Mittwoch, 23. Juli 2014

Veni Domine - Light

Band: Veni Domine
Album: Light
Spielzeit: 67:20 min.
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 23.05.2014
Homepage: http://venidomine.com/


WERTUNG: 9,5 von 10


Tracklist:
01. In Memoriam
02. Farewell
03. Hope
04. Where The Story Ends
05. Preludium
06. Last Silence Before Eternity
07. The Hour Of Darkness
08. Waiting
09. Oh Great City 2014


Seit 1987 beglücken uns die Schweden von VENI DOMINE mit ihrem christlich-beeinflussten Mix aus Doom und Progressive Metal. Leider trotz großartiger Alben noch ohne nennenswerten Erfolg in Deutschland. Und doch zählen Scheiben wie das Longplay Debüt "Fall Babylon Fall" oder "Spiritual Wasteland" zu meinen absoluten Favoriten im progressiven Bereich. Anno 2014 liefern VENI DOMINE auch wieder ganz genau das ab. Gut, Sänger Fredrik Sjöholm kommt nicht mehr in die ganz hohen Lagen, aber vielen war das eh bisher ein leichter Dorn im Auge. Ich finde es schade. 


Das ist aber beim neuen Meisterwerk "Light" auch der einzige Wermutstropfen. Ansonsten dominieren göttliche Harmonien, perfekt gesetzte Breaks und trotz aller Abwechslung bleibt der rote Faden nie auch nur eine Sekunde auf der Strecke. Vielleicht liegt es daran, dass ich nach mittlerweile sieben Jahre Abstinenz dringend wieder neues VENI DOMINE Futter gebraucht habe, aber "Light" ist wahrlich perfekt. Ich hab dem Album mittlerweile tatsächlich Monate Zeit gelassen, um zu wirken und finde noch immer keine Sekunde langweilig (sorry für die späte Rezension). 

Kommen wir endlich zu den Songs an sich. "In Memoriam" ist mit seinen 12 Minuten Länge der perfekte Opener, denn bereits dort ziehen die Schweden alle Register ihres Könnens. Die düstere atmosphärische Grundstimmung passt vielleicht nicht bei jedem Sommerwetter, aber dafür gibt es ja AOR und eben keinen Doom. Leider liegen mir nur die mp3 Version vor, doch auch hier ist nicht nur zu erahnen, dass in Stockholm hinsichtlich der Produktion großes geleistet wurde (ein Dankeschön an Torbjörn Weinesjö - so muss Progressive Doom klingen). Das folgende "Farewell" glänzt mit ruhigen Parts und einem Refrain, der nur zum Niederknien göttlich depressiv ist. Das besondere ist aber, dass sich VENI DOMINE diesmal nicht einen einzigen Aussetzer leisten. Auch bei "The Hour Of Darkness" dürften alle Doom Jünger feuchte ..äh.. Augen bekommen, doch auch wer auf klassischen Hardrock-Metal mit epischem Touch steht, sollte sich "Light" schnellstens einverleiben. 

Warum gebe ich nun nicht die Höchstpunktzahl? Ganz einfach: Das geniale "Oh Great City" vom Debüt gibt es in einer richtig geilen neuen 2014er Version, die jedoch nicht ganz den Spirit des 20 Jahre alten Originals halten kann.Trotzdem bin ich von VENI DOMINE wieder hellauf begeistert. Der erste Anwärter auf das Album des Jahres 2014 - ohne wenn und aber. 

Markus

Montag, 21. Juli 2014

Infinty's Call - Unconditional


Band : Infinity's Call
Album : Undonditional
Spielzeit : 47:32 Min.
Veröffentlichung : 30.05.2014
Plattenfirma : Sonic Revolution / Bob Media
Homepage : www.infinityscall.de

Wertung : 7 von 10

Trackliste : 
  1. Stop Fooling Around
  2. Can't Get Over You
  3. Bitter Taste Of Destiny
  4. The Place
  5. Where Does Love Go
  6. Prelude
  7. Say What You Gotta Say
  8. Even The Bravest
  9. Unconditional Love
  10. Emotional Evolution
  11. Infinty
Es war Mitte der 80er, als ich in die Handwerkslehre ging und mir ein Kumpel aus der Berufschule mal wieder ein Tape mit dem seiner Meinung nach "geilsten Metal-Shit aller Zeiten" in die nervöse Hand drückte. Helloween, TNT, Pretty Maids und so weiter hiessen die Bands auf der Cassette (Cassetten sind übrigens die Dinger, in denen man ständig mit'm Bleistift drin rumpopeln musste um den Bandsalat zu entwirren)...

Jedenfalls liegt jetzt mit Unconditional, dem aktuellen, zweiten Album der Ulmer Band Infinity's Call eine CD in meinem Player, die mich verdammt an diese Zeiten erinnert. Unconditional besticht durch den gitarrenlastigen, riffbetonten, aber melodischen Metal-Hardrock-Mix, der in den 80ern Bands wie Victory, Bonfire oder die Lieblinge meiner Heimat, Mad Max, zu einem kurzen, hohen Bekanntheitsgrad verholfen hat. 
Und was soll ich sagen, Claus Zeller - Gesang (ex Stranger), Philipp Zanella - Gitarre (ex Tyrant), Uwe Hofmaier - Bass (ex Dynasty) und Ralf Neumann - Schlagzeug (ex Chinchilla) haben, ob Zufall oder nicht, den Geist der alten Recken erweckt. Abmischung und Produktion spielen dabei eine ebenso große Rolle wie das Songwriting und die mehrstimmigen Refrains, welche gelegentlich an Accept erinnern. Kurzum, das Paket hätte im Grunde auch 30 Jahre früher geschnürt werden können. 

Stop Fooling Around steht als Opener geradezu Pate für dieses Deja Vu. Ein pumpender Bass, galoppierende Drums, die langgezogende Gitarre, so haben die Jungs es gelernt und ebenso lieben wir es doch. Dann der eingängige Refrain, der nach dem dritten Durchlauf in der gequälten Hörmuschel hängen bleibt...geil.
OK, ein kleines bisschen mehr Kreativität, mal ein Tempowechsel, ein wenig mehr Stimmvolumen, nach oben wie unten, hätte ich sicher noch geiler gefunden, doch warum jammern ?



Infinty's Call bedienen alles was der Melodic-Hörer möchte und heute häufig vermisst, feine Gitarren-Soli (The Place), melodische Refrains (Unconditional Love) und eine grundsolide, kontrollierte Härte. Dazu immer wieder die tolle Gitarre von Philipp Zanella, dessen Kunst mich echt begeistert. Der Mann hat es verdient, gehört zu werden, was sich insbesondere in Prelude, einem zweieinhalbminütigen Intermezzo, zeigt. Passenderweise in die Albummitte platziert, markiert das Instrumental nicht nur die enorme musikalische Fähigkeit des Gitrristen, sondern der ganzen Band, die halt aus erfahrenen Mitgliedern mittleren Alters besteht.

