed Jurdi, einem notorischer Zuspätkommer dem es aber reichlich egal ist...

Wer also Musik mag, die leicht konsumierbar ist und Inhalt hat, möchte bitte reinhören in Duende. Wer dringend eine schweißtreibende Energieleistung braucht, sollte sich anderweitig orientieren. Mein persönliches Fazit fällt positiv aus, selbst wenn ich es gern ein ganz klein wenig rauher und sperriger mag.

Bernd Fischer

Mittwoch, 11. Januar 2017

Amaral - Nocturnal


Band: Amaral
Album: Nocturnal
Spielzeit: 54:23 min. (Main Album); 45:33 min (Bonus CD)
Plattenfirma: Superball Music
Veröffentlichung: 27.01.2017
Homepage: www.amaral.es

Wertung: 8,5 von 10


Tracklist:

1. Llévame Muy Lejos
2. Obertura (Unas Veces Se Gana...)
3. Unas Veces Se Gana Y Otras Se Pierde
4. Nocturnal
5. La Ciudad Maldita
6. Lo Que Nos Mantiene Unidos
7. 500 Vidas
8. Cazador
9. Nadie Nos Recordará
10. La Niebla
11. Laberintos
12. Chatarra
13. En El Tiempo Equivocado
14. Noche De Cuchillos

CD2: Nocturnal Solar Session (Bonus CD – Acoustic version of album tracks)
1. Llévame Muy Lejos
2. Unas Veces Se Gana Y Otras Se Pierde
3. Nocturnal
4. La Cuidad Maldita
5. Lo Que Nos Mantiene Unidos
6. 500 Vidas
7. Cazador
8. Nadie Nos Recordará
9. La Niebla
10. Laberintos
11. Chatarra
12. En El Tiempo Equivocado
13. Noche De Cuchillos

AMARAL sind in deutschen Landen bisher noch kein all zu großer Begriff. Das ist in Ihrer Heimat Spanien zum Glück völlig anders. Dort erschien das nun bei uns auch endlich erscheinende Album "Nocturnal" bereits Ende 2015 und stieg in der ersten Woche auf Platz der 3 spanischen Charts ein. Um sich dann bis heute geschlagene 54 Wochen in den dortigen Top 100 zu halten. Mit den Singles hatten Sängerin Eva Amaral und Gitarrist Juan Aguirre zwar nicht ganz so viel Erfolg, das mag aber auch an der musikalischen Ausrichtung liegen. Denn die Mischung aus Alternative Rock und sehr poppigen Klängen für die das Duo steht entfaltet erst in Albumlänge seine Faszination. Und das schafft "Nocturnal" nach mehr als einem Dutzend Hördurchgängen bei mir immer mehr. Gut, allzu progressive Strukturen warten nicht auf den Hörer und manche Melodie mag auch zuckersüß sein, von verdammt guten Songwriting verstehen AMARAL etwas. 

Doch beginnen wir mit dem Opener "Llévame Muy Lejos", welches neben einem ohrwurm-artigen Refrain mit der tollen Stimme von Sängerin Eva besticht. Schade, dass ich die spanischen Texte nicht verstehe, denn die positive Grundstimmung des Songs hat mich zumindest neugierig gemacht, wovon er handeln könnte. Doch egal. Vielleicht ist AMARAL dadurch der Durchbruch außerhalb Spaniens bisher verwehrt geblieben, doch ich hoffe auf Besserung. Die 90 sekündige Überleitung zu "Unas Veces Se Gana Y Otras Se Pierde" spare ich mir lieber, doch der nun folgende Song mit dem unausprechlich langen Titel ist eine schöne ruhige Popballade geworden, die mir aber etwas zu sehr nach Standard-Songwriting klingt. Ganz anders der Titelsong, der zumindest auf mich Sogwirkung hat. Gut, im Grunde stehen AMARAL tatsächlich für "Mainstream"-Musik, wenn die aber so gut und voller Herzblut wie beim dramatischen "La Ciudad Maldita" aus den Boxen kommt, kann ich nicht widerstehen. Weitere absolute Highlights in meinen Ohren sind das mit hervorragenden Melodien ausgestattete "500 Vidas" und mein definitiver Favorit "Cazador", welches mich mit seiner Einfachheit fesselt und zwangsweise mitsingen lässt. Ebenfalls zu erwähnen ist auch das folkig-rockige "Laberintos", welches bis auf den schwächelnden Drum-Sound, von der ersten bis zur letzten Sekunde überzeugen kann. 

Dies gilt jedoch nicht für alle 14 Stücke, was vielleicht auch zuviel verlangt wäre. Doch manche der 54 Minuten laufen doch ein wenig höhepunktlos an mir vorbei. Als besonderen Bonus für die weltweite Veröffentlichung gibt es außerdem sämtliche Stücke noch in einer akustischen Version auf einer Extra CD dazu. Damit hat man bei uns in Deutschland auf alle Fälle verdammt viel gute Musik fürs Geld bekommen und ich kann dicke fette 8,5 Punkte zücken. Ich hoffe sehr darauf, dass AMARAL nun der weltweite Durchbruch oder zumindest der verdiente Erfolg zusteht. Verdammt gut.

Markus

 

Sonntag, 8. Januar 2017

Rich Hopkins & Luminarios - My Way Or The Highway



Band : Rich Hopkins & Luminarios
Album : My Way Or The Highway
Spielzeit : 55:05 Min.
Plattenfirma : Blue Rose Records
Veröffentlichung : 27.01.2017
Homepage : www.richhopkinsmusic.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste :
  1. Angel Of The Cascades
  2. Gaslighter
  3. Want You Around
  4. If You Want To
  5. Lost Highway
  6. Meant For Mo'
  7. Hell or High Water (Married Go 'Round)
  8. I Don't Want To Love You Anymore
  9. Journey To Palenque
  10. Chan Kah
  11. Gnashing Of Teeth
  12. Walkaway Again

Nicht nur dass Songwriter, Sänger und Gitarrist Rich Hopkins aus Tucson, Arizona seit Jahren Platte um Platte veröffentlicht, Fans regelmäßig mit intensiven Konzerten beglückt und bei alledem stets sehr sympatisch herüberkommt...es ist vor allem die nahezu familiäre Atmosphäre, die seine Anhänger an Gattin und Bandkollegin Lisa Novak und dem 58-Jährigen lieben. Belohnt wird dies mit einer sehr treuen Gefolgschaft, besonders in Deutschland. Die besondere Aufmerksamkeit der Musikindustrie oder gar Auftritte vor größerem Publikum blieben Rich Hopkins jedoch weitestgehend verwehrt. Je nach Sichtweise darf das als Schicksal oder Segen betrachtet werden. Fest steht, sollte es eines Tages einen Titel für sträflich unterbewertete Musiker geben, wäre Rich Hopkins ein Anwärter auf eine Platzierung ganz weit oben.

Dabei sind die Songs über Menschen, die Rich Hopkins auf seinen Reisen durch Südamerika kennenlernt und gemeinsam mit Lisa Novak, einer vorzüglichen Songwriterin, in Worte fasst, absolut hörenswert. Wer mag sich nicht an sein Paraguay-Epos (1997, The Glorious Sounds of Rich Hopkins & Luminarios) erinnern ? El Otro Lado / The Other Side (2006) war gar ein Konzeptalbum über die illegale Immigration von Mexiko in die Staaten. In seine Veröffentlichungen sind immer wieder feinfühlige Bezüge zu sozialkritischen Themen aus Hopkins' Lebensumfeld, insbesondere die Sorgen und Nöte der Menschen, eingeflossen. Den lieb gemeinten Titel "Godfather of Desert Rock" mag man denn auch nehmen wie man will, selbst wenn Vergleiche mit dem Loner nicht von der Hand zu weisen sind, hat Rich Hopkins doch einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil. 

Und das ist gut so. My Way Or The Highway erscheint Ende des Monats, es ist das 14. offizielle Studio-Album mit seiner Begleitband Luminarios. Überraschte der Vorgänger Tombstone (2015) manchen Zuhörer noch mit leicht gesteigertem Härtegrad und Western-Thematik, macht Rich Hopkins mit diesem Album eher einen Schritt zurück und schlägt mit dem Opener Angel Of The Cascades deutlich seichtere Töne an. Er verwöhnt uns aber gemeinsam mit Gattin Lisa mit einer wunderschönen Reise durch den Südwesten der USA und zu den Wasserfällen ins mexikanische Chiapas. Überhaupt ist die Scheibe ein in Musik gegossener Reisebericht, unterbrochen von gegenseitigen Liebesbekundungen und emotionalen Geschichten. Und wie so oft, schafft es Rich Hopkins von Beginn an, seine Themen spürbar herüberzubringen. Wenn er nämlich eins kann ist es, authentische Musik zu produzieren. Darin ist er ein wahrer Meister, man möchte sich vom Fleck weg neben ihn und Lisa an den Tisch setzen, den Klängen seiner akustischen Klampfe und den Storys lauschen. Bei Alledem darf man nicht vergessen, Rich Hopkins hat einen Hang zu Gitarrensoli epischen Ausmaßes, seinen (Mittel) Weg aber schon vor langer Zeit gefunden. Hört in If You Want To rein und Ihr wisst was ich meine. Leicht verwundert bin ich, daß er trotz des getragenen Americana-Country-Rock auf seinen Fahnen, den Mut aufbringt, einen Rap-Song aufzunehmen. Natürlich nicht, ohne in Meant For Mo' die Gitarre, die lebenswichtige DNA seiner Musik, einzuflechten. Rich Hopkins ging eines Tages wohl eine Symbiose mit seinem Instrument ein, er entlockt ihm gleichermaßen liebevoll eine nahezu intime Sanftheit ebenso wie staubtrockene Fuzz-Attacken.

All das fokussiert sich auf den Platten des Rich Hopkins immer und immer wieder in scheinbar endlosen Nummern, so wird aus Gnashing Of Teeth ein sieben Minuten langer Monolog über den Sinn des Lebens im Allgemeinen und Zähneknirschen im Speziellen. Und er erklärt uns die lange Fahrt auf dem Lost Highway ohne ein einziges Wort zu verlieren, er lässt halt seine Gitarre sprechen. 

Mein Januar-Held heißt schon am Anfang des Monats Rich Hopkins und ja, ich vergebe ihm den Rap-Song.

Rich Hopkins & The Luminarios sind übrigens ab Mai auf ausgedehnter Deutschland-Tour. Wer Zeit hat, sollte sich auf den Weg machen, ich kann aus Erfahrung sagen, daß es sich lohnt. Wer weiß, vielleicht sieht man sich...


Sämtliche Termine findet Ihr auf der Seite des deutschen Fanclubs: www.richhopkins-germanfanclub.de



Bernd Fischer

Mittwoch, 4. Januar 2017

Magnum - The Valley Of Tears - The Ballads

Band: Magnum
Album: The Valley Of Tears - The Ballads
Spielzeit: 53:53 min.
Plattenfirma: Steamhammer/SPV
Veröffentlichung: 06.01.2017
Homepage: www.magnumonline.co.uk/

Wertung: 8 von 10



Tracklist:

01. Dream About You (remastered)
02. Back in Your Arms Again (newly re-recorded)
03. The Valley of Tears (remixed, remastered)
04. Broken Wheel (newly re-recorded)
05. A Face in the Crowd (remixed, remastered)
06. Your Dreams Won’t Die (remastered)
07. Lonely Night (acoustic version, newly re-recorded)
08. The Last Frontier (remixed, remastered)
09. Putting Things In Place (remixed, remastered)
10. When The World Comes Down (new live version)


Viele MAGNUM Fans werden diese Tage hin- und hergerissen sein. War die Idee eines reinen Balladenalbums, die Tony Clarkin's Tochter hatte, bahnbrechend oder steht uns "nur" ein verspätetes Best Of ins Haus? Verspätet deshalb, da solche Scheiben erfahrungsgemäß vor Weihnachten erscheinen und teilweise seltsame Blüten treiben (man denke dabei nur an das "Duett" zwischen ELVIS PRESLEY und HELENE FISCHER, welches ständig im TV beworben wurde). Doch zurück zu den britischen Bombast- und Schmachtrockern MAGNUM, die seit Ihrer Gründung 1972 für viele balladeske Gänsehautmomente auf Ihren Studioalben gesorgt haben. Und "The Valley Of Tears" ist tatsächlich nicht eine reine Zusammenstellung der bisherigen Balladen geworden, denn die Band hat jeden Song entweder neu reamstered oder sogar neu eingespielt. Das ist gerade beim Hören des kompletten Albums von Vorteil, denn die Stücke wirken wie aus einem Guss und variieren nicht durch unterschiedliche Studioaufnahmen.


Doch beginnen wir mit "Dream About You" vom 2002er Album "Breath Of Life", welches die knapp 54 Minuten einläutet. Die remasterte Version liegt ziemlich nah am Original und lädt zum Kuscheln vorm Kaminfeuer ein. Viel stärker fällt der Unterschied zur ursprünglichen Version bei "Back In Your Arms Again" auf, hier gefällt mir die neue Version auch auf Grund des abermals herrlichen Gesangs von Meister Bob Catley noch einen Tick besser als vor fast 25 Jahren. Zu den Kandidaten, die ich ebenfalls besser finde, zählen noch das bombastische "Broken Wheel" und die Live-Version von "When The World Comes Down". Die restlichen Stücke unterscheiden sich nur in Nuancen von den eh schon starken Ur-Versionen. 

Und das ist auch bei mir der Grund, warum ich hin- und hergerissen bin. Denn der normale MAGNUM Jünger hat eh schon alle Platten im Schrank stehen und bekommt somit nicht so viel mehr neues zu hören, aber dennoch viel mehr als bei einer lieblosen Zusammenstellung, bei der sich weder Plattenfirma noch Band sonderlich Gedanken gemacht haben. Denn wie auch die Balladen von MAGNUM zum Nachdenken anregen, haben sich die Briten inklusive Plattenfirma hingesetzt und Ihre Hausaufgaben gemacht. Dazu zählt auch das gelungene Cover. Und da schließlich und endlich doch die Qualität gewohnt hoch ist, kann ich zumindest knappe 8 Punkte zücken.

Markus

Montag, 19. Dezember 2016

Garth Brooks - Gunslinger


Künstler: Garth Brooks
Album: Gunslinger
Spielzeit: 35:04 min.
Plattenfirma: Sony Music
Veröffentlichung: 25.11.2016
Homepage: www.garthbrooks.com

WERTUNG: 7 von 10


Tracklist:

01. Honky-Tonk Somewhere
02. Weekend
03. Ask Me How I Know
04. Baby, Lets Lay Down And Dance
05. He Really Loves You
06. Pure Adrenaline
07. Whiskey To Wine
08. Bang! Bang!
09. Cowboys And Friends
10. 8Teen

Kurz vor Weihnachten kam ich auf die etwas abwegige Idee unbedingt mal etwas Country Musik im klassischen Stil rezensieren zu wollen. Und dafür habe ich mir den gestandenen GARTH BROOKS auserkoren, der seine große Zeit in den 90er Jahren hatte (mit Hits wie "The Dance" oder "Ain’t Going Down ('Til the Sun Comes Up)") und seit 1995 auch seinen Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame inne hat. Seine unzähligen sonstigen Auszeichnungen möchte ich euch gar nicht alle aufzählen (unter anderem Grammy Awards, Billboard Music Awards etc.), könnt ihr bei Gelegenheit ja mal googeln. 


Nach einer längeren Pause kam 2014 sein Comeback Album "Man Against Machine" heraus, bei dem er wieder einige County-untypische Ausflüge unternahm. Davon ist beim neuen Werk "Gunslinger" nicht mehr viel zu hören. Schon der Opener "Honky-Tonk Somewhere" ist ein knapp 2 1/2 minütiger Gute-Laune Country Song mit den typischen Zutaten. Im Grunde wirklich ganz nett, mit fehlt etwas die songwriterische Tiefe, die GARTH in der Vergangenheit doch oft ausgezeichnet hatte. Das folgende "Weekend" haut genau in die gleiche Kerbe, läuft bei mir aber leider etwas vorbei. Zu flach, zu glattgebügelt, auch von der Produktion her. Dies trifft leider auf das gesamte Album zu, mir persönlich fehlen die Ecken und Kanten, passend dazu die teilweise stark per Photoshop und Weichzeichner Effekt bearbeiteten Fotos im Booklet. Richtig interessant ist für mich dann das folgende sehr ruhige "Ask Me How In Know", das seine hohen Qualitäten als Songwriter viel besser widerspiegelt als die beiden vorangegangenen Tracks. Das bereits als Single ausgekoppelte "Baby, Let's Lay Down And Dance" geht dann stärker in die poppige Richtung und dürfte stark auf Radio-Airplay abzielen. Nicht schlecht trotzdem das Stück. Und das kann man für das komplette restliche Album so sehen. Ja, die 10 Lieder sind irgendwie meistens recht gut, mir fehlt aber einfach das gewisse Etwas, das seine Lieder und auch seine recht provokanten Texte in der Vergangenheit ausgezeichnet haben. Ich denke da nur mal an "The Thunder Rolls" inklusive dem "skandalösen" Musik Video dazu.

Auf "Gunslinger" bewegt sich GARTH BROOKS nur in seiner eigenen relativ eng gesetzten Komfortzone und mir fehlen die Einflüsse aus anderen Musikrichtungen, die Experimentierfreude. So bleibt "Gunslinger" ein typisches Nashville-Album, das keine großen Abdrücke in der Musikwelt hinterlassen wird. Gerade wenn sich dann noch ein selten einfältiges Lied wie "Bang! Bang!" darauf verirrt, welches auf Grund seiner Plattheit wirklich im Demo-Schrank hätte bleiben können. 

Als Fazit kann man GARTH die Erfahrung und das Können als Musiker an sich natürlich nicht absprechen, von einem solchen Musiker hätte ich aber ehrlich mehr erwartet und so bleibt "Gunslinger" bei sehr knappen 7 Punkten hängen.

Markus

Sonntag, 18. Dezember 2016

Alvin Lee & Ten Years Later - Rocket Fuel



Band : Alvin Lee & Ten Years Later
Album : Rocket Fuel
Spielzeit : 36:36 Min.
Veröffentlichung : 18.11.2016 (1978)
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.alvinlee.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste :

  1. Rocket Fuel
  2. Gonna Turn You On
  3. Friday The 13th
  4. Somebody Callin' Me
  1. Ain't Nothin' Shakin'
  2. Alvin's Blue Thing
  3. Baby Don't You Cry
  4. The Devil's Screaming

Mit dem dritten Teil der Repertoire-Remasters des Alvin Lee-Backkatalogs durften die Anhänger des begnadeten Gitarristen aufatmen. Die Alben Pump Iron ! und insbesondere Let It Rock hatten ja, wie Ihr lesen konntet, selbst härtesten Fans einiges abverlangt und für ratlose Gesichter gesorgt. Mit dem 1978 erschienenen Album Rocket Fuel begab sich Mr.Lee zur Freude aller endlich auf Wiedergutmachungskurs. Die Idee, seinem Projekt den Namen Ten Years Later zu geben, stieß allerdings eher auf irritierte Reaktionen als auf Begeisterung...

Direkt mit den ersten Tönen lässt der Gute einen Düsenjet vorbeifliegen und wir hören mit Rocket Fuel endlich wieder Klänge von Captain Speedfinger, die an die guten alten Ten Years After Zeitern erinnern. So darf es natürlich weitergehen und siehe da, Gonna Turn You On ist ein harter Blues, der im weiteren Verlauf zu einer astreinen Hardrocknummer mit knackiger Doublebass mutiert. Und das im Jahr 1978, als diese im harten Rock noch gar nicht auf breiter Basis etabliert war. Gelegentlich erinnert mich Alvin Lee mit dem Song an Rory Gallagher, was ja sicher nicht der schlechteste Vergleich wäre. 
Unüberhörbar ist die trotzig-trockene Stimmung, die Rocket Fuel von Anfang an verbreitet. Die schlechten Kritiken der Vorgänger werden sicher ihren Teil dazu beigetragen haben...

Das schleppende Friday The 13th schält sich mit gedrosselter Drehzahl aus den Boxen, glänzt aber mit dem harten, an John Bonham erinnernden Schlagzeug. Tom Compton liefert sich an den Drums einen wunderbaren Kleinkrieg mit Bass und Gitarre. Mein Highlight ist allerdings Somebody Callin' Me, dessen trippiges Jazz-Rock-Fundament und die Gitarre von Alvin Lee ein intensives Zuhören unumgänglich machen. Hinzu kommt das hörenswerte Orgelspiel gleich zweier Organisten, Bernie Clarke und Mick Weaver, die nicht nur diese Nummer garnieren. Überhaupt kann Alvin Lee sich rühmen, bei der Auswahl seiner Leute fast immer ein glückliches Händchen gehabt zu haben...man höre sich allein die Basslines von Mick Hawksworth und das knackige Schlagzeugspiel an. 

Sämtlichen Songs liegt solide Arbeit zugrunde, sowohl was das Songwriting betrifft, als auch deren Umsetzung. Alvin Lee stand der Sinn während der Arbeiten an Rocket Fuel wohl nicht nach Balladen oder anderen emotionalen Regungen, es sollte Handwerk abgeliefert werden. So finden sich auch im weiteren Verlauf der Platte keine Überraschungen, sieht man von dem superkurzen aber wunderschönen Akustikintermezzo namens Alvin's Blue Thing und der fast zehnminütigen Schlußnummer The Devil's Screaming einmal ab. Der Schlussong erinnert mit seinem dahinfliessenden Charakter zunächst sehr an Robin Trower's '74er Hit Bridge Of Sighs, wird zwischendurch aber seinem Namen gerecht und entführt den Hörer in ein psychedelisches Stimmen- und Percussionswirrwar. Die Nummer klingt dann allerdings so aus, wie sie begann und vollendet ein würdiges Album, welches die Anhänger Alvin Lees durchaus besänftigt haben dürfte.


Bernd Fischer

Sonntag, 11. Dezember 2016

Alvin Lee - Let It Rock


Interpret : Alvin Lee
Album : Let It Rock
Spielzeit : 42:33 Min.
Veröffentlichung : 18.11.2016 (1977)
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.alvinlee.com

Wertung . 6 von 10

Trackliste:
  1. Chemicals, Chemistry, Mystery And More
  2. Love The Way You Rock Me
  3. Ain't Nobody
  4. Images Shifting
  5. Little Boy
  1. Downhill Lady Racer
  2. World Is Spinning Faster
  3. Through With Your Lovin'
  4. Time To Meditate
  5. Let It Rock

"Bei Ten Years After wurde sehr viel improvisiert und nach 8 Jahren hatten wir alle Möglichkeiten erschöpft. Wir hatten so viel improvisiert dass wir schon anfingen uns zu wiederholen. Wir fanden keinen Ausweg mehr, wir hatten uns festgefahren. Wir mussten aufhören". So Alvin Lee im Januar 1977 im Fachblatt Musikmagazin.

Es muss Herrn Lee stets wie ein Déjà-Vu vorgekommen sein, wieder und wieder auf die Gründe der Auflösung seiner ehemaligen Band Ten Years After angesprochen zu werden. Der Wunsch nach musikalischer Veränderung war allerdings stark genug, sich diesem auch nach dem aus Sicht der alten Fans "schwierigen" Vorgänger Pump Iron ! hinzugeben. Das Nachfolgealbum hörte zwar auf den erwartungsvollen Namen Let It Rock und versprach allzu offensichtlich die Rückkehr zu alten Tugenden...brachte sie aber nicht. 

Viel schlimmer noch, Let It Rock war in den Augen derer, die Alvin Lee für endlose Soli und Improvisationen geliebt hatten, ein saft- und kraftloser Fehlgriff. Dementsprechend gingen die Kritiken 1977 voll durch die Kellerdecke. Letztlich ist Let It Rock ein unspektakuläres und langatmiges, aber immerhin sehr solides und nachhaltiges Album geworden. Lee hatte sich mit John Sussewell einen hochtalentierten Jazz-Drummer ins Boot geholt, der die Platte mit seinem präzisen und mehrdimensionalen Stil spürbar veredelte. Allein, es fehlte an Energie. Chemicals, Chemistry, Mystery And More besticht mit einem lässigen Flow und der tollen handwerklichen Leistung sämtlicher Musiker, hat aber kaum Drive. Den entspannten Gesang Alvin Lees empfinde ich sonst als sehr angenehm, hier dauert es nicht lange und man fragt sich, ob nicht sogar die Backgroundsängerinnen Schlaftabletten intus hatten. Ansonsten dürfen wir uns über Songs wie Love The Way You Rock Me mit lässigem Südstaaten-Feeling freuen. Oder Ain't Nobody, der hat anfänglich kaum mehr Energie, aber plötzlich wird klar, warum ein Alvin Lee keine wirklich schlechten Songs abliefern konnte: Dank seines untrüglichen Gespürs für Melodien und Songstrukturen holte er selbst aus solch schläfrigen Nummern noch das Beste heraus, und so steigert sich Ain't Nobody hintenraus um ein Vielfaches, als noch ganz kurz die Handbremse gelockert wird...nur ganz kurz, aber immerhin. 

Images Shifting wäre dann, ebenfalls gaaaaanz relaxt und kaum spektakulär, aber mit einer wunderschönen Hookline und der superfeinen Gitarrenarbeit des Meisters auch meine Empfehlung. Wer also mal reinhören möchte...bitte sehr ! Ein wenig Americana lastiger geht es dann mit Little Boy zu, Alvin Lee bläst eine sehr schöne Harp und zieht tatsächlich mal das Tempo ein wenig an, letztlich ist es jedoch nur noch der Titelsong des Albums, der mich begeistern kann. Mit Let It Rock frönt Alvin Lee seiner Passion, dem Rock'n'Roll, und das nicht schlecht. Die treibende Nummer vibriert und swingt und wirft den Hörer ein wenig fassungslos zurück, man könnte sich fast fragen, ob Alvin Lee da jemanden veräppeln wollte.

Trotz hoher handwerklicher Qualität ist Let It Rock eine größtenteils langweilige Angelegenheit geworden und taugt für mich persönlich eher zum Einschlafen denn zum intensiven Zuhören. Schade genug, aber da kann ich auch Eric Clapton auflegen....


Bernd Fischer

Donnerstag, 8. Dezember 2016

The David Neil Cline Band - Flying In A Cloud of Controversy "Legacy Edition"

Band: The David Neil Cline Band
Album: Flying In A Cloud of Controversy - A Legacy Edition
Spielzeit: 75:47 min.
Plattenfirma: Rock It Up Records
Veröffentlichung: 09.12.2016
Homepage: https://www.facebook.com/RememberingDavidNeilCline/

Wertung: 5 von 10


Tracklist:

01. Going Postal
02. Conspiracy
03. False Judgement
04. Road Rage
05. Tamale Fever
06. Aggravated
07. Fuck The Jones's
08. Alien Fetus
09. Planet Damnation
10. DJ's Song
11. The Band Wagon
12. Dodging The Stork
13. Virus
14. Slap Happy
15. Mental Baggage (Bonus)
16. Toothbrush (Bonus)
17. Take It Or Leave It (Legacy Track)
18. Crazy Dream (Legacy Track)
19. U (Legacy Track)



Kurz vor Weihnachten habe ich mich mal komplett dem Underground gewidmet und mich dem Vermächtnis eines US-amerikanischen Gitarristen angenommen, der wahrscheinlich den wenigsten von euch bekannt ist. DAVID NEIL CLINE ist bereits seit den 80er Jahren in den Staaten als Gitarrist verschiedenster Bands tätig gewesen (PREDATOR, TRAMA). 2007 dürfte er auch ein wenig in Deutschland bekannt geworden zu sein, da Rock It Up Records eine Greatest Hits Compilation seiner bisherigen 3 Soloalben mit dem Namen "A Piece Of History: The Best Of" veröffentlicht hat. Schließlich waren die drei Alben zuvor nur über sein eigenes kleines Label in den Staaten erschienen und teilweise mit utopischen Preisen im Netz gehandelt worden.


Das mir nun vorliegende Album "Flying In A Cloud of Controversy - A Legacy Edition" ist eigentlich sein 2011 veröffentlichtes viertes Soloalbum, das leider zu seinem Vermächtnis wird, da er im Juni 2015 Selbstmord begangen hat. Zum "normalen" Album kommen gegen Ende also neben 2 unveröffentlichten Bonustracks ("Mental Baggage" und "Toothbrush") noch drei weitere Tracks aus dem Backkatalog. Damit sind es gesamt 19 Stücke mit einer Spielzeit von über 75 Minuten. Value For Money also. Während die Presseinfo Vergleiche zu TRIUMPH, Y&T und den SCORPIONS zieht, kann ich am ehesten den ersten beiden Bands zustimmen, denn THE DAVID NEIL CLINE BAND klingt zu jeder Sekunde amerikanisch, mit einer Mischung aus Metal & Hardrock. 

Allerdings muss ich sagen, dass die Soundqualität teilweise doch arg Heimstudio-Niveau hat, weshalb gerade die fetten Riffs nicht so drückend aus den Boxen kommen, wie sie sollten. Das beginnende "Going Postal" klingt in meinen Ohren wirklich etwas nach TRIUMPH, hat aber irgendwie bereits das Problem nicht wirklich auf den Punkt zu kommen. Glücklicherweise bietet DAVID uns keine minutenlangen Soloausflüge an, kompositorisch ist aber viel Luft nach oben. Mit einem 90er Hauch und etwas MORDRED versehen, folgt "Conspiracy", das mit unter 3 Minuten Spielzeit zwar auf den Punkt kommt, aber unter einem schwachen Refrain leidet. Und so geht es leider immer weiter. Immer wieder kommen gute Ansätze ("False Judgement" oder das teilweise interessante Instrumentalstück "Dodging The Stork"), die es aber nie über einen kompletten Song schaffen. 

Unabhängig von der traurigen Geschichte also, die hinter dieser Veröffentlichung steht, bin ich rein musikalisch etwas enttäuscht. Noch dazu, da auch noch Totalausfälle wie das völlig bescheuerte "Slap Happy" zu beklagen sind. Trotz Underground Bonus und wenn man über die schwache Produktion hinweg sehen kann, bleibt die Scheibe im unteren Mittelmaß hängen und so kann ich zumindest mit Value For Money knappe 5 Punkte geben. Mehr ist hier aber echt nicht drin. 

Markus



Donnerstag, 1. Dezember 2016

Alvin Lee - Pump Iron !


Interpret : Alvin Lee
Album : Pump Iron !
Spielzeit : 39:42 Min.
Veröffentlichung : 18.11.2016 (1975)
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.alvinlee.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. One More Chance
  2. Try To Be Righteous
  3. You Told Me
  4. Have Mercy
  5. Julian Rice
  1. Time And Space
  2. Burnt Fungus
  3. The Darkest Night
  4. It's Allright Now
  5. Truckin' Down The Other Way
  6. Let The Sea Burn Down

1975 war man ja in meiner Famile entweder Pink Floyd, Schlager oder Disco-Fan oder man stritt sich um die Chance, Mittwoch Abends Mal Sondock's Hitparade mitschneiden zu dürfen. Durfte man aber nur, WENN Vaters Stereoanlage nicht gerade von selbigem mit klassischer Musik frequentiert wurde. So kam man mit ganz viel Glück in den Genuss guter Mucke, wie dem sich ankündigenden Punk und natürlich Glam Rock. OK, ich war sieben Jahre alt, fand daß Smokie die Welt regierten und bekam durch meine Schwestern langsam mit, dass es da noch mehr gab als den Bubblegum-Rock der Jungs aus Bradford. Blues oder Bluesrock stand den drei Damen natürlich nicht im Sinn und und so hätte ein gewisser Alvin Lee wohl tun können was er wollte, Notiz hätten wir von ihm garantiert nicht genommen. Weshalb es mich nun umso mehr erfreut, dass sich das Hamburger 
Repertoire-Label, seit jeher spezialisiert auf die Wiederentdeckung guter Musik aus vergangenen Zeiten, nun des Werks von Alvin Lee annimmt. 

Die drei mir vorliegenden Alben stammen aus der Frühphase der Solokarriere des Sängers und Gitarristen, der im Jahr 2013 im Alter von 68 Jahren starb. Alvin Lee hatte Ten Years After mitgegründet, und feierte als einst "schnellster Gitarrist der Welt" beträchtliche Erfolge mit den Blues- und Hardrockpionieren, die er 1974 verließ um sich und seine musikalischen Vorstellungen zu verwirklichen. Von einem kurzen Intermezzo im Jahr 1983 abgesehen, begann er erst ab 1988 wieder, ernsthaft mit den ehemaligen TYA-Mitgliedern zu arbeiten.


Nach etlichen Jahren des Tourens mit TYA befand sich Alvin Lee 1973 in der Stimmung, mit neuen Musikern ungewohntes Material auszuprobieren. So entstand in Lee's Heimstudio zunächst On The Road To Freedom, ein sehr ruhiges Americana-Album, welches er mit dem US-Gospelsänger Mylon LeFevre aufnahm. Die Platte fiel aufgrund ihres countryesken und eher soften Charakters bei den alten Fans gnadenlos durch, erntete später aber tolle Kritiken. Nebst In Flight, einem Live-Album, das er 1974 als Alvin Lee & Co. veröffentlichte, darf Pump Iron ! somit wohl als das erste Solo-Album bezeichnet werden. Mit dem kraftvollen Titel stellte der Gitarrist auch klar, dass der eingeschlagene, deutlich softere Weg keine Einbahnstraße wäre, sondern lediglich eine Phase. In der vorliegenden Original-LP-Version finden sich 11 Titel, spätere Auflagen sollten noch zwei Bonus-Songs hinzubekommen. Doch auch Pump Iron ! sollte zunächst in der kritischen Anhängerschaft, die ihm den Split mit Ten Years After so schnell nicht verzeihen mochten, durchfallen.

Und das, obwohl sich gute Songs auf der Platte finden. Problem war die Abkehr vom stark Bluesrock beeinflussten, leicht psychedelischen TYA-Sound, zwar längst nicht mehr so radikal wie auf dem '73er Album, aber noch deutlich hörbar. Der Opener lässt denn auch sofort erahnen dass der Zeitgeist seine Spuren hinterlassen hatte, mit dem stoischen Drum-Beat und Einsatz eines funkigen Fusion-Keyboards geriert sich One More Chance als eine Mischung aus Disco- und Rockmusik und manch einer mag seinerzeit mit dem Kopf geschüttelt haben. 




Aus heutiger Sicht halb so wild, weil als musikalisches Zeitdokument ganz spannend anzuhören, aber mehr auch nicht. Der erste Eindruck täuscht allerdings, auf der Platte ist etwas mehr als der Versuch, einen Hit zu landen, vorzufinden. Mit Try To Be Righteous und The Darkest Night finden sich zwei sehr emotionale und hörenswerte Nummern, Julian Rice oder Truckin' Down The Other Way machen halt beim GlamRock. Der Gitarrist Alvin Lee geht phasenweise ein wenig zurückhaltender als gewohnt zur Sache, garniert Songs wie das fliessende Time And Space aber mit einer wunderschönen Akustikgitarre. Weitaus blues-rockiger geht es auf Burnt Fungus zu, die Orgel von Ronnie Leahy und Alvin an der elektrischen Gitarre verzaubern die live aufgenommene Nummer zu einem Hörerlebnis.

Pump Iron ! rangiert noch heute im unteren Drittel der Lee-Diskographie. Das liegt ganz sicher eher am starken Schnitt seiner Veröffentlichungen als an den wenigen gewöhnungsbedürftigen Momenten. Wer die Platte also in die Finger bekommen sollte, begeht keinen Fehler beim Kauf. Die remasterte Neuauflage ist sauber verarbeitet und liefert einen guten Klang, da gibt es nix zu meckern. Ich hätte mir ein gepolstertes Innersleeve gewünscht aber was soll's, hab ja genug zu Hause...

Bernd Fischer

Sonntag, 27. November 2016

Herman Frank - The Devil Rides Out

Band: Herman Frank
Album: The Devil Rides Out
Spielzeit: 51:52 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 18.11.2016
Homepage: www.hermanfrank.com

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
01. Running Back
02. Shout
03. Can’t Take It
04. No Tears In Heaven
05. Ballhog Zone
06. Run Boy Run
07. Thunder Of Madness
08. License To Kill
09. Stone Cold
10. Dead Or Alive
11. Run For Cover
12. I Want It All

Wem von euch muss ich HERMAN FRANK noch groß vorstellen? Wahrscheinlich den wenigsten. Doch für all jene, die noch nichts von ihm gehört haben, erstmal ein kleiner Überblick: Herman begann von 1982-1984 seine ersten Lorbeeren als Gitarrist von ACCEPT einzuheimsen, ehe er von 1986 bis zur ersten Bandauflösung 1994 große Erfolge mit VICTORY feierte. Dort war er dann auch weiterhin von der Reunion 2002 mit einer kleineren Unterbrechung bis heute tätig. Neben seiner eigenen Band MOON' DOC, die eher mäßig erfolgreich war, und seinem Wiedereinstieg bei ACCEPT zwischen 2004 und 2014, erschienen immer wieder Soloalben des Gitarristen. Zuletzt 2012 mit dem Titel "Right In The Guts", bei dem auch bereits Ex-AT VANCE Sänger Rick Altzi hinterm Mikro stand. Dazu stehen im aktuellen Output "The Devil Rides Out" noch Ex-RAGE Drummer Andre Hilgers und Ex-JADED HEART Bassist Michael Müller an HERMANS Seite. Ein illustres Line-Up also, welches mit sehr viel Erfahrung aufwarten kann. 


Wer nun meint, dass sich hier nur ein paar alte Herren zusammen getan haben, wird sofort mit den ersten Takten des Openers "Running Back" eines besseren belehrt. Das Gaspedal bis auf Anschlag durchgedrückt wird traditioneller Metal voller Spielfreude und Energie geboten, dass sich viele Jungspunde gerne eine Scheibe davon abschneiden könnten. Rick Altzis rauer Gesang klingt wie zu seinen besten Zeit, nein falsch. Ich muss mich korrigieren. Ich habe ihn noch nie so gut wie auf "The Devil Rides Out" erlebt. Und das Kompliment kann ich getrost für das komplette Dutzend an Songs aussprechen. Und Mr. FRANK haut ein starkes Riff nach dem anderen raus. "Shout" steht anschließend dem Opener in nichts nach. Ein Stück wie "Can't Take It" hätten auch ACCEPT zu Hochzeiten kaum besser hin bekommen. Was für ein Hammer-Refrain, gepaart mit genialen Riffs und einem Drumsound, der mich an die Wand bläst. Jedenfalls wenn ich die HiFi Anlage mal richtig aufdrehe. Mit "No Tears In Heaven" und dem absoluten Highlight "Ballhog Zone" folgen die beiden Höhepunkte des Albums. Oder zumindest die beiden Songs, die sich am schnellsten in meinen Gehörgängen fest gesetzt haben. Denn durch die durchweg geilen und einigen wenigen "nur" guten Songs ("Run Boy Run" und "Run For Cover") werden meine Nackenmuskeln über die gesamte Spielzeit arg beansprucht. 

Schade, dass ich noch nirgends irgendwelche Tourdaten für die Jungs entdecken konnte, dort wäre ich defintiv dabei und ihr könntet mich mit meinen kurzen Haaren headbangen sehen (nur wer will sich das freiwillig antun?). Also, um es auf den Punkt zu bringen: HERMAN FRANKs drittes Soloalbum "The Devil Rides Out" zählt für mich zu meinen Top 5 Alben des Jahres 2016 und gehört in jeden anständigen Metal Haushalt. Um euch die Kaufentscheidung noch zu vereinfachen, habe ich euch unten noch eine kleine Hörprobe angefügt.    

Markus


 

Mittwoch, 16. November 2016

Freedom Call - Master Of Light

 

Band: Freedom Call
Album: Master Of Light
Spielzeit: 49:58 min.
Plattenfirma: SPV
Veröffentlichung: 11.11.2016
Homepage: www.freedom-call.net

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
1. Metal Is For Everyone
2. Hammer Of The Gods
3. A World Beyond
4. Masters Of Light
5. Kings Rise And Fall
6. Cradle Of Angels
7. Emerald Skies
8. Hail The Legend
9. Ghost Ballet
10. Rock The Nation
11. Riders In The Sky
12. High Up

Nachdem es mich alten Oberbayern nun nach Nürnberg verschlagen hat, komme ich nicht mehr umhin auch das neue Album der fränkischen Metaller von FREEDOM CALL zu besprechen. Und was soll ich sagen? Franken können nicht nur Schäuferle oder gutes Bier, nein auch beim Happy Metal im Stile alter HELLOWEEN Scheiben oder einer Mischung aus MANOWAR, RUNNING WILD und STRATOVARIUS hat das Frankenland mit FREEDOM CALL die Nase ganz weit vorne. Klar ist "Master Of Light" rein gar nichts für ernste Black Metal Freaks, MANOWAR-Fanatiker oder progressive Doom-Jünger, denn hier regiert die Fröhlichkeit, man hat sogar einen leichten J.B.O. Touch, nur eben bei weitem nicht so rosa-rot.  


Doch kommen wir endlich mal zu den Songs auf dem mittlerweile neunten Studioalbum (wenn ich mich nicht verzählt habe). Mit dem epischen stark an MANOWAR angelehnten "Metal Is For Everyone", dessen Video ich euch unten im Anschluss angefügt habe, gelingt sofort ein bärenstarker Einstieg. Live dürfte dieser Song zu einer absoluten Granate werden, mächtige Chöre (die dieses Mal noch fetter als in der Vergangenheit alles niederwalzen), wummernde Double-Bass und eine Spielfreude und Dynamik, die seinesgleichen sucht. Das nun folgende "Hammer Of Gods" könnte auch in den besten Momenten von STRATOVARIUS entstanden sein und gehört für mich zu den besten Speed-Melodic-Metal Stücken der letzten Jahre. Wenn HELLOWEEN heutzutage solch einen Song komponieren könnten, würde ich wieder im Staub kriechen. So verbeuge ich mich ganz tief vor Chris Bay und Kollegen. Einfach nur geil! Und von wegen gleich mal die Munition verschossen, nein mit "A World Beyond" folgt der nächste Kracher. Diesmal in Form einer Hymne, die sich den Weg in die Gehörgänge fräst und anschließend dort Wurzeln schlägt.

Und so geht es munter fröhlich und heiter weiter. Der Titeltrack benötigt ein paar Durchläufe mehr, macht aber auch alles richtig. Selbstverständlich darf die obligatorische Ballade nicht fehlen und diese macht mit dem Titel "Cradle Of Angels" AVANTASIA mehr als nur ernsthafte Konkurrenz. Neben all den gewohnten Klängen scheuen sich FREEDOM CALL auf "Master Of Light" nicht, auch unbekanntere Gefilde zu erkunden. So geschehen bei dem mit modernen Keyboard-Sounds unterlegten und trotzdem poppig anmutenden "Ghost Ballet". "Rock The Nation" ist dann wieder überschäumend voller augenzwinkernder Klischees. Zum krönenden Abschluß wird mit "Riders In The Sky" HELLOWEEN gehuldigt und "High Up" definiert den Schlager-Metal komplett neu. Das ist sicher der größte Happy-Metal-Sommer-Gute-Laune-Party Song, den ich je gehört habe, der zwar die Grenzen zu Kindermelodien oft überschreitet und doch bin ich wieder hellauf begeistert. Was gibt es also eigentlich noch zu sagen, außer dass sich FREEDOM CALL diesmal selbst übertroffen und Ihren eingeschlagenen Weg unbeirrt fortsetzen.

"Master Of Light" zählt für mich zu den stärksten Veröffentlichungen dieses Jahres und gehört unter jeden gut sortierten Weihnachtsbaum. Ich freue mich schon auf die kommende Tour, denn live werden die Franken wie immer keine Gefangenen machen. Einzig das Coverartwork ist doch arg Geschmackssache.
 

Markus

 

Sonntag, 13. November 2016

King Of The World - Cincinnati


Band : King Of The World
Album : Cincinnati
Spielzeit : 58:25 Min.
Veröffentlichung : 07.10.2016
Plattenfirma : KOTW Records / Bertus
Homepage : www.kingoftheworld.eu

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Voodoo
  2. Same Old Trouble
  3. Murder In The First Degree
  4. Hurt So Bad (Duet With Cheryl Renee)
  5. World On Fire
  6. Feel That Flame
  7. The Waiting Game
  8. Heart And Soul
  9. Howling Dog
  10. Better Luck Next Time
  11. Life In The Fast Lane
  12. She's Alright
  13. No Way Out
Reichlich spät kommt die vierte CD der Holländer King Of The World in mein Haus geschneit. Wie Ihr seht, ist die Scheibe seit Anfang Oktober erhältlich, aber wir sind ja flexibel und schreiben einfach mal ein bisschen schneller ;-). Cincinnati heißt das knapp einstündige Werk der Band um Erwin JavaJava ist die Triebfeder der Band und kann auf 40 Jahre Erfahrung zurückblicken, unter anderem spielte der Gitarrist in den frühen 80er Jahren in der Band des niederländischen Bluesrockers Hermann Brood.

Relaxter Rhythm & Blues mit einem Schuss Soul ist das Erfolgsgeheimnis der derzeit erforgreichsten holländischen Blueser. Ausgezeichnet mit fünf Blues-Awards und einer starken Produktion des Bamboo Room Studio in Cincinnati, Ohio im Rücken, hofft man nun auf einen steigenden Bekanntheitsgrad auch außerhalb der Niederlande. Schwierig genug wird es werden, denn die Szene ist gespickt mit Interpreten und Bands, die einiges drauf haben und tolle Alben veröffentlichen.

Cincinnati ist eine etwas zwiespältige Angelegenheit geworden. Auf der Habenseite ganz klar die handwerklichen Fähigkeiten aller Beteiligten, und eine Reihe feiner Songs wie der Opener Voodoo, eine treibende Bluesrock-Nummer mit einem starken Riff, unterstützt durch eine Bläsersektion und vor allem von einer feinen Hammondorgel. Launefaktor ganz weit oben ! In diese Kette reihen sich einige weitere Songs ein, ganz vorne Murder In The First Degree und Better Luck Next Time. Die kräftige und vor allem schnelle Nummer macht richtig Laune, da macht es denn auch nix mehr dass Ruud Weber sein tolles Organ oft ein wenig zurückhaltend einsetzt. Richtig fett wird es mit Life In The Fastlane, das harte Gitarrenriff und die polternden Drums von Fokke de Jong treiben den sechsminütigen Song sehr heavy nach vorne. Die Hammond legt sich angenehm daneben und fährt mit in der Spur, aber auch hier kann der Gesang nicht ganz mithalten, was ich sehr schade finde. 




Die natürliche Atmosphäre der CD, die tolle Arbeit an der Orgel von Govert van der Kolm, eine dezent aber passend eingesetzte Bläsersektion und das respektable Songwriting können punkten. Ich fürchte allerdings daß der Gesang von Ruud Weber auf dem Weg nach oben eher ein Hindernis, weil viel zu zurückhaltend, ist. Der singende Bassist setzt sein durchaus angenehmes Organ phasenweise so mager ein dass die starken Kompositionen ein wenig ermüden. Ob dies die Anhänger der etwas softeren Blues, die, angereichert mit einer gehörigen Portion Soul, die andere Seite der Platte darstellen aber überhaupt stört, wer weiß das schon. 

Cincinnati ist schon interessant, vor allem für Hörer, die im Blues angekommen sind und gerne Abwechslung vom Allerlei haben. Mit ein wenig Ruhe und Geduld lassen sich nämlich auch langsameren Nummern wie World On Fire, Howlin Dog oder das traurige No Way Out, welches eine Anspielung auf den Freitod Hermann Broods sein könnte, bei einem Glas Rotwein, durchaus genießen...


Bernd Fischer

Freitag, 11. November 2016

Destiny - Climate Change


Band: Destiny
Album: Climate Change
Spielzeit: 71:58 min.
Plattenfirma: GMR Music
Veröffentlichung: 20.10.2016
Homepage: http://destinymetal.se/


Wertung: 7 von 10



Tracklist:

1. Duke Of Darkness
2. Living Dead
3. Medieval Rendezvous
4. Lead Into Gold
5. Nothing Left To Fear
6. Sabotage
7. Sheer Death
8. Money Preacher
9. No Reservation
10. Devil In The Dark
11. Evil Trinity
12. Dream Reaper
13. Beyond All Sense
14. Ruins And Destruction (Climate Change)

Geschlagene 11 Jahre sind seit dem letzten im Studio produzierten Lebenszeichen der schwedischen Metal-Veteranen DESTINY namens "Beyond All Sense" vergangen, bei dem das 1985er Debüt nochmals eingespielt wurde. Von einem regelmäßigen kreativen Output kann man bei den älteren Herren definitiv nicht ausgehen. Und auch das aktuelle Werk macht da keine Ausnahme, schließlich sind darauf 5 alte DESTINY Songs in neuem Gewand zu finden. Irgendwie lebt die Band noch in den 80er Jahren und das ist ihrer Mucke auch anzuhören, wobei die Produktion schon aktuellen Maßstäben entspricht. Doch die Wurzeln in den frühen 80ern und Einflüße wie KING DIAMOND oder auch US Metal a la OMEN sind deutlich heraus zu hören. 


Doch gehen wir mal völlig unvoreingenommen an "Climate Change" heran, das vielleicht auch einen Wechsel im Veröffentlichungsrhythmus der Band darstellt. Denn ich würde gerne öfter von den Jungs hören. Der Einstieg mit "Duke Of Darkness", welches auf einem live gespielten Stück aus dem Jahr 1985 basiert, aber anscheinend nie veröffentlicht wurde, ist jedenfalls sehr gelungen. Interessante Riffs, mit einem starken Jonas Heidgert (Ex-DRAGONLAND) am Mikro und einem schönen old-school-Feeling. Das folgende etwas an KING DIAMOND erinnernde "Living Dead" kann da nicht ganz mithalten, mich beschleicht das Gefühl das alles schon mal ähnlich gehört zu haben. Und wenn bei "Medieval Rendezvous" nicht dieses völlig bescheuerte "dong, dong" ständig leicht zu hören wäre, wäre ich wirklich hellauf begeistert. Etwas moderner mit leichten HAMMERFALL meets JUDAS PRIEST Anleihen kann mich dann "Lead Into Gold" fast schon zu Jubelarien hinreißen. Gut, auch hier könnte man sagen, es ist im Grunde nicht wirklich viel neu, aber der Song ist kompositorisch und vom Spannungsaufbau hervorragend gelungen. "Nothing Left To Fear" ist dann wieder absolut klassischer Stoff und ebenfalls halbwegs gelungen. Von "Sabotage" habe ich euch unten das dazu gehörige Video eingebettet, macht euch einfach selbst ein Bild von dem Song. Ich finde ihn nicht schlecht, doch manchmal fehlt mir das gewisse Etwas. 

Und das ist genau mein Problem mit dem gesamten Album. Relativ starke Songs wechseln mit durchschnittlichen Stücken ("Sheer Death", "Beyond All Sense") immer wieder ab und so schwanke ich auch in meiner Bewertung ganz stark. Wer aber von KING DIAMOND und richtig altem Old-School-Metal nicht genug kriegen kann, wird auch bei DESTINY und "Climate Change" seine Freude haben. Ich hatte außerdem ein verschmitztes Lächeln im Gesicht, als ich sah dass Veith Offenbächer auch bei DESTINY an Bord ist. Schließlich malträtiert der deutsche Gitarrist auch bei DAWN OF DESTINY die Saiten, was dann doch viel Schicksal in den Bandnamen darstellt.

Markus