Mittwoch, 15. Oktober 2014

Mr. Big - ..The Stories We Could Tell



Band: Mr. Big
Album: ..The Stories We Could Tell
Spielzeit:  61:35 min.
Veröffentlichung: 26.09.2014
Plattenfirma: Frontiers Records
Homepage: Mrbigsite.com



Wertung:    8 von 10


Tracklist:


01. Gotta Love The Ride
02. I Forget To Breathe
03. Fragile
04. Satisfied
05. The Man Who Has Everything
06. The Monster In Me
07. What If We Were New?
08. East/West
09. The Light Of Day
10. Just Let Your Heart Decide
11. It’s Always About That Girl
12. Cinderella Smile
13. The Stories We Could Tell 

14. Addicted To That Rush (live) (Bonus Track)



Mr. Big's Comebackalbum "What If.." war eines der absoluten Highlights des Jahres 2011 und es war toll die Jungs wieder livehaftig in Germany sehen zu dürfen. 3 Jahre lang hat es gedauert bis nun der Nachfolger "..The Stories We Could Tell" auf die Fangemeinde losgelassen wird, begleitet von der traurigen Meldung, dass Drummer Pat Torpey die anstehenden Gigs aufgrund seiner diagnostizierten Parkinson-Krankheit nicht absolvieren kann.

Die neue CD von Mr. Big unterscheidet sich vom Vorgänger doch erheblich, nicht nur ist Kevin Shirley nicht mehr am Mischpult (der für die Produktion von "What If" - m.E. ungerechtfertigterweise - einiges einstecken musste). Zum anderen ist die Scheibe ziemlich Seventies-beeinflusst. Laut Eric Martin sollen die Vorliebe für die damaligen Top-Acts ala Bad Company besonders zu Tage treten und das tun sie auch.

"Gotta Love The Ride" ist ein repräsentativer Einstieg in den neuen Silberling, groovig mit bluesigen Untertönen ausgestattet und eher im Midtempomodus angesiedelt. Überraschend, dass Billy Sheehan bei weitem nicht mehr so prominent in den Vordergrung gemixt wurde wie auf den meisten der Vorgängerwerke.
"I Forget to Breathe" zieht das Tempo etwas an, ehe mit "Fragile" der für mich beste Song aus den Lautsprechern ertönt. Der Song ist hitverdächtig, hat einen tollen Ohrwurmchorus, relativ wenige Bluesanleihen und verbleibt über Wochen in den Gehörgängen. Klasse!

"Satisfied" groovt sich erneut midtempomässig durch Bad Company Terrain, Paul Gilbert zieht alle Register seines Könnens, er ist zusammen mit Eric Martins immer wieder grandiosem Gesang der absolute Star in der Manege und verhilft manchem ansonsten eher unscheinbaren Lied den Zugang zu einem anderen Level.

Wo Mr. Big draufsteht dürfen natürlich auch Balladen nicht fehlen und die überzeugen auf der neuen Scheibe fast durch die Bank. "The Man Who has Everything" als auch "Just Let Our Heart Decide" sind Anwärter auf die nächste Kuschelrock-Compilation  (gibts die Reihe überhaupt noch ??), während "East/West" den hitverdächtigsten Chorus der drei Schmachtfetzen aufweist. 

Den Rest der Scheibe teilen sich weitgehend groovige, bluesbetonte Tracks der Marke "The Monster In Me" (geiles Bass/Gitarren-Duell als  Intro ala "Addicted To That Rush"), "What If We Were New" oder "Cinderella Smile". 

Was ich an der Scheibe auszusetzen habe ist die Tatsache, dass sich hier und da doch ein paar Füller eingeschlichen haben und manche Tracks sich einfach zu sehr ähnelnv(gerade zum Schluss hin). Da wäre ein flotter Rocker ohne Bluesuntertöne durchaus einmal angebracht gewesen, wird aber leider nicht geliefert, wenn man einmal von dem etwas flotteren "The Light Of Day" absieht.

Als Bonustrack gibt es noch eine verzichtbare Liverversion von "Addicted To That Rush" zu hören, ehe die Scheibe nach einer guten Stunde endet.

Bei weitem nicht so gut wie "What If.." aber auch genauso weit entfernt von einer Enttäuschung wie der letzten Tesla-Scheibe ist "...The Stories We Could Tell" ein überdurchschnittliches Album einer sympathischen Band geworden, dass man durchaus genießen kann. Somit gebe ich der neuen Mr. Big amtliche 8 Points.


Martin


 

Flying Colors - Second Nature

Band: Flying Colors
Album: Second Nature
Spielzeit:  66:23 min.
Veröffentlichung: 26.09.2014
Plattenfirma: Mascot Label Group (rough trade)
Homepage: http://www.flyingcolorsmusic.com/



Wertung:   8,5 von 10


Tracklist:

1. Open Up Your Eyes
2. Mask Machine
3. Bombs Away
4. The Fury Of My Love
5. A Place In Your World
6. Lost Without You
7. One Lost Forever
8. Peaceful Harbor
9. Cosmic Symphony: I. Still Life Of The World II. Searching For The Air III. Pound For Pound


Das Debut von Fliyng Colors gehörte vor knapp zwei Jahren zu den absoluten Highlights. Und auch die (wenn auch wenigen) Liveperformances waren herausragend, wovon ich mich in Aschaffenburg persönlich überzeugen lassen konnte.

Entsprechend gespannt ging ich ans Hören der neuen CD "Second Nature". Im Vorfeld war zu hören, dass es ziemlich schwierig war, die Terminkalender der Beteiligten (insbesondere von Steve Morse und Mike "Ich spiel überall" Portnoy)unter einen Hut zu kriegen.
Leider ist der Zeitdruck bei dem ein oder anderen Song durchaus spürbar, um schon vorwegzunehmen, dass der zweite Streich dem ersten nicht ganz das Wasser reichen kann.

Der Eröffnungstrack "Open Up Your Eyes" ist einer von zwei Longtracks, die die Scheibe einrahmen und logged sich erst bei über 10 Minuten aus. War die erste Flying Colors noch fast ohne solche Songs ausgestattet und hob sich dadurch wohlwollend von den (ehemaligen) Hauptbands der Protagonisten ab, so erinnert das Stück doch sehr arg an die Soloalben von Neal Morse oder auch Transatlantic, die mich beide nie so recht hinter dem Ofen vorlocken konnten, vor allem nicht die eher langatmigen Neal Morse SOlosachen (sorry).. Und so ist auch "Open Your Eyes" nur eines: Lang. Der Spannungsbogen baut sich zwar nach dem Intro schön auf doch irgendwie wartet man immer darauf, dass irgendetwas Spannendes passiert, aber der "Aha-Effekt" will sich bei dem Track leider nicht wirklich einstellen. Weniger (=kürzer) ist dann doch ab und an mehr. Schade.
Besser wird es da schon beim folgenden "Mask Machine", ein recht schneller harter Song, bei dem aber arg viel im Muse-Gebiet gewildert wird, nur mit dem Unterschied, dass hier ein brillianter Sänger am Mikro ist. Gut, aber etwas zu arg abgekupfert.

Erst mit "Bombs Away" stellt sich letztendlich das altbekannte wohlige "Flying Colors"- Feeling ein. Ein eher getragenes Stck mit einem lässigen Hauptriff, das mit tollen Soli von Steve Morse und Casey McPhersons eindringlicher Stimme vorzüglich untermalt wird.
Auch das balladeske "The Fury Of My Love" ist ein Bringer, der Refrain ist zündend und hitverdächtig und beweist, dass die Herren immer ein tolles Händchen für einprägsame Melodien haben.
So auch bei "A Place In You World", einem flotten Rocker mit superben Refrain, der wie gemacht ist für einen Radiohit (würde sich ein Radiosender finden der so etwas auf "Heavy Rotation" legt). Für mich das beste Stück der Scheibe, welches immer wieder die "Repeat-Taste" herausfordert. Hammer!

"Lost Without You" nimmt wieder etwas Tempo heraus, bleibt aber auf qualitativ hochwertigem Level.
"One Lost Forever" überrascht mit seinen Folkanleihen und steigert sich von einem eher ruhigen Stück zu einem furiosen Finale.
"Peaceful Harbor" erinnert mich etwas an die besseren Pink Floyd Momente, vor allem die eingestreuten Gospel-Chöre sind irre.
 Der zweite Longtrack "Cosmic Symphony" ist dreigeteilt, auch hier sind wieder Muse-Anleihen oder auch Floyd'sche Sphärenklänge zu vernehmen. Auf jeden Fall bei weitem besser und spannungsgeladener als der lange Opener von "Second Nature".

Was bleibt: "Second Nature" ist eine hochwertige Nachfolgescheibe der fliegenden Farben, das Debut wird jedoch in keiner Phase getoppt. Dazu fehlen Tracks der Marke "Kayla" oder "Shoulda Coulda Woulda". Ein flotterer Song und eine vielleicht etwas druckvollere Produktion hätten vielleicht auch nicht geschadet. So würde ich grundsätzlich 8 Punkte vergeben, für den Übersong "A Place In You World" gibt es nochmal eine  halben Point extra. 8,5 für "Second Nature" von den Flying Colors!


Martin



Maxxwell - Tabula Rasa

Band : maxxwell
Album : Tabula Rasa
Spielzeit : 54:47 Min.
Veröffentlichung : 02.10.2014
Plattenfirma : Fastball / Soulfood
Homepage : www.maxxwell.ch

Wertung : 6 von 10 

Trackliste : 
  1. Partykings
  2. Fuck It !
  3. Nothing Changes My Mind
  4. Trails Of Hate
  5. Cause I'm Lovin' It
  6. Gone Forever
  7. Fallin' Down
  8. Man Of Steel
  9. Never Let You Go
  10. On Your Face
  11. Backstabber (feat. Polemikk)
  12. Run Or Hide

OK, ich gebe es zu. Ich habe manchmal echt ein schlechtes Gewissen beim Bewerten einer Platte. Sollte ein guter Rezensent ja nicht haben, nüchtern und objektiv an die Mucke rangehen und gut is. Aber wenn ich doch selbst nach dem hundertachtundvierzigsten Durchlauf keinen Draht zur Musik finde ? Klar, dann ist das eben so, aber was ist mit der ganzen Zeit, der Kohle und dem Herzblut, welches die Musiker in ihr Baby gesteckt haben ?

Im Falle der Schweizer Band maxxwell stecke ich darüber hinaus in einem ganz anderen Dilemma. Die Jungs sind mir, ohne sie zu kennen, erstens sehr symphatisch und liefern zweitens mit Tabula Rasa ein Album ab, dem man die ganze Arbeit voll anmerkt. Vom Talent der fünf maxxwells mal ganz zu schweigen...

Tabula Rasa hat aber zwei Gesichter. Auf der einen Seite würde ich mir wünschen, dass die Band sich mal die Frage stellt, was sie eigentlich will. Mich beschleicht von Anfang an das Gefühl, als wäre hier keine klassische Band im Studio gewesen, sondern fünf Mietmusiker, die emotionslos ihren Job abgeliefert haben. Die Platte wirkt merkwürdig perfekt und nahezu durchgestylt. Wo ist der Schweiss, wo ist der Dreck ? Ich will Perfektion, wenn ich elektronische Musik höre, aber nicht wenn ich Hardrock oder Metal auflege. Für die Musikrichtung, die sich die Jungs ausgesucht haben, so meine persönliche Meinung, ist das eine schlechte Grundlage.  

Auf der anderen Seite stehen die Songs, durch die Bank hörenswert und voller Klasse. Ich bin erstaunt, was Lead Gitarrist Hef Häfliger, Drummer Oli Härrer und Basser Kusi Durrer, die für den Grossteil der Songs verantwortlich sind, da abgeliefert haben. Respekt ! Die Bandbreite ist recht abwechslungsreich, fängt beim einfach gestrickten Mitgröhl-Knaller an und hört bei der emotionsgeladenen Ballade auf. Partykings, der schmissige Opener, kann echt Spaß machen, wenn man Bock drauf hat. Hardrock mit latentem Fun-Faktor und MötleyCrue Gedenk-Refrains der Marke "wooohoooo" ist aber nix für mich. Selbst ein Song wie Fuck It !, der voll reinhaut und mit seinem knallharten Gitarrenduo Häfliger / Montavon inklusive kurzem Mini-Solo alles hat, worauf es ankommt, verkommt vor diesem Hintergrund zur Luftnummer. Ich nehme dem ansonsten hervorragenden Sänger Gilberto Meléndez, der sehr sicher in verschiedenen Höhenlagen agiert, das Fuck It ! nämlich nicht ab.

Die Klasse einiger Songs, und das möchte ich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich erwähnen, hat aber ein derart hohes Niveau, dass ich das sicher übertriebene Bild der Casting-Band verdrängen möchte. Sehr auffällig dass mir das ausgerechnet bei der Halb-Ballade Gone Forever gelingt. Die Nummer passt zu maxxwell wie die Faust aufs Auge, hier herrschen klare Verhältnisse, Song und Dicke Hose-Attitude harmonieren.

Ach, was soll ich sagen...Tabula Rasa wird seine Hörer finden, da bin ich mir sicher. Mag sein dass ich auf Zeilen wie "Is it a bird, is it a plane...it is Superman. He's a Superhero, he will kick your ass" (Man Of Steel) etwas übertrieben reagiere, doch meine Baustelle ist das nicht.
Ich kann mir übrigens sehr gut vorstellen dass maxxwell live, ganz ohne Studio-Zwangsjacke und völlig losgelöst, abgehen wie eine Rakete. 
Es würde mich bei der handwerklichen Qualität der Band jedenfalls sehr wundern, wenn dem nicht so wäre und wünsche den Jungs fürs nächste Studio Album eine entspannte Atmosphäre.



Bernd Fischer

Gotthard - "C'est La Vie" Musikvideo

Hi Leute,

die Schweizer Platinseller GOTTHARD haben mit "C'est La Vie" eine sehr gefühlvolle Ballade auf ihrem aktuellen Album "Bang". Und dazu gibt es seit kurzem ein echt schönes Musikvideo, welches mich von Kuba und Karibik träumen lässt. Viel Spaß dabei.
 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

The Milestones - Higher Mountain - Closer Sun

Band : The Milestones
Album : Higher Mountain - Closer Sun
Spielzeit : 54:47 Min.
Veröffentlichung : 03.10.2014
Plattenfirma : Listenable Records
Homepage : www.themilestonesmusic.com

Wertung : 6 von 10


Trackliste : 
  1. Walking Trouble
  2. Shalalalovers
  3. Drivin' Wheel
  4. Oh My Soul
  5. Grateful
  6. Sweet Sounds
  7. It's All Right
  8. You
  9. Looking Back For Yesterday
  10. Damn
  11. Fool Me

Was heisst Sonnenuntergang eigentlich auf Finnisch ? 

Ja, ich weiss, der Witz hat einen Bart bis zur Gürtelschnalle, fiel mir aber spontan ein, als ich las dass The Milestones aus Helsinki kommen. Mit ihrer aktuellen Platte Higher Mountain - Closer Sun feiern die Jungs in diesem Jahr bereits ihr 20-jähriges (!) Band-Dasein und nicht wenige werden sich fragen, wieso man in all den Jahren nie etwas von Olavi, Tomi, Marko, Veli und Tommi gehört hat...mir geht das jedenfalls so.

The Milestones haben mit Higher Mountains - Closer Sun ihr viertes Album am Start, was ja nach 20 Jahren nicht gerade als starke Quote bezeichnet werden kann. Ob dies jedoch der Grund dafür ist, warum die Band bisher für zu leicht befunden wurde ?

Der straight nach vorn rennende Hardrock der Finnen hat nämlich im Grunde im Grunde alles, was Fans von AC/DC, Lynyrd Skynyrd bis hin zu den Quireboys glücklich machen dürfte, doch in einigen Punkten ist die Hose vielleicht doch ein wenig zu groß für den Hintern.

Sänger Olavi Tikka nölt sich durch eine Vielzahl der Songs wie der kleine Bruder eines gewissen John Gallagher, der seine Stimmbänder für die NWOBHM Ikonen Raven gequält hat. Soll heissen, er zieht sein Organ gelegentlich in monotone Höhenlagen, dass es zumindest mich ein wenig nervt. Wen so etwas nicht stört, darf man beglückwünschen, denn grundsätzlich hat Tikka ein sehr angenehmes Organ, welches mal an Bon Scott, mal an Chris Robinson erinnert.
Mit Shalalalovers haben The Milestones, die im Großen und Ganzen als harte Rockband mit Southern-Boogierock-Charme (Helsinki liegt ja schliesslich im Süden Finnlands) durchgeht, einen handfesten Ohrwurm und Konzert-Gröler im Sortiment. Die Nummer klebt sich mit ihrem ein- bis aufdringlichen Refrain und gelegentlichem Einsatz einer schönen Harp sofort im Gehörgang fest und lässt nicht mehr locker. 



Mit der wunderschönen Ballade Grateful zeigt sich plötzlich die ganze Stärke der Band, der man jetzt sehr deutlich anmerkt, wie lange sie schon miteinander musiziert. Die akustischen Gitarren und das Tamburin wurden abgestaubt und unter dem flackernden Schein eines nächtlichen Lagerfeuers zeigt Olavi Tikka seine stärkste Gesangsleistung.
Es überwiegen jedoch treibende Songs im Mid-bis Uptempobereich, ohne das Gaspedal voll durchzutreten. Sweet Sounds und Looking Back For Yesterday erfreuen mit einer schönen Slide Guitar, ein wunderbarer Basslauf läutet die Abschlussnummer Fool Me ein. Die auf dem regulären Album enthaltenen Bonustracks enthält man dem Rezensenten.

Mich hat  Higher Mountains - Closer Sun leider nicht voll überzeugen können, neben erwähnten gesanglichen Defiziten, die sicher Ansichtssache sind, ertappte ich mich dabei, gelegentlich weiterskippen zu wollen. Was, mit Verlaub, immer ein schlechtes Zeichen ist. Und bei objektiver Betrachtung wird klar, dass es der Platte ein wenig an Abwechslung mangelt. Bei aller handwerklicher Qualität darf es doch bei 11 Songs auch gern mal ein wenig mehr sein als die übliche Ballade im Mittelteil. Stichwort Stimmungswechsel, Soli, Gastsänger, Coversong...was auch immer, mir fehlt der Knalleffekt, es prickelt nicht.

The Milestones werden es schwer haben, sich mit ihrer Platte durchzusetzen, was ich schade finde, insbesondere weil sie schon alte Hasen in der Branche sind. Ein paar zündende Ideen beim Songwriting, ein ehrliches Umfeld, ein pfiffiger Produzent, wir hätten ein wunderschönes Album auf dem Tisch haben können. 

Beim nächsten Mal vielleicht...


Bernd Fischer

Samstag, 4. Oktober 2014

Joe Bonamassa - Different Shades Of Blue


Interpret : Joe Bonamassa
Album : Different Shades Of Blue
Spielzeit : 48:25 Min.
Veröffentlichung : 19.09.2014
Plattenfirma : Provogue / Mascot
Homepage : www.jbonamassa.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste :
  1. Hey Baby ( New Rising Sun)
  2. Oh Beautiful !
  3. Love Ain't A Love Song
  4. Living On The Moon
  5. Heartache Follows Wherever I Go
  6. Never Give All Your Heart
  7. I Gave Up Everything For You, 'Cept The Blues
  8. Different Shades Of Blue
  9. Get Back My Tomorrow
  10. Trouble Town
  11. So, What Would I Do

Jimi Hendrix, Eric Clapton und Jimmy Page. Nach Meinung des US-Rolling Stone lauten so die drei Namen der besten Gitarristen aller Zeiten. Auf den weiteren Plätzen landeten 2011 weitere sehr gute Leute...einer fehlte. Fragt sich, ob Joe Bonamassa bei der nächsten Erhebung wohl noch immer übersehen wird, denn der 37-jährige Ausnahmegitarrist hat sich bereits vor Jahren etabliert. Hat Mengen hochwertigen Materials auf den Markt geworfen und immer wieder verschiedenste Dinge mit fantastischen Musikern ausprobiert. Vom Duett mit der Soulröhre Beth Hart über die leider auf Eis gelegten Black Country Communion bis zum rein instrumentalen Fusionprojekt mit der Rock Candy Funk Party...vielseitiger geht es wohl kaum. Da wirkt es fast schon wie ein Schritt rückwärts, dass mit Different Shades Of Blue jetzt ein Album erscheint, auf dem weder ein Special Guest, noch ein Coversong zu finden ist. 

Dafür erhält der Hörer nicht mehr und nicht weniger als 100% Joe Bonamassa !

Die elfte Studio-Platte umfasst elf Titel, die Mr.Bonamassa sich von Leuten, die, wie er zugibt, "wissen wie das geht" unterstützend schreiben ließ. Respekt für soviel Ehrlichkeit, kann ich da nur sagen. Auch die Besetzung seiner Band liest sich komfortabel, Reese Wynans (piano), Anton Fig (drums) Carmine Rojas und Michael Rhodes (bass) sind nur einige der erfahrenen und breit aufgestellten Musikerschar, mit der der Gitarrist sich während der Aufnahmen in Nashville umgeben hat.


Dass der Mann aus dem Staate New York (New Hartfort) nichts dem Zufall überlässt, wissen wir schon länger. Kein anderer als Jimi Hendrix scheint aus den Boxen zu steigen als die CD beginnt, sich zu drehen. Sekunden später jedoch beginnt Joe Bonamassa seine eigene Show mit dem instrumentalen Opener Hey Baby (New Rising Sun) und Hendrix ist vergessen. Um dem Titel seiner Scheibe gerecht zu werden, packt Bonamassa eine Menge rein in die knapp 50 Minuten. 
Mit dem stark an Led Zeppelin erinnernden Oh Beautiful! geht Bonamassa zeitig in die Vollen und legt die Messlatte weit nach oben. Die Stimmung der Platte ist jedoch eine andere als noch auf Driving Towards The Daylight. Die Hinzunahme einer Bläsersektion in Form von Trompeten, Posaune, Saxophon und Hornbläsern hat den Sound im Vergleich zum Vorgänger deutlich verändert: Eleganter und größer lautet die Devise. B.B.King lässt freundlich grüßen...

Die Bläser verwandeln denn auch Songs wie Love Ain't A Love Song, Heartache Follows Wherever I Go oder oder das knackige I Gave Up Everything For You, 'Cept The Blues in eine Musik, die sich dem verschwitzten Bluesrock der Anfangstage Bonamassas nicht mehr unterwirft. Ich lehne mich wohl nicht allzusehr aus dem Fenster, wenn ich behaupte dass Bonamassa eine Entwicklung durchgemacht hat - aus der bunten Raupe ist ein knallblauer Schmetterling geworden.


"Oh gravity weighing on my soul
Keeps bringing you round back to me Like dirt to a stone
Oh gravity don't you ever go to sleep..."


Ob die Hörer diesen Wandel interessant finden werden, bleibt abzuwarten. Blues-Hardliner werfen dem guten Joe ohnehin seit langer Zeit, vorsichtig ausgedrückt, eine "Mainstream-Attitude" vor und fühlen sich in der neuen Platte vielleicht bestätigt. Anhänger des Meisters wird das aber nur wenig stören, denn auch die neue Platte hat kaum Schwächen. Produzent Kevin Shirley bastelte keinen glasklaren, aber einen druckvollen Sound, der auf einer entsprechenden Anlage angenehm wiedergegeben wird. 

Different Shades Of Blues ist aber alles andere als ein Show-Album und birgt mit Oh Beautiful !, dem smoothen Titelsong, dessen Stimmung von Bonamassa's Stimme und einem schönen Refrain lebt, und dessen Nachfolgenummer, dem packenden Get Back Tomorrow, auch ein paar Songs gewohnter Struktur an. Hier spielen die Blechinstrumente eben keine Rolle, die Musik rollt und bebt mal lauter, mal leiser den blau schimmernden Blues-Strom hinunter und lässt die Zeit eine verdammt Gute sein.
Wie auch immer, über alledem schwebt, und da verrate ich natürlich kein Geheimnis, eine immerfeine Gitarre, niemals aufdringlich dominant aber stets spürbar vorhanden. 

Kuzum, mir gefällt die neue Bonamassa, auch wenn ich ein paar Durchläufe brauchte um die im Titel versprochene Vielschichtigkeit zu erkennen.


Bernd Fischer

Sonntag, 28. September 2014

Sticky Boys - Make Art

Band : Sticky Boys
Album : Make Art
Spielzeit : 37:36 Min.
Veröffentlichung : 03.10.2014
Plattenfirma : Soulfood
Homepage : www.stickyboys.eu

Wertung : 7 von 10

Trackliste:
  1. Mary Christmas
  2. Party Time
  3. High Power Thunder
  4. Love On The Line
  5. Uncle Rock
  6. Bad Reputation
  7. The Future In Your Hands
  8. Mrs. Psycho
  9. The Game Is Over
  10. Juicy Lucy
  11. Make Art

Autos und Baguette, vielleicht noch Fussballspieler mit merkwürdigen Neigungen, kamen mir in den Sinn als ich darüber nachdachte, wie wenig ich mit dem Stempel "Made In France" überhaupt in Verbindung bringe. In Sachen harter Musik sieht das ganz ähnlich aus. Die alten Trust, Gojira, Burzum...ach ja, Sortilège noch...aber das war es dann auch schon. 

Und wie aus heiterem Himmel flattert mir jetzt die Promo einer Band aus Paris auf den Tisch. Die Punk'n'Roller Sticky Boys haben ihre musikalische Bewerbung abgegeben um uns gehörig einzuheizen. Die klebrigen Jungs haben sich einem Punk-Mix der Sorte The Clash und Offspring verschrieben und ballern uns 11 Songs in knapp 38 Minuten um die Ohren.

Dabei greifen Alex Kourelis (voc. guit.), JB Chesnut (bs, voc.) und Tom Bullot (dr, voc.) ziemlich tief in Kiste der Musik, die sie geprägt hat. Immer wieder blicken Angus und Malcolm Young um die Ecke, der Refrain von The Future In Your Hands ginge astrein als The Clash Song (Wrong 'em Boyo) durch, Bad Reputation mutet wie ein Motörhead-Cover mit Iron Fist-Intro an, ist es aber nicht.



Die bestmögliche Werbung für Make Art ist allerdings Party Time, der zweite Song der Platte. Der macht klar, worauf es den Jungs musikalisch anzukommen scheint: Harter Rock'n'Roll, der Spaß machen darf und die Meute rockt. Dazu kommt, dass die Sticky Boys sich offensichtlich selbst nicht allzu ernst nehmen, blickt man mal auf die Homepage der Band, auf der neben viel Freikörperkultur auch viel Humor zu sehen ist.

Allzu bierernst sollte man die musikalischen Ergüsse der Franzosen denn auch nicht nehmen, ansonsten fällt schnell auf dass es auf Make Art nicht allzu tiefgründig zu Werke geht. Die Musik der Franzosen ist geeignet für die schnelle Platte zwischendurch, jedoch nichts für Gourmethörer, die hinter jedem Bissen eine Geschmacksexplosion erwarten...

So gibt es von mir knackige sieben Punkte für eine gut produzierte Gute-Laune-Platte ohne echten Tiefgang. Wenn die Sticky Boys mit ihren Idolen mithalten möchten, müssen sie jedenfalls noch noch eine Schippe drauflegen.


Bernd Fischer

Freitag, 19. September 2014

Thomsen - Unbroken

Band: Thomsen
Album: Unbroken
Spielzeit: 45:33 min.
Plattenfirma: Artist Station Records
Veröffentlichung: 19.09.2014
Homepage: www.thomsen-unbroken.de


WERTUNG: 8,5 von 10

Tracklist:
1. Draw the Curtain
2. In Steel We Trust
3. New Horizon
4. Break That Spell
5. Dream
6. Fools of Fortune
7. Into the Unknown
8. Unbroken
9. Six Thirtheen 64
10.We Made It
11.One
12.Tears of the Sun (Live from the rehearsal stage)

Vor fünf Jahren hat sich THOMSEN schon mal in meinem Player befunden und das Debüt der Band um Namensgeber Rene Thomsen "Let's Get Ruthless" konnte auch damals mit einer beeindruckenden Zahl an Gastmusikern aufwarten. Allerdings konnt mich das Ergebnis nicht wirklich überzeugen. Obwohl die musikalischen Fähigkeiten der Band durchaus punkten konnten, war mir das Songmaterial nicht abwechlungsreich genug. 


Doch nun der zweite Anlauf. Und dieser mundet mir gleich eine ganze Klasse besser. Die druckvolle und glasklare Produktion ist schon beim Opener "Draw The Curtains" mit MORBID ANGEL Basser David Vincent als Gast deutlich zu hören. Gut, der Song ist klassischer Teutonen Metal im Stile von U.D.O., RAGE oder GRAVE DIGGER und nicht wirklich ein absolutes Highlight, eher solide Kost. Das folgende speedige "In Steel We Trust" erinnert mich dann stark an die Totengräber um Chris Boltendahl, macht mit seiner rauhen Energie aber richtig Spaß. Doch erst das folgende "New Horizons" kann mich dann vollend überzeugen. Vielleicht nicht beim ersten Durchlauf zündet dieser Midtempostampfer von Durchgang zu Durchgang stärker durch. Absoluter Hammer und nicht umsonst am 24.09.2014 unser Tipp der Woche bei Radio Paranoid. Auch die ungewöhnliche Art des Chorus erinnert mich an SINNER und deren ganz starke Momente. Allerdings mit einem eigenen THOMSEN Touch. Super. 

"Break That Spell" ist irgendwie das Gegenteil - beim ersten Hören super, baut er von Mal zu Mal ab. Könnte sein, dass der Refrain mir zu simpel gestrickt ist. "Dream" ist wieder Heavy Stahl vom Allerfeinsten mit einem experimentierfreudigen fast schon genialen Refrain. Die zweite Obernummer des Albums. Auch "Fools Of Fortune" macht mit den Double-Bass Attacken richtig gute Laune und regt meine Nackenmuskeln zum heftigen Headbangen an. Ähnlich stark bollert "Into The Unknown" aus den Boxen, ehe der Titelsong leider an mir vorbei geht ohne Spuren zu hinterlassen. Bei "We Made It" übernimmt dann UDO DIRKSCHNEIDER das Mikro und lässt diesen langsamen Stampfer zu etwas besonderem werden, auch wenn das Eingangsriff ziemlich dreist von OVERKILL'S "Skullcrusher" kopiert ist. 

Nichstdestotrotz sind diese 45 Minuten ein feines Metal Album geworden, dass ich mir sicher nicht das letzte Mal in den Player gelegt habe. Jetzt fehlt noch eine ordentliche Tour durch Deutschland, bei der die Jungs hoffentlich agiler agieren als in ihrem etwas hüftsteifen Musikvideo zu "Draw The Curtains". Das hab ich euch gleich mal angehängt.

Markus

 

Donnerstag, 18. September 2014

Slash feat. Myles Kennedy - World On Fire

Band: Slash (featuring Myles Kennedy & The Conspirators)
Album: World On Fire
Spielzeit: 77:12 min.
Plattenfirma: Roadrunner Records
Veröffentlichung: 12.09.2014
Homepage: www.slashonline.com


WERTUNG: 8 von 10


Tracklist:
1. World On Fire
2. Shadow Life
3. Automatic Overdrive
4. Wicked Stone
5. 30 Years To Life
6. Bent To Fly
7. Stone Blind
8. Too Far Gone
9. Beneath The Savage Sun
10.Withered Delilah
11.Battleground
12.Dirty Girl
13.Iris Of The Storm
14.Avalon
15.The Dissident
16.Safari Inn
17.The Unholy

Tja, was soll ich sagen? Ich hab mich gefreut wie ein kleiner Schulbub, als pünktlich zum neuen Schuljahr das neue SLASH Album bei mir eingetroffen ist. Denn gerade mit seinem letzten Output zusammen mit MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATORS namens "Apocalyptic Love" konnte mich der Ex-GUNS N ROSES Gitarrist mit dem Zylinder vollends überzeugen. Auch live ließen beispielsweise der ALTER BRIDGE Fronter Mr. Kennedy und die CONSPIRATORS mit Slash nichts anbrennen und spielten als Vorband die alten Herren von MÖTLEY CRÜE an die Wand. Gerade die Kombination aus der etwas ungewöhnlichen Stimme von Mr. Kennedy und den typischen SLASH-Riffs hat das gewisse Etwas. 


Und auch bei "World On Fire" lassen die Jungs es erstmal richtig krachen, denn der Opener und Titeltrack ist schlicht und einfach ein Hit geworden, wie ihn die ROSES zu ihren besten Zeiten kaum hinbekommen haben. Das folgende "Shadow Life" ist vielleicht nicht ganz so eingängig, hat aber sogar das bessere Gitarrenriff zu bieten und meine Mundwinkel wandern ganz weit nach oben. Als dann "Automatic Overdrive" aus den Boxen schallt, bin ich einfach nur selig. Starkes Anfangstrio, dessen Niveau das Album dann aber leider nicht mehr ganz halten kann. Gut, es gibt wirklich nur halbwegs ordentliche Lückenfüller wie "Dirty Girl" oder "Battleground", die allesamt nicht wirklich schlecht sind. Bei einer Spielzeit von 77 Minuten und 16 Songs sowie einem Instrumetalstück macht sich dann aber tatsächlich etwas Langeweile breit. Manchmal ist zuviel einfach zuviel. Denn einige der Songs ähneln sich schlicht zu stark, was bei dem Stil im Grunde kein Beinbruch wäre, würde das Album nach 50 Minuten enden. Denn bis auf das abschließende "The Unholy" finde ich auch keine weiteren genialen Hits mehr. Außerdem ist mir der Sound im Gegensatz zum Vorgänger ehrlich etwas zu glatt gebügelt. Etwas rauer hätte eher meinen Geschmack getroffen. 

Das macht aber immerhin 4 absolut geile Hardrockkracher und würde jedem anderen Output gut stehen, für ein Album des Monats wie es z.B. der Metal Hammer hochjubelt, reicht es in meinen Augen jedoch nicht. Und so schließe ich meine Meinung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das lachende weil SLASH und Company mal wieder ein klasse Album aus dem Zylinder gezaubert haben, das weinende, weil ich dann doch öfter zur Skip-Taste greife, als mir lieb ist.

Markus

Mittwoch, 17. September 2014

The Durango Riot - Face



Band : The Durango Riot
Album : Face
Spielzeit : 47:12 Min.
Veröffentlichung : 29.08.2014
Plattenfirma : Last Bullet / Soulfood
Homepage : www.thedurangoriot.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste :
  1. Face
  2. Zac The Salvationist
  3. Paranoia's Rock
  4. Heavy Love
  5. Is It Enough ?
  6. Marquee Days
  7. Ready Are The Headless
  8. Killer Buddies
  9. Her War Is Mine
  10. Evil Expressions
  11. Fuzzy Friends
  12. Full Moon Music

Würde man die Klasse eine Platte daran bemessen, wie lange es dauert, sich in das Teil hineinzuhören, würden die Jungs von The Durango Riot mit ihrer aktuellen Langrille Face von mir schon mal die Höchstwertung kassieren...

Ehrlich, Face ist eine Wundertüte geworden, die derart vollgepfropft ist, dass ich gar nicht weiss, welche Nummer ich zuerst herauspicken soll. Der kraftvoll-frische Gitarrenschrammelrockpop-Schwedenhappen schmeckt verdammt kräftig und schreit lauthals nach mehreren Anläufen, nur um immer wieder dasselbe verduzte Gesicht zu ernten. 

Die Frage lautet: Wo verdammt stecke ich die Band eigentlich hin ?

Man WILL Musik ja heutzutage mehr denn je in eine Schublade packen, um ihr ein Gesicht zu geben...doch The Durango Riot will ums verrecken nicht reinpassen in die übervolle Genre-Kiste. Haben sie auch gar nicht nötig...Fred Andersson und seine Freunde rocken ihren eigenen nervös-harmonischen, herzlich-schrägen Stilmix konsequent durch knapp 50 Minuten und bringen die Festival-Massen damit garantiert in den nächsten Jahren zum kochen.

Schön ist, dass neben sämtlichen Energieschüben durchaus noch Zeit zum Atmen bleibt. Die hat man allerdings nach Songs wie Zac The Salvationist oder Paranoia's Rock, die im vorbeifliegen klarmachen dass für Langeweile überhaupt keine Zeit ist, bitter nötig. So bietet Marquee Days in der Mitte der Platte einen willkommenen Moment zum Chillen an, der auch genutzt werden sollte, denn Drummer Eric Sjökvist fordert in seiner unwiederstehlichen Art direkt im Anschluss daran dazu auf, das Tempo wieder aufzunehmen und mit Ready Are The Headless erneut auf den Durango Riot-Train aufzuspringen.



Wer aber jetzt einen monoton dahinratternden Rock'n'Roll-Overkill erwartet, wird eines Besseren belehrt. Face ist eine der Platten, die erschlossen werden will. So gibt es in Killer Buddies urplötzlich einen weiblichen Gegenpart für Sänger und Gitarrist Fred Andersson. Überhaupt hat der Song eine wunderbar-melancholische Note, die dem Album verdammt gut steht und Abwechslung bringt. Dass die Band sich auf's Schreiben von Songs versteht, wird nicht nur mit Evil Expressions, einem wundervollen Song, der die ganze Welt der Schweden widerspiegelt, klar. Fronter Andersson gibt hier seine beste Gesangsleistung ab und unterstützt von einem kraftvollen Chorus schaukelt sich die anfangs zurückhaltende Nummer hoch um in einer infernalen Wall of Noise zu enden. 

Auch wenn ich etwas gebraucht habe, mit Face warmzuwerden, die Scheibe hat Stil und absolutes Suchtpotential. Wer von Euch also auf junge, schnelle Gitarrenbands der Marke Kraftklub oder Royal Republic (ebenfalls Schweden) steht, darf in diesen Tagen nur noch ein Ziel haben: 

ZUGREIFEN !!!


Bernd Fischer

Dienstag, 16. September 2014

TOXIK WALTZ - neues Video der bayerischen Trash-Metaller

Hi Folks,

ich bin heute über das brandneue Video der Newcomer von TOXIC WALTZ gestolpert. Wenn man sich das gut gemachte Video so ansieht (ok, manche Effekte sind wohl dem Budget geschuldet), könnte man fast meinen die Jungs stammen aus der Bay Area und nicht etwas aus dem bayerischen Landsberg am Lech. Feiner Old-School-Trash-Metal. Werde mich auch bemühen, die Scheibe bald in Händen zu halten und euch über den kompletten Longplayer berichten zu können. Doch nun viel Spaß mit dem Video:

Donnerstag, 4. September 2014

Shaman's Harvest - Smokin’ Hearts & Broken Guns




Band : Shaman's Harvest
Album : Smokin’ Hearts & Broken Guns
Spielzeit : 49:11 Min.
Veröffentlichung : 15.09.2014
Plattenfirma : Mascot Records
Homepage : www.shamansharvest.com

Wertung : 7 von 10 

Trackliste:
  1. Dangerous
  2. Here It Comes
  3. Ten Million Voices
  4. Blood In The Water
  5. The End Of Me
  6. Country As F*ck
  7. Hero
  8. Dirty Diana
  9. In The End
  10. In Chains
  11. Silent Voice
  12. Dragonfly (Extended Unplugged Version)


Shaman's Harvest ist eine Band von der Sorte "Da weiss ich ja jetzt erstmal gar nicht, wohin ich die packen soll". Als ich mir das Coverartwork von Smokin’ Hearts & Broken Guns so anschaute, dachte ich...uh, da steckt was ganz deftig-erdiges drin, Richtung Southern-Rock oder 70er Jahre Retro-Rock, was weiss ich. Dann die Überraschung...


Die Jungs aus Jefferson City, Missouri, namentlich Matt Fisher (Bass), Nathan Hunt (Gesang, akustische Gitarre), Josh Hamler (Rhythmusgitarre) und Ryan Tomlinson (Leadgitarre) rocken mit Dangerous richtig fett drauflos, und ich denke: Das wird geil !
Leider gedeiht in meinem Kopf aber schnell ein erster vorsichtiger Gedanke: Könnte es sein dass ich die Jungens schon mal gehört habe ? Neulich im Radio ?


Die Verwirrung währt nicht lange, da wird klar dass die Band sich mit ihrem fünften Album deutlich am massentauglichen Mainstream-Metal der Marke 3 Doors Down, Creed und Nickelback orientiert haben. Das tun sie ziemlich kompromisslos, dass ich einen spontanen Plagiatsverdacht hege. Und obwohl diese Musik nicht wirklich meine Baustelle ist, muss ich gestehen dass Shaman's Harvest ihre Sache ordentlich gemacht haben.

Ins Ohr gehende Hooklines, harte, kontrollierte Gitarren, das Ganze in Kombination mit einem Sänger, der ein raues aber freundliches Chad Kroeger-Organ besitzt...hinter all diesen Punkten darf im Falle von Shaman's Harvest ein Haken gesetzt werden und so erhalten wir mit Smokin' Hearts & Broken Guns eine Platte, die von vorne bis hinten entspannt durchgehört werden kann, ins Ohr geht aber: Rockt !

Und : Die 49 Minuten fallen recht kurzweilig aus, denn die Platte hat durchaus etwas zu bieten. Blood In The Water wäre beinah eine wunderbare Bluesnummer geworden, mutiert aber im weiteren Verlauf zu einem harten Stampfer, der nur noch oberflächlich mit dem ersten Eindruck kokettiert. Trotzdem, die Nummer macht wirklich Spaß macht und ist neben dem Opener Dangerous ein echtes Album-Highlight. Der herausstechende Moment der Scheibe ist aber das schnelle County As F*ck, das mit seinem treibenden Groove und Mitgröhl-Refrain im Fanlager der Band durchaus zum Konzert- oder Partyhighlight heranwachsen dürfte. 

 


Mich persönlich packt die Band aber eher mit dem melancholischen Hero, bei dem man sich (Kopfkino) förmlich seinen Helden nach einem Streit mit seiner Perle vorstellt, die kurz darauf Ärger mit einem Schrank von Kerl bekommt, (den sie sich, selber Schuld, zum Eifersüchtig machen angelacht hat). Unser Held rettet sie dann aber vor dem Schurken...und die beiden haben sich wieder richtig lieb.
In The End ist aus noch glatterem Holz geschnitzt, der balladeske Song imponiert zunächst mit einer schönen, akustischen Gitarre und sauberem Gesang von Nathan Hunt, besitzt aber einen ziemlich klebrigen Chorus und geht irgendwann in eine kontrollierte Hardrockhärte über...hat also definitiv alles um den Radiohörer spätestens nach dem fünften Durchlauf voll zu nerven.

Dass die Jungs auch anders könnten, wenn sie wollten, zeigen sie immer mal wieder, aber leider nur ansatzweise. So bekommen wir im In Chains-Intro eine schöne, countryeske Steel-Slideguitar zu hören, die leider für den weiteren Songverlauf keine Bedeutung mehr hat. Ten Million Voices steigt mit einer wunderbar tiefergelegten Rhytmusgitarre ein, diese hat aber ebenfalls eine sehr kurze Lebensdauer. Einen Tiefpunkt stellt dann leider das Michael Jackson-Cover dar, Dirty Diana...bitte nein...das darf (durfte) niemand anderes darbieten als Mr.Jackson himself, es sei denn man fasst sich unablässig in den Schritt, was ich mir bei den Jungs von Shaman's Harvest nun wirklich nicht vorstellen kann. 
Sie hätten den Song also noch so sehr herausputzen können, er passt einfach nicht auf die Platte wie ich finde...

Ihr merkt, mich begeistert Smokin' Hearts & Broken Guns nicht vollends, wenn ich harte Musik will, lege ich halt harte Musik auf, aber keine, die nur so tut. Wer aber auf radiotauglichen Rock mit Metal-Attitude steht, sollte mal reinhören und eine tolle Platte entdecken. Denn Shaman's Harvest können's und haben sich eine Platte produzieren lassen, die viele Hörer begeistern wird...



Bernd Fischer

Montag, 1. September 2014

Queen - Live At The Rainbow '74

Band: Queen
Album: Live At The Rainbow '74 (2 CD)
Spielzeit:  143:53 min.
Veröffentlichung: 05.09.2014
Plattenfirma: Universal
Homepage: www.queenonline.com



Wertung:  10 von 10


Tracklist:
 CD 1
QUEEN II TOUR
Live at the Rainbow, March ’74
  1.  Procession
  2. Father To Son
  3. Ogre Battle
  4. Son And Daughter
  5. Guitar Solo
  6. Son And Daughter (Reprise)
  7. White Queen (As It Began)
  8. Great King Rat
  9. The Fairy Feller’s Master-Stroke
10. Keep Yourself Alive
11. Drum Solo
12. Keep Yourself Alive (Reprise)
13. Seven Seas Of Rhye
14. Modern Times Rock ’n’ Roll
15. Jailhouse Rock / Stupid Cupid / Be Bop A Lula (Medley)
16. Liar
17. See What A Fool I’ve Been


 CD 2
SHEER HEART ATTACK TOUR
Live at the Rainbow, November ’74
  1. Procession
  2. Now I’m Here
  3. Ogre Battle
  4. Father To Son
  5. White Queen (As It Began)
  6. Flick Of The Wrist
  7. In The Lap Of The Gods
  8. Killer Queen
  9. The March Of The Black Queen
10. Bring Back That Leroy Brown
11. Son And Daughter
12. Guitar Solo
13. Son And Daughter (Reprise)
14. Keep Yourself Alive
15. Drum Solo
16. Keep Yourself Alive (Reprise)
17. Seven Seas Of Rhye
18. Stone Cold Crazy
19. Liar
20. In The Lap Of The Gods… Revisited
21. Big Spender
22. Modern Times Rock ’n’ Roll
23. Jailhouse Rock
24. God Save The Queen


Lange, sehr lange hat man warten müssen, bis sich endlich mal erbarmt wurde und nun ein Livedokument der vier Königlichen aus den 70ern veröffentlicht wird. Man kann es drehen und wenden wie man will: Zwar kennt der Standardfan Queen und Freddie meist in gelber Jacke mit Schnauzer, sprich aus den 80ern (und dort vor allem von der Magic Tour 1986). Den Höhepunkt ihres musikalischen Schaffens, bevor auch in Popgefilde abgedriftet wurde, hatten die vier Ausnahmekönner m.E. jedoch eindeutig in den 70ern. 
Die Mischung aus perfektem musikalischen Können, der Tatsache, dass alle vier Bandmitglieder Songs (und auch Hits) schrieben und nicht zuletzt das Genie eines Freddie Mercury macht die Band auch mehr als 40 Jahre (!) nach ihrer Gründung zur Legende.

Die vorliegenden Aufnahmen stammen von den Anfangszeiten der Band und machen bereits zu diesem Zeitpunkt der Bandgeschichte klar, dass man es hier nicht mit einer weiteren Band zu tun hat, die Led Zep oder The Who klont und dann kurze Zeit später in der Versenkung verschwindet.

Das erste Konzert der opulenten Doppel-CD stammt vom März 1974 und wurde anlässlich der Tour zum Album "Queen II" mitgeschnitten. Danach war an sich eine offizielle Veröffentlichung als Live-Album geplant, aufgrund des immensen Eifers der Band wurde die Idee jedoch verworfen und es kam ein neues Studioalbum mit zugehöriger Tour noch im gleichen Jahr, welche auf Disc zwei repräsentiert wird.
Aus heutiger Sicht ein Wahnsinn: Zwei Studioalben und zwei Touren!! Da sollten sich manche mal eine Scheibe abschneiden heutzutage (insbesondere auch bei den aktuellen produktionstechnischen Möglichkeiten). Hallo Metallica :).

Das Schöne an der Doppel CD ist, dass die Weiterentwicklung der Band (und das in so kurzer Zeit) klar hörbar ist. War man auf der ersten Queen-Scheibe noch sehr Led Zep/Heavy- beeinflusst, so ging es bei der zweiten Scheibe schon erheblich verspielter und abwechslungsreicher zur Sache und die Studiomöglichkeiten wurden bis aufs äußerste ausgereizt. Natürlich ist das dann nicht mehr komplett live reproduzierbar, was Queen aber immer sehr gut hinbekommen haben und die Live-Versionen eben entsprechend abgewandelt haben, was es für den Konzertgänger extra interessant machte, bekam er doch statt einer 1:1 Kopie der Studioplatte teilweise recht unterschiedliche, aber dafür umso interessantere Live-Reproduktionen geliefert.

"Sheer Heart Attack" war das Album, dass Queen den absoluten Durchbruch (zumindest in Europa) bescherte und mit "Killer Queen" ihren ersten wirklichen Megahit ablieferte.
Das Album hatte derart viele Facetten, dass es atemberaubend war: Von harten Nummern wie "Now I'm here", über Opulentes wie "In The Lap Of the Gods", bis hin zu Vorläufern von Speed Metal wie "Stone Cold Crazy" (ja auch bekannt als Coverversion von Metallica). All die Songs gibt es auch auf CD 2 im Livegewand zu hören.

Die Tonqualität ist unfassbar gut, vor allem wenn man sich das Alter der Aufnahmen ins Gedächtnis ruft. Jedes Instrument ist kristallklar und differenziert wahrnehmbar und über allem thront die Stimme von Sangesgott Mercury.

Neben den Highlights aus den besagten drei Alben gibt es auch Soloparts von Brian May und Roger Taylor, die jedoch nie langatmig wirken. Die Stimme von Freddie klang damals noch richtig "jungfräulich" unverbraucht, was wohl auch daran lag, dass er damals noch kaum geraucht hat. Und dass er ein sehr unterschätzter Pianist war wird hier auch besonders deutlich, da die früheren Songs doch pianolastiger waren als die Spätwerke der Band.

Das "Sheer Heart Attack" Konzert vom November 1974 gibt es auch separat als BluRay oder DVD, zudem erscheint das Package auch als opulentes Deluxe Boxset mit einigen Extras (in Form von Memorabilia und einem Buch) sowie als Vinyl-Box, also für jeden Geldbeutel etwas vorhanden.  

Veröffentlicht wurde das zweite Rainbow-Konzert lediglich als VHS Video auf der 1992er Box Of Tricks, die aber längst vergriffen ist und das Konzert auch nicht in voller Länger enthielt.

Die Gebete der Die-Hard-Fans wurden somit erhört, die Aufmachung ist vorbildlich, der Sound grandios und zu den einzelnen Stücken muss man nun wirklich nichts mehr sagen.

Was bedeutet das letztlich? Genau - die 10! Es bleibt zu hoffen, dass der Scheibe gute Verkäufe beschert sein werden, so dass die Archive mit weiteren Juwelen erneut zur Öffnung bereitstehen. Besser als mir irgendwelchen Casting-Clowns Nostalgie-Revuen durchzuführen.....


Martin