Jedoch, es hakt hie und da ein wenig bei der Abwechslung. Mir fehlt irgendwas. Bei aller Freude über die alten Zeiten, die Platte hätte auch Anno 85 wohl nur den zweiten Platz geholt. In Where Does Love Go wird überdeutlich, warum. Claus Zeller schleppt sich auffallend hüftsteif und monoton ins Ziel und man fühlt sich in der Befürchtung, ihm könne vielleicht die Luft wegbleiben, geradezu verunsichert. Schade, da hätte das gesamte Team nochmal nachhaken sollen.

Dass er anders kann, wissen wir. In der zweiten Nummer Can't Get Over You oder im wunderschönen, balladesken The Place beschwört Herr Zeller zwar nicht die Götter des Stimmvolumens, aber er zeigt uns, wie es gehen kann und sollte. Für mich zeigt er in beiden Songs eine hervorragende Leistung. 

Zum Abschluss einer unerwartet starken, aber (weil?) nicht perfekten Platte steigt mit Infinity der, erneut instrumentale, Höhepunkt der Platte. Ein solch schönes Gitarrenstück habe ich schon lange nicht mehr hören dürfen. Mein höchster Respekt erneut an Phillip Zanella, als auch an die Rhythmusgruppe. Ach wie herrlich, allein für diese Nummer müsst Ihr euch die Platte kaufen !!! 

Fein gemacht ! 7 Punkte...


Bernd Fischer

Sonntag, 20. Juli 2014

Heavy Honey - Crushing Symphony

Band : Heavy Honey
Album : Crushing Symphony
Spielzeit : 46:03 Min.
Veröffentlichung : 03.06.2014
Label : DOTT Music
Homepage : www.facebook.com/heavyhoney

Wertung : 6 von 10


Trackliste: 
  1. Soul Selling
  2. Superlove
  3. If I Had You Back
  4. Falling
  5. Death Delay Club
  6. On My Way
  7. Play In The Dark
  8. My Fu Smile
  9. Never Let You Down
  10. Overkill
  11. My Hate

Slaughter, The Killers, Panic ! At The Disco und jetzt Heavy Honey...wo bestehen da blos die Zusammenhänge ??? Richtig, die genannten Bands stammen allesamt aus, bzw. dem Umfeld von Las Vegas, wobei es das auch dann schon wieder war mit den Gemeinsamkeiten...

Crushing Symphony, das Debutalbum der Band, ist in enger Zusammenarbeit zwischen Sänger+Songwriter London Mace und Produzent Kane Churko (Five Finger Death Punch, Hinder, Papa Roach) in den Hideout Studios in Las Vegas, entstanden. Die renommierte Adresse ist übrigens im Besitz von Kane's Vater Kevin, der unterschiedlichste Künstler wie Ozzy Osbourne, Shania Twain, In This Moment oder Ringo Starr betreut hat.
Wer von Euch auf Ministry oder Nine Inch Nails, mit einer gehörigen Portion Alice Cooper-Hardrock und gelegentlicher Turbo (Priest) - Einstreuung steht, dem dürfte das Ergebnis dieser Zusammenarbeit durchaus gefallen. Die elf Songs auf Crushing Symphony wissen, einzeln betrachtet, durchaus zu gefallen. Haken an der Sache ist, spätestens nach der vierten Nummer meint man, den einen oder anderen Song vor ein paar Minuten bereits gehört zu haben. In der Tat, Abwechslung ist nicht gerade die große Stärke von Crushing Symphony. London Mace verwebt hart-fräsende Gitarrenriffs, ein monotones Schlagzeug und heulende Refrains zu einer irgendwie stets ähnlich klingenden Songstruktur der Marke PS3 Ballerspiel-Hintergrundmusik. Londons nasal-krächzender Gesangsstil passt allerdings sehr gut in das Gesamtbild hinein, auch die gelegentliche Hinzunahme einer nicht weiter bekannten Backgroundsängerin (oder kann Herr Mace etwa Falsett und wurde gedoppelt ?) gefällt.

Ihr merkt schon, mein Fall ist die Platte alles in allem nicht. Aber, und das ist das Schöne an Crushing Symphony, es gibt ein paar Perlen in der Suppe. Namentlich wären das das rasend schnelle My Fu Smile, ein echter Kracher, den man sich bei Tempo 180 auf der Rennbahn reinziehen sollte. Ein feines Teil mit einem schönem Break, nach welchem es dann genauso fix weitergeht. 
Der Opener, Soul Selling, der mich mich zeitweise an Mother Love Bone erinnert, geht sehr schnell ins Ohr um dort hängen zu bleiben und wird im folgenden, wie erwähnt, leider viel zu häufig zitiert.

Schade, ein wenig mehr Abwechslung hätte dem sehr gut produzierten Album sicher gut getan. Sollte Bandgründer und kreativer Kopf London Mace diese Schwäche noch ablegen, dürfen wir uns auf wirklich tolle Musik freuen...

Bis dahin bleibt es für Crushing Symphony jedoch bei 6 Punkten. 


Bernd Fischer



Donnerstag, 17. Juli 2014

Joe Bonamassa - Different Shades Of Blue (VÖ 19.09.2014)

Hi Folks,

Joe Bonamassa dürfte es mittlerweile nicht nur unserem Bernd angetan haben und so freut es uns natürlich umso mehr, dass der Tausendsassa und Workaholic bald wieder mit einem neuen Album um die Ecke kommt. Und der erste Eindruck ist echt klasse. Ok, der Titelsong ist sehr ruhig aber einfach verdammt gut. Dazu gibt es auch ein schönes Video zu sehen.

Hier der offizielle Text inklusive Link:
Joe Bonamassa - brandneues Video zum neuen Album “Different Shades Of Blue”/ VÖ 19.09.2014

Der grammynominierte Bluesrock-Gitarrist Joe Bonamassa veröffentlicht am 19.09.2014 sein elftes Studioalbum „Different Shades Of Blue“ bei Provogue / Mascot Label Group. Auf seinem ersten Soloprojekt seit über zwei Jahren spielt er zum ersten Mal fast ausschließlich eigenes Material und so wirkt das Album um ein Vielfaches experimenteller als seine früheren Werke. Es ist eine Reise an die äußeren Grenzen und die vielen verschiedenen Klänge des Blues, die das Genre so unverwechselbar formen.

„Es ist bereits eine Weile her, dass ich ein komplett eigenes Album geschrieben habe.“, sagt Bonamassa, „Deshalb wollte ich nicht nur reinen Blues, sondern auch alles besser machen als bei meinen letzten Aufnahmen. Ich weiß, dass meine Fans dies von mir erwarten und nach all den Jahren bin ich ihnen das schuldig.“

Um sich auf „Different Shades Of Blue“ optimal vorzubereiten, nahm er sich im letzten Jahr eine Auszeit – eine Rarität in der Karriere des unermüdlichen Gitarristen –  und verbrachte stattdessen seine Zeit in Nashville, um mit Jonathan Cain (Journey; „Who’s Crying Now“, „Open Arms“, „When You Love A Woman“), James House (Diamond Rio, Dwight Yoakam, Martina McBride) und Jerry Flowers (Keith Urban) neue Songs zu schreiben. „Die Jungs haben mich wirklich inspiriert. Mit solch großartigen Musikern und Songwritern zusammen zu arbeiten, war eine einzigartige Erfahrung.“


„Different Shades Of Blue“ wurde von Kevin Shirley im At The Palms-Studio in Las Vegas produziert. Der Freund und langjährige Produzent  Bonamassas war bereits für dessen letzte 15 Werke verantwortlich, inklusive der gemeinsamen Projekte mit Black Country Communion und Beth Hart. Auch dieses Mal zog er erneut alle Register und holte bekannte Musiker wie Reese Wynans (Orgel, Klavier), Carmine Rojas (Bass), Michael Rhodes (Bass), Anton Fig (Schlagzeug, Percussion), Lenny Castro (Percussion), Lee Thornburg (Trompete, Posaune), Ron Dziubla (Saxophon), das Bovaland Orchestra (Streicher) sowie Doug Henthorn und Melanie Williams (Background Gesang) zu ihm ins Studio.

„Es ist bis jetzt definitiv mein Lieblingsalbum von ihm.“, sagt Shirley. „Es verdient es, in seiner Gesamtheit gehört zu werden. Zum Glück schätzen Joes Fans die Arbeit, die wirklich dahinter steckt und nicht einfach nur Songs.“

Bonamassa selbst strebt dennoch danach, seinen Fans jedes Jahr etwas Neues zu bieten um sich bei Ihnen für ihre Loyalität, Hingabe und ihren Enthusiasmus bei Twitter, YouTube, Instagram und Facebook zu bedanken, die dem Künstler weltweit einen ausgezeichneten Ruf und einen großen Bekanntheitsgrad verschafft haben. „Joe hat gelernt, sein Publikum nicht zu unterschätzen“, so Shirley weiter, „und versucht immer, das Beste aus sich herauszuholen um seinen Zuhörern diese Intensität nahezubringen. Wir arbeiten hart daran, die Alben so multidimensional wie möglich zu gestalten und nicht nur den einfachsten Weg zu gehen.“

Mit zwölf Nummer-Eins Billboard Bluesalben, mehr als jeder andere Künstler vor ihm erreicht hat, erhielt Bonamassa 2013 seine erste Grammynominierung für „Seesaw“, dem gemeinsamen Album mit Bluesrock-Röhre Beth Hart. Sein 2013 erschienenes Solo-Akustikprojekt  “An Acoustic Evening At The Vienna Opera House” wurde für die beste DVD beim Blues Music Award nominiert. Seine 2009 erschienene DVD “Live From The Royal Alber Hall” erhielt in Deutschland Gold und wurde vor kurzem von der RIAA mit Platin ausgezeichnet.

Und hier der link zum ersten offiziellen Video aus dem Album  “Different Shades Of Blue”:
http://youtu.be/i7-CTdeRk2s

Das Album kann man u.a. hier vorbestellen:

Mascot Label Group: http://smarturl.it/jbdsob

Joe Bonamassa Live:

25.09.   Mannheim – SAP Arena
26.09.   Leipzig – Arena
27.09.   Göttingen – Lokhalle
29.09.   Münster – Halle Münsterland



 

Freitag, 11. Juli 2014

Ian Hunter - The Artful Dodger



Interpret : Ian Hunter
Album : The Artful Dodger
Spielzeit : 60:08 Min.
Veröffentlichung : 30.05.2014 (1996)
PLattenfirma : MiG (Made in Germany)
Homepage : www.ianhunter.com

Wertung : 8 von 10


Trackliste :
  1. Too Much
  2. How Is The Time
  3. Something To Believe In
  4. Resurrection Mary
  5. Walk On Water
  6. 23A, Swan Hill
  7. Michael Picasso
  8. Open My Eyes
  9. The Artful Dodger
  10. Skeletons (In Your Closet)
  11. Still The Same
  12. All F%&k Up - Bonus (Single B-Side)


Selbst wenn ich mich vielleicht wiederhole; ich freue mich ja immer wie ein kleines Kind zu Weihnachten, wenn Mr. Postman himself mir mal wieder diese kleinen glitzernden, schön in Noppenfolie eingetüteten Silberlinge, CDs genannt, vorbeigebracht hat. 
Und wenn dann auch noch Perlen darin enthalten sind, mit denen man gar nicht gerechnet hat, steigt meine Freude schon mal in Unermessliche. Jüngst geschehen mit der remasterten Neuauflage von Ian Hunter's The Artful Dodger...

Der ehemalige Mott The Hoople Sänger aus Mittelengland startete seine Solo-Karriere im Jahr 1975. Mit dem Beginn dieser Phase begann auch eine sehr enge und überaus kreative Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Mick Ronson. Ronson spielte zuvor mehrere wegweisende Alben mit David Bowie ein und reicherte Hunters Schaffen in den folgenden Jahren als Gitarrist, Songwriter und Produzent wegweisend an. Irgend jemand sagte einmal, Mick Ronson hätte seine beste Arbeit immer für andere Musiker aufbewahrt und Ian Hunters beste Alben seien unter Ronson's Einfluss entstanden...die fruchtbare Zusammenarbeit und Freundschaft endete leider mit seinem Tod im Jahr 1993.

Die Aufnahmen der, nach Ronson's Ableben entstandenen, Alben Dirty Laundry und The Artful Dodger, wurden von Produzent Björn Nessjö betreut, der Hunter dermaßen beeindruckte, dass dieser ihm, mangels Plattenfirma, eine Teilhabe an The Artful Dodger anbot. Was dazu führte, dass die Platte zunächst ausschliesslich in Norwegen, Nessjös Heimat, veröffentlicht wurde. In Deutschland erschien die Scheibe später in Kleinstauflagen, infolgedessen The Artful Dodger hierzulande eher unbekannt blieb. Völlig zu unrecht, wie die von Tonmeister "Hoppi" Hoppstock remasterte Neuauflage jetzt beweist.

Die Platte strotzt, im Gegensatz zum Vorgängeralbum, welches Hunter noch unter dem Schock des Todes seines Freundes, unter der Beteiligung vieler verschiedener Musiker aufnahm, vor feinfühligen Songs, hat aber mit Something To Believe In und Walk On Water zwei flottere Stücke an Bord. Ian Hunter hat ein sehr emotionales Album geschaffen und ich frage mich zum wiederholten Mal, warum ich eine solch bemerkenswerte Scheibe nicht viel früher bemerkt habe. Deshalb ist es mir ein ganz besonderes Anliegen, euch The Artful Dodger ans Herz zu legen.
 
Der Einstieg in die Platte fällt sehr leicht, Too Much läuft immer mal wieder im Radio und so mancher von euch wird die Nummer, die mich leicht an Springsteen's 94er Hit Streets Of Philadelphia erinnert, sofort erkennen.Welch scheinbar unerschöpfliches Gespür für Harmonien und Melodien Ian Hunter hat, zeigt sich fast durchgängig. Now Is The Time besticht durch Hunters wandelbares, in diesem Fall leicht rauchiges, Organ. Ein wohldosiertes Keyboard unterstreicht die besondere Note des Songs, der bereits nach dem zweiten Durchgang hängen bleibt. Ob die Songs nun, wie das tolle 23A, Swan Hill im Refrain an vergangene Glam-Zeiten erinnern oder Hunter sich im Titelsong als "dysfunctional chap", also als gestörten Typen, bezeichnet...immer wieder wird klar, dass der Mann einfach ein Talent dafür hat, Songs zu schreiben. 

Mit dem langsam dahingleitenden Open My Eyes kommt mal wieder Zeit zum Durchatmen auf, bevor das ebenfalls bedächtige Still The Same beschliesst, was Hunter mit Michael Picasso im Mittelteil der Platte begann. Dort nämlich besingt er den Verlust des Eingangs erwähnten Mick Ronson: "You turned into a ghost surrounded by your pain, and the thing that I liked the least was sitting 'round Hasker Street, lying about the future. And we all sit in a room full of tears on a windy day and I looked out. But none of these words seem right, I just wanted to give something back to you. Gift to gift, Michael, Michael Picasso good night".

Worte wie diese geben der Scheibe schlussendlich den Charakter, welchen ausschliesslich Platten wie Lou Reed's Magic And Loss oder neulich Walter Trout mit seinem The Blues Came Callin' (übrigens hier bei Rockingboy, wo sonst, nachzulesen) eben haben: Schmerz, Trauer und Verlust.

The Artful Dodger, was übrigens soviel wie "listiges Schlitzohr" bedeutet, ist allerdings kein düsteres Album geworden, im Gegenteil, Hunters britischer Humor blitzt hie und da auf und so kann die Scheibe auch gerne ein zweites Mal aufgelegt werden. Es lohnt sich !


Bernd Fischer


Donnerstag, 19. Juni 2014

Rival Sons - Great Western Valkyrie

Band : Rival Sons
Album : Great Western Valkyrie
Spielzeit : 47:40 Min.
Veröffentlichung : 06.06.2014
Plattenfirma : Earache Records
Homepage : www.rivalsons.com

Wertung : 9 von 10

Trackliste : 
  1. Electric Man : (Take You To The Sugar Shack)
  2. Good Luck : (It's Going To Hurt Right Now)
  3. Secret : (Just Bring Me A Jar Full Of Shine)
  4. Play The Fool : (The Way That Girls Talk)
  5. Good Things : (Boy With A Bomb In His Jacket)
  6. Open My Eyes : Folding Like A Jack Knife)
  7. Rich And The Poor : (Her Teeth Bound By Braces)
  8. Belle Starr : The Gem Inside Sparkles Yet)
  9. Where I've Been : (The Habit Wasn't Cheap)
  10. Destination On Course : (Slipped From The Rail)

Wenn Schlagzeuger Mike Miley in seinem Wohnzimmer über die Songs der neuen Rival Sons Platte plaudert, merkt man, wie überzeugt er von der Scheibe ist. Diese "Track By Track Commentary" genannte Angelegenheit ist an sich eine feine Sache, lässt sie doch einen direkten Einblick in die Denkweise des Künstlers zu. Auf der anderen Seite wird uns wohl kaum jemand etwas Objektives oder Negatives über seine neueste Veröffentlichung mitteilen...

So bekommen wir zu hören, dass sein liebster Drumbeat auf Great Western Valkyrie in Play The Fool zu finden ist, der ihn selber an die Technik von Dave Grohl erinnert. Der PreChorus aus Good Luck sei ein "Schlag ins Gesicht" und das Drumming hätte was von Keith Moon. Sein Lieblingstitel, Secret, der mit dem niederschmetternden Gitarrenriff, verursacht Gänsehaut bei ihm und das Open My Eyes-Intro ist "rough, tumbling und bombastic".

Und die Werbeveranstaltung geht selbstredend in einer Tour so weiter, wer sich das reinziehen möchte, kann dies bei Spotify und Youtube gerne tun. Wir klinken uns da mal aus und erzählen euch die Wahrheit, nichts als die reine Wahrheit.


Und die sieht sämtliche Schwächen und Verfehlungen einer Platte vor, wie auch in diesem Fall. Denn Great Western Valkyrie ist deutlich zu kurz ausgefallen. Mit knapp 46 Minuten liegen wir zwar im oberen Drittel, jedoch hätte ich für meinen Teil gern noch einen oder zwei mehr von den durchweg starken Songs gehört. Die Rival Sons haben mit ihrem vierten Album seit 2010 eine leichte Kurskorrektur vorgenommen, die den Sound der Band etwas weg vom fetten Bluesrock in die psychedelische Richtung drängt. Die meist extrem fuzzigen Gitarren tragen diesen Sound im Grunde durch die komplette Platte, nur hin und wieder weicht Gitarrist Scott Holiday davon ab, hier sei insbesondere der Schlussong Destination On Course erwähnt, der mit sieben Minuten auch gleich der längste und ruhigste des Albums ist. Doch auch hier setzt sich der psychedelisch, verworrene Eindruck durch...wabernde Noisecollagen und übereinandergelegte Stimmen runden die Platte zum Schluss der Stimmung entsprechend ab.

Was nicht darüber hinwegtäuschen sollte, das Great Western Valkyrie ein Füllhorn an schönen Momenten anbietet. Hörer der ersten Stunde sollten sich vielleicht trotz gerümpfter Nase die Zeit nehmen und der Band diese Veränderung gestatten. So lässt sich ein Juwel namens Good Luck, mit seinem leicht an Bono (U2) erinnernden Gesang, aber halt in Härtegrad für Männer, entdecken. Überhaupt der Gesang. Meine Güte, was für ein guter Sänger Jay Buchanan doch ist. Stets trifft er die richtige Stimmlage und gibt den ohnehin feinen Kompositionen ihren verdienten Endanstrich. Schön auch, dass die Sons sich dem verschrobenen Garage-Sound der Endsechziger nicht willenlos ergeben, sondern ihre eigenen, unverkennbaren Gene eingekreuzt haben. 




Und dazu gehört mit Where I've Been auch eine feinfühlig-melancholische Ballade, in der Jay Buchanan zur Höchstform auflaufen darf und die Gefühle aus der Sicht einer Prostituierten in bestechender Manier nach aussen kehrt. Wenn er Zeilen wie "I gave them my body, now my memory won't let me sleep. Now I lay beside you and when you touch me, I feel i don't deserve you. That's when you remind me..." zum Besten gibt, weiss man im Grunde, dass die Scheibe noch häufiger im Player landen wird.

Meine Empfehlung dieser Tage hört auf den Namen Great Western Valkyrie und ist seit Anfang Juni in gefühlten 2599 Versionen erhältlich. Die Krachgeister von Earache haben offensichtlich erkannt, welches Juwel sie da gesignt haben...


Bernd Fischer

Sonntag, 15. Juni 2014

Walter Trout - The Blues Came Callin'

Interpret : Walter Trout
Album : The Blues Came Callin'
Spielzeit : 57:45 Minuten
Veröffentlichung : 30.05.2014
Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group / Rough Trade
Homepage : www.waltertrout.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste:
  1. Wastin' Away
  2. The World Is Goin' Crazy (And So I Am)
  3. The Bottom Of The River
  4. Take A Little Time
  5. The Whale
  6. Willie
  7. Mayall's Piano Boogie
  8. Born In The City
  9. Tight Shoes
  10. The Blues Came Callin'
  11. Hard Time
  12. Nobody Moves Me Like You Do

Was mich dieser Tage reitet, mich bei gefühlten 59 Grad im Schatten an einen stöhnenden Rechner zu setzen um eine Rezension zu schreiben, wissen wohl nur die Götter des Rock'n'Roll. Ohne Schwitzetuch und eiskalte Getränke geht da gar nix. Aber unter Umständen bringt die aktuelle Platte von Walter Trout ja ein wenig Linderung...

Und vielleicht ist es gerade dessen Leidensgeschichte, die mich zu diesem schweisstreibenden Selbstversuch leitet. Der gute Walter hat in den letzten Monaten wirklich den Blues gehabt, benötigte er doch dringend eine lebenswichtige Lebertransplantation. Der ehemals schwergewichtige Gitarrist hatte im Verlauf der Krankheit 50 Kilo Gewicht verloren und war nur noch ein Schatten seiner selbst. Als sich bereits erste Ausfallerscheinungen zeigten, war es im Grunde nur noch eine Frage der Zeit, wann die Musikwelt eine weitere Hiobsbotschaft hören müsste. Doch Walter kämpfte mit Hilfe seiner Freunde und Ehefrau Marie um die teure aber unumgängliche Lebertransplantaion, die er dann am 26. Mai endlich erhielt. Seitdem befindet er sich auf dem Weg der Besserung und hat sich sofort zum Ziel gesetzt, spätestens nach einem Jahr wieder auf der Bühne zu stehen.




Fast wäre The Blues Came Callin', dessen Titel sich auf Walters frühe Begegnung mit der Musik des Gitarristen Mike Bloomfield bezieht, also zum Vermächtnis der Blues-Legende mit mittlerweile 50 Jahren Erfahrung als Musiker und 25-jähriger Solo-Präsenz geworden. Die ersten Worte aus Wastin' Away, der Singleauskopplung, machen dies denn auch mehr als deutlich: "Looking in the mirror, but I don’t know who I see, no I don’t. So I take another look baby, but it still don’t look like me..."; mehr muss wohl nicht gesagt werden. Hoffen wir, dass Walter Trout sich schnell erholt und uns noch viele Jahre mit seiner tollen Musik beglücken kann.
So soll es denn auch die Musik sein, die hier im Mittelpunkt steht. Und da geht der gute Walter mit erwähnter Single direkt in die Vollen. Überhaupt hat sich der Blueser im Verlauf seiner Erkrankung nie hängen lassen, hat immer wieder auf der Bühne gestanden und im Studio aufgenommen. 



Der kraftvolle, pumpende Bluesrock auf der Platte hat denn auch eine Energie, die mancher unter genannten Umständen nicht erwartet hätte. Keine Schwächen, keine halbherzigen Ideen, die Trout'sche Gitarre bratzt wie gewohnt nicht nur den Opener ins Ziel. Sie geleitet sämtliche Musiker der Band stilsicher, mal hart und heftig, mal sanft und entspannt, durch die Scheibe, die ihren letzten Höhepunkt in der wundervollen Ballade Nobody Loves Me Like You Do findet. Den Song hätte Trout kaum passender schreiben können, spiegelt er doch die endlose Liebe zu seiner Gattin wider und ist mit mehr als sieben Minuten keine Sekunde zu lang geraten.

An Prominenz mangelt es The Blues Came Callin' ebenfalls nicht. Ein langjähriger Freund Walter Trouts gibt sich an den Tasten die Ehre: John Mayall. Passenderweise heisst sein instrumentaler, in einem Take aufgenommener Solo-Beitrag Mayall's Piano Boogie und lockert die ohnehin unverkrampfte Stimmung der Platte noch einen Tick auf. 

Mein persönlicher Favorit ist das mit einem wunderbaren Dobro-Intro versehene The Bottom Of The River. Der Song handelt auf den ersten Blick vom Kampf eines Ertrinkenden, an dem im Todeskampf das vergangene Leben vorbeizieht. Die Resonatorgitarre sorgt im Wechselspiel mit der elektrischen für eine interessante Stimmung und haucht dem langsamen Song eine spannende Atmosphäre ein. Auch hier steht ganz klar der Kampf Walter Trouts mit dem eigenen Schicksal hinter der eigentlichen Geschichte, die die Hauptperson mit den Worten "This ain't your Time to die..." für sich einscheidet.

Wollen wir hoffen dass Walter Trout im weiteren Genesungsverlauf ebenfalls die Kraft hat, seinen großen Kampf endgültig zu gewinnen. Mit The Blues Came Callin' hat er jedenfalls einen musikalischen Treffer gelandet, an dem es sicher nicht scheitern soll.

Ich für meinen Teil gebe mich der Hitze geschlagen und halte meine Füße jetzt erstmal in den Garteteich...



Bernd Fischer


Samstag, 14. Juni 2014

Pretty Maids - Louder Than Ever


Band: Pretty Maids
Album: Louder Than Ever
Spielzeit:   52.38 Minuten
Veröffentlichung: 21.03.2014
Plattenfirma: Frontiers Records
Homepage: http://www.prettymaids.dk/


Wertung: 9 von 10 (für die vier neuen Tracks!)


Tracklist:

  1.Deranged
  2.Playing God
  3.Psycho Time Bomb
  4.My Soul To Take
  5.He Who Never Lived
  6.Virtual Brutality
  7.Tortured Spirit
  8.With These Eyes
  9.Nuclear Boomerang
10.Snakes In Eden
11.Wake Up To The Real World
12.A Heart Without A Home 


Nach dem sehr gelungenen 2013er Album "Motherland" biegen Pretty Maids anno 2014 bereits wieder mit einem neuen Album um die Ecke.

Nun ja, ganz so ist es dann leider doch nicht, bietet "Louder Than Ever" doch "nur" vier wirklich neue Songs und beim Rest handelt es sich um Neueinspielungen von Songs der Phase von 1995-2006 (namentlich „Scream“ bis „Wake Up To The Real World“).

Von Neueinspielungen halte ich generell wenig bis gar nichts. Meist erfolgen diese, weil die Bands in ihrem jugendlichen Leichtsinn zu ihren Anfangszeiten sämtliche Rechte an ihren Songs an die Plattenfirma oder andere abgetreten haben und nunmehr ihre eigene Musik nicht mehr verwerten dürfen. Meist handelt es sich dabei zudem um die größten und erfolgreichsten Songs der jeweiligen Truppen, wie z.B. bei Kiss oder Def Leppard, die in den letzten Jahren Teile ihres Backkatalogs neu einspielten.
Auch wenn der Sound dabei noch so gut und die Produktionsmöglichkeiten heutzutage sicherlich besser sind als früher- auf der Strecke dabei bleibt IMMER die Magie der damaligen Zeit, die man mit einer aktuelleren Studioeinspielung m.E. nicht rekreieren kann.
Ob bei Pretty Maids auch der schnöde Mammon Grund für die Neufassungen war, wage ich hier jedoch einmal zu bezweifeln, das es sich bei den "neuen" alten Songs nicht gerade um ihre alten Klassiker handelt sondern eher um Albumtracks, die lediglich die "Die-Hard"-Freunde der Dänen kennen.
Soundtechnisch werden hierbei sicherlich keine Gefangenen gemacht, aber wenn ich ehrlich bin, gab es für mich an vergangenen Pretty-Maids-Scheiben soundtechnisch nie viel zu bekritteln. Die Songs wurden zudem nicht großartig verändert im Vergleich zu den Originalen, nur im Sound wurde eben das heutzutage Machbare herausgeholt und auf zeitmässig getrimmt. 
Am Interessantesten für mich sind natürlich die neuen vier Tracks, die durch die Bank überzeugend sind und da weiter machen, wo man mit "Motherland" aufgehört hat.
Der Opener "Deranged"  ist der üblich flotte Pretty Maids-Rocker, für welche die Dänen so geliebt werden. Ronny wechselt hierbei wieder zwischen seinem cleanen und "grunzenden" Gesangsstil . 
"My Soul To Take" ist AOR-Pretty-Maids at its best und wäre in früheren Zeiten ein todsicherer Radiohit gewesen. Gelungen und gute Laune erzeugend!

Mit "Nuclear Boomerang" gibt es noch eine weiter schnelle Granate auf die Nüsse, als Abschlusstrack hat man die vierte Nummer "A Heart without a Home" versteckt, eine tolle Ballade, die Lust auf das nächste volle Album macht.

Fazit: Die vier neuen Tracks überzeigen auf ganzer Linie. Was die Neueinspielungen angeht, so muss jeder selber entscheiden, ob er diese braucht oder nicht. Ich greife in solchen Fällen dann doch lieber auf das Original zurück. Als weiteren Kaufanreiz für den geneigten Fan liegt der Scheibe auch noch eine Bonus-DVD mit Archivaufnahmen sowie Ausschnitten von der letzten Tour bei, die der Reviewer jedoch leider nicht zur Verfügung gestellt bekam.

Pretty Maids sind und bleiben eine der tollsten "Underground"-Bands ever!


Martin








KXM - KXM

Band: KXM
Album: KXM
Spielzeit:   57:22 Minuten
Veröffentlichung: 30.05.2014
Plattenfirma: Edel:Records (Edel)
Homepage: www.facebook.com/KXMofficial


Wertung:  7 von 10


Tracklist:

 1. Stars
 2. Rescue Me
 3. Gun Fight
 4. Never Stop
 5. Faith Is a Room
 6. I'll Be Ok
 7. Sleep
 8. Love
 9. Burn
10. Do It Now
11. Human Friction
12. Tranquilizer




Mit KXM tun sich drei altbekannte verschiedener Rock-Stile  zusammen, als da wären Dug Pinnick (King's X), Ray Luzier (Korn) sowie George "Schorsch" Lynch (Lynch Mob), deren Initialen ihrer Hauptbands auch den "Projekt" -(?) Namen "KXM" ergeben.
Nachdem ich bislang weder mit King's X viel anfangen konnte (sorry) und auch um Korn einen mehr als nur kleinen Bogen schlug, war für mich die Scheibe einzig wegen George Lynch interessant, einem der Gitarrengötter der 80er Jahre schlechthin. Natürlich war ich angesichts seiner Mitstreiter nicht so naiv zu glauben, dass einem jetzt eine Dokken-ähnliche Veröffentlichung mit ausufernden Gitarrensoli geboten wird. Wer das von KXM erwartet kann getrost die nächste Review aufschlagen. 
Was die drei Recken uns anno 2014 bieten ist eher sehr düsterer Alternative Rock, der auch vor Grunge-Anleihen (ja das für 80er Verklärern wie mich so schlimme Wort) nicht halt macht. 
Also gute Laune-Musik ist das sicherlich nicht, und depressiv gestimmten Personen würde ich die vorliegende Scheibe ebenfalls ganz und gar nicht empfehlen.
Die mir vorliegende Version ist offensichtlich die für Europa remixte Fassung, es soll auch eine US-Fassung in anderer Version geben, die schon länger erschienen ist, die mir jedoch nicht vorliegt. Dass da George Lynch an der Klampfe ist fällt erstmal so gar nicht auf, denn er nimmt sich hier sehr zurück im Dienste des Gesamtsounds, der doch eher dumpf und düster daherkommt.
Klingt jetzt alles etwas negativ bislang ist es aber glücklicherweise dann doch nicht. 

"Stars " ist ein schmissiger Opener mit etlichen Schrammelriffs und (hurra) auch einem sehr guten Gitarrensolo. Die Drums von Meister Luzier stehen recht weit (zu weit!) im Vordergrund für meinen Begriff, aber das kann auch an meiner mp3-Vorabversion liegen, da bin ich in letzter Zeit doch immer etwas vorsichtig geworden, da das (auf CD oder Vinyl) veröffentlichte Endprodukt dann doch manchmal recht anders klingt, als das, was einem zum Reviewen vorgelegt wird.
"Rescue Me" erinnert mit seinen schweren Riffs an alte Alice in Chains-Zeiten, hierzu gibt es auch ein recht gutes Video, das ihr unten sehen könnt.
Dug Pinnicks Gesangsstil ist ja schon seit jeher Geschmackssache und so ein "Love it or hate it"-Ding, aber er singt hier doch recht cool und trocken. Die Verse mancher Songs kommen doch recht trist rüber ab und an, was die Truppe aber mit den meist ziemlich gelungenen Refrains wieder rettet. 
"Gunfight" ist einer der wenigen richtig schnellen Songs, auch hier ist mir das Schlagzeug etwas zu laut im Vordergrund, da hätte ich lieber die Gitarre von Meister Lynch besser gehört. 
Bei "Never Stops" wird das Ganze etwas ruhiger, ein mit Akustikgitarren und Piano begleitetes atmosphäres Stück. 
KXM ist sicher keine einfache Scheibe, die man so nebenbei hören kann, dazu sind die Songs dann doch etwas zu sperrig.  Nach einigen Hördurchgängen, zu denen ich mich aber dann doch etwas arg zwingen musste, bleibt aber doch der eine oder andere Song hängen und man "durchschaut" die Scheibe langsam aber sicher. Ob da jeder Hörer mitmacht melde ich aber dann doch etwas Zweifel an, gerade in unserer schnelllebig gewordenen Musikwelt, wo das Albumformat immer mehr an Bedeutung verliert und maximal noch einzelne Songs (legal?!) auf die Festplatte gezogen werden.
Bei manchen Stücken ist mir aber das Geschrammel dann doch etwas zu viel wie z.B. bei "I'll be ok", da denkt man sich dann doch "jetzt reichts dann aber mal und kommt zum Punkt". 
Mit Groovern wie "Sleep" oder dem ebenfalls gelungenen "Human Friction" macht man schwächere Tracks wie oben genannten oder auch "Love" wieder wett, die irgendwie nie so richtig anfangen für meinen Geschmack.
Mit "Tranquilize" beglückt uns Herr Lynch zum Ende hin dann noch mit einer funkig-jazzigen Instrumentalnummer.

Zusammenfassung:
Also Good-Time-Musik ist anders, wobei das hier auch sicher nicht der Anspruch ist. George Lynch ist sicherlich zuzugestehen, dass er sich noch nicht auf den Nostalgie-Trip konzentriert und lediglich seine alten 80er Nummern zocken will sondern sich auch moderneren Klängen zuwendet und auch dort  brillieren kann.
Dass das Ganze jetzt nicht unbedingt meine Musik ist und mir eine Dokken-Revival doch etwas lieber wäre als KXM verheimliche ich nun aber auch nicht, muss ich aber auch nicht.

KXM wird ihre Liebhaber finden und stieg in die amerikanischen Charts sogar in die 30er-Regionen ein, was heutzutage durchaus gut ist.

Solide 7 Punkte für KXM!

Martin



 

Tesla - Simplicity

Band: Tesla 
Album: Simplicity
Spielzeit:   65:29 Minuten
Veröffentlichung: 06.06.2014
Plattenfirma: Frontiers Records
Homepage:  teslatheband.com


Wertung:  7 von 10


Tracklist: 


01. MP3
02. Ricochet
03. Rise and Fall
04. So Divine…
05. Cross My Heart
06. Honestly
07. Flip Side
08. Other Than Me
09. Break of Dawn
10. Burnout to Fade
11. Life is a River
12. Sympathy
13. Time Bomb
14. 'Till That Day

15. Burnout To Fade (Demoversion, Bonustrack)

Tesla gehören zu den Bands, die ich seit ihrer ersten Scheibe verfolge und die heisst "Mechanical Resonance" und erschien 1986 - Time flies! Die Jungs haben bei mir seit jeher einen Stein im Brett und eine richtig schlechte Scheibe haben sie meiner Meinung nach auch noch nie abgeliefert. Nach ihrem Comeback mit "Into The Now", das auch schon wieder 10 Jahre her ist, haben sie mit "Forever More" lediglich ein weitere Studioalbum mit neuen Songs geschafft, nimmt man mal die Livescheibe "Alive in Europe" aus 2010 sowie die beiden Cover-CD's Real To Reel" sowie eine (schwer erhältliche) Akusitk-CD einmal aus.
Dem Titel und dem Cover nach wollen es Tesla also diesmal einfach halten, haben sie ja an sich schon immer, Hochglanzproduktionen gabs von Tesla  nie und auch zu ihren erfolgreichsten Zeiten waren sie immer bemüht, ihre erdigen Roots der 70er nicht außen vor zu lassen. 
Mit dem "Einfachhalten" haben sie es aber diesmal m.E. leider etwas übertrieben, denn die Scheibe hat zwar gute Songs aber leider auch einige schwache Tracks, die ich von Tesla in dieser Form bislang leider noch auf keinem Album erlebt habe. Ich kann sicherlich mit einer spartanischen Produktion leben, Jeff Keith klingt rauh wie eh und je (wenn auch an manchen Stellen etwas neben der Tonlage wie auf "Cross My Heart" z.B. aber Autotuning haben sie zum Glück nicht eingesetzt), aber manche Songs klingen leider wie B-Seiten oder "Work in Progress"-Versionen, an denen man doch noch etwas herumschrauben hätte können um sie auf ein höheres Level zu bringen.
Auf der Habenseite zu verbuchen sind der nachdenklich-melancholische Opener "MP 3", der die guten alten Zeiten hochleben lässt, das treibend-flotte "Honestly" als auch der ziemlich harte Rocker "Flip Side", die doch allesamt gute Stimmung erzeugen. Demgegenüber würde ich "Rise And Fall" als eher nichtssagend dahinplätschernd bezeichnen und auch Rocker wie "Break of Dawn" sowie "Time Bomb" sind weit davon entfernt mich zu begeistern und kommen über ein "ganz nett aber das wars" dann doch nicht heraus.
Es sind mir zudem etwas zu viele ruhige Nummern auf dem Album. Dass Tesla ein Gespür für gute Balladen haben, muss man ja nicht extra betonen, stellt der Evergreen "Love Song" doch bis heute ihren erfolgreichsten Song dar. Auch auf "Simplicity" sind gute ruhigere Nummern enthalten wie "Life Is A River" oder das country-beeinflusste "Other Than Me". Aber auch hier hätte man auf eher schwächere Nummern wie "Burnout To Fade" (das stark anfängt aber im Chorus dann noch stärker nachlässt und dazu auch noch das Grundmotiv des Police-Songs "Don't Stand So Close To me" kopiert) oder "'Til That Day" verzichten können, denn die wirken irgendwie nicht richtig fertig oder eben "zu einfach" gehalten.
"Simplicity" ist sicher kein schlechtes Album, aber wenn man den hochwertigen Tesla-Backkatalog betrachtet, würde ich die neue Scheibe dann doch leider ziemlich weit unten, wenn nicht sogar ganz unten einreihen. Es fehlen zwei bis drei Übersongs und es sind einfach zu viele Füller auf der Scheibe, die dem Bandnamen einfach nicht gerecht werden.
So würde ich "Simplicity" leider als doch eher  mittelprächtige CD einordnen, was auch eventuell an der zu hohen Erwartungshaltung liegen kann. 
Auch Legenden können eben manchmal etwas daneben liegen, so hake ich die neue Tesla leider unter den (zu vielen) Enttäuschungen des Jahres 2014 ein und hoffe, dass sie doch noch ein glanzvolles Album abliefern werden und den Fan nicht wieder jahrelang warten lassen. Live sicher immer uneingeschränkt ein Ticket wert.
So kann ich mich lediglich zu einer (erheblich mit Fanbrille gewaltig nach oben aufgerundeten) 7 begnügen.
Martin





 

Mittwoch, 4. Juni 2014

Night Ranger - High Road

Band: Night Ranger
Album: High Road
Spielzeit:  51:44 Minuten
Veröffentlichung: 06.06.2014
Plattenfirma: Frontiers Records
Homepage: http://nightranger.com/

Wertung:  8,5 von 10


Tracklist: 


01. High Road
02. Knock Knock Never Stop
03. Rollin' On
04. Don't Live Here Any More
05. I'm Coming Home
06. X Generation
07. Only For You Only
08. Hang On
09. St. Bartholomew
10. Brothers
11. L.A. No Name


Night Ranger gehören für mich zu den wenigen Truppen, die in ihrer Karriere eine fast blütenweise Weste haben und keine einzige wirklich schlechte Longplayer auf den markt gebracht haben. Und auch mit "High Road" sind sie glücklicherweise weit entfernt davon dies zu schaffen.
Drei Jahre sind seit dem grandiosen Vorgänger "Somewhere in California" vergangen, den die Jungs hier zwar nicht toppen können aber dennoch sehr hochwertige Kost abliefern.

Experimente halten sich zwar erwartungsgemäß in Grenzen, es gibt die schnellen "Feel Good"-Songs ala "High Road" oder "Knock Knock Never Stop", hochwertige Balladen wie "Don't Live here anymore" oder "Only for You" oder gar Instrumentals wie das akustische "L.A. No Name". 
Die Gitarrenduelle von Joel Hoekstra und Brad Gillis sind immer wieder aufs Neue irre und sollte Gitarreros schlaflose Nächte bereiten.
Dass Jack Blades zu den besten Songwritern seiner Zunft gehört, muss ich nicht erneut wiederholen, das sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben.
Highlights fallen mir sehr schwer rauszupicken, denn die ganze Scheibe hat wieder ein fast durchgehend schwindelerregendes Niveau. 
Die CD geht vielleicht nicht so unmittelbar ins Ohr wie "Somewhere...." aber vielleicht ist sie ja dadurch noch langlebiger, was die Zeit sicherlich zeigen wird. 
Der absolute Übersong fehlt vielleicht und  "Rollin' On" will nicht ganz so zünden aber das ist wirklich Gejammer auf hohem Roß.

Alles in allem ist "High Road" der ideale Sommersoundtrack für Cabriofahrer. Die Scheibe macht gute Laune und zeigt dass auch "ältere Männer" (Jack Blades wurde heuer 60 und Brad Gillis gehet da auchs chon stramm drauf zu) noch formidable  Musik machen können.
Leider gibt es hier auch wieder eine Vielzahl an unterschiedlichen Ausgaben mit verschiedenen Bonustracks, was ich nicht gerade als guten Dienst am Fan sondern eher als Ausbeutung sehe. Da sollten Night Ranger (wie auch viele andere) Abstand nehmen davon. Der treue Fan sollte nicht damit bestraft werden, sich wegen einem Bonustrack die Scheibe dreimal kaufen zu müssen!

Ein weiteres Highlight im hochwertigen Night Ranger-Katalog! Alle drei Daumen hoch. 
Und nun doch mal bitte in Deutschland ausgiebig touren!

Martin



Sonntag, 1. Juni 2014

Marcus Hook Roll Band - Tales Of Old Grand Daddy


Band : Marcus Hook Roll Band
Album : Tales Of Old Grand-Daddy
Spielzeit : 55:48 Minuten
Veröffentlichung : 30.05.2014
Plattenfirma : Warner Music Germany
Homepage : www.warnermusic.de/marcus-hook-roll-band 

Wertung : 8 von 10

Trackliste :  
  1. Can't Stand The Heat
  2. Goodbye Jane
  3. Quick Reaction
  4. Silver Shoes & Strawberry Wine
  5. Watch Her Do It Now
  6. People And The Power
  7. Red Revolution
  8. Shot In The Head
  9. Ape Man
  10. Cry For Me
  11. One Of These Days (bisher unveröffentlicht)
  12. Natural Man (1972 A-Side of Regal Zonophone RZ 3061)
  13. Moonshine Blues (1974 B-Side of "Can't Stand The Heat" BASF & #8506-06)
  14. Louisiana Lady (1973 A-Side of Regal Zonophone RZ 3072)
  15. Ride Baby Ride (bisher unveröffentlicht)

Es ist ja immer so'ne Sache mit den musikalischen Ausgrabungen und Raritäten dieser Erde. Solange sie friedlich vor sich hinschlummern, kräht kein Hahn danach. Steigen sie aber aus ihrem temporären Grab empor, hat die Band einen extrem hohen Bekanntheitsgrad und läuft die Werbemaschinerie optimal, gibt es plötzlich einen Riesenknall...

Dass dies im Fall der Marcus Hook Roll Band so sein könnte, war wohl nicht besonders schwer vorherzusehen, handelt es sich bei der Band doch um Malcolm und Angus Young, die mit ihrem großen Bruder George und dessen Easybeats-Kollegen Harry Vanda Mitte '73, also in den Anfangstagen ihrer Karrieren, die hier vorliegenden Aufnahmen einspielten. 
Was mich schon eher verwundert ist die Tatsache, dass die Scheibe nicht viel eher an die breite Öffentlichkeit gelangt ist, von einigen Kleinstauflagen und obskuren Wiederveröffentlichungen, für die einige hartgesottene AC/DC-Fans schon ihr Konto geplündert haben sollen, mal abgesehen. Denn im Gegensatz zu vielen "sensationellen" Ausgrabungs-Knallfröschen der Vergangenheit, haben wir es bei den Tales Of Old Grand-Daddy mit einer richtig geilen und gut produzieren Platte zu tun.


Produzent Allan "Wally" Waller ist übrigens Namensgeber der Platte. Ich will euch die Geschichte mit dem legendären Saufgelage, die gerade in aller Munde ist, an dieser Stelle aber ersparen, da gibt es wichtigeres. Denn was die Jungs hier abgeliefert haben, natürlich auch unter besonderer Berücksichtigung von Malcolm und Angus, die der Platte mehrfach ihren schon hier unverkennbaren Stempel aufdrückten, ist wirklich vom Feinsten und lässt die Frage aufkommen: Was wäre passiert, wenn die Plattenfirma nicht plötzlich ihr Interesse verloren hätte. Was, wenn die Platte ein Erfolg geworden wäre ? Hätten Malcolm und Angus jemals...nee nee, den Gedanken spinnen wir lieber nicht weiter, oder ?

Uns bleibt die Freude über 10 Songs und 5 Bonustitel, in denen sich so manche spätere Heldentaten bereits ausmachen lassen. Can't Stand The Heat und Goodbye Jane lassen erstmal nicht erahnen, was den Hörer erwartet: Flotter Pubrock mit leichten Soul- bzw. Funkeinflüssen und einem schönen Saxophon und Barroom-Piano, der Charme hat, aber nicht zwingend als sensationelle Entdeckung herhalten muss. Quick Reaction dagegen zündet sofort, die Nummer groovt ohne Ende, ist vor Publikum aufgenommen und deutet konkret an, wohin der Weg die Gebrüder Young einmal führen sollte. Ich sage nur: TNT ! Und empfehle wärmstens, mal reinzuhören...



Im weiteren Verlauf der Platte schüttet die Band ein Füllhorn toller Momente über uns aus, Silver Shoes & Strawberry Wine überrascht als feine Ballade in der Sänger Harry Vanda zeigt dass er nicht der Schlechteste ist. Vanda und George Young teilen sich den Gesang übrigens, und so ergeben sich immer wieder unterschiedliche Stimmungen. Das an die Temptations erinnernde People And The Power wird, der Zeit entsprechend vom Glam-Rocker Red Revolution abgelöst, der sich wiederum in seinen kurzweiligen 3 Minuten zum furiosen Rocker mausert, Schuld daran wieder die treibenden Riffattacken der Gebrüder Young
Dann die Glanztat des George Young, der seinen schottisch-australischen Slang voll durchdrückt und aus dem mit lässigem Chorus ausgestatteten, markigen Shot In The Head, ein Highlight macht. Die Nummer hat übrigens ein Vorleben...die britischen Bluesrocker Savoy Brown packten sie in einer freilich anderen Interpretation auf ihr 1970er Album Lions Share. Die Ursprungsversion stammt von Vanda & Young, die sie als Haffy's Whiskey Sour aufnahmen. Mittlerweile gibt es einige Varianten der lässigen Nummer. 

Die lustige Angeber-Verarsche Apeman, mit Metallketten-Geschepper im Hintergrund, geht dann der letzten Nummer, einer weiteren Ballade voraus. Und was für einer !  
Harry Vanda geht jetzt voll an seine Grenzen und veredelt einen ohnehin schon feinen Song, als gäbe es kein Morgen mehr. Und wenn sich je einer beim Singen 'ne Träne verdrückt hat, dann Mr.Vanda an dieser Stelle. Tales Of Old Grand-Daddy endet weitaus grandioser, als es angefangen hat und erneut frage ich mich, warum all die Jahre niemand diese Platte auf dem Schrim hatte... so kann's gehen.

Kommen wir zum Beipack. Nebst höchst informativem Booklet mit allerlei Wissenswertem, veredeln fünf Bonustracks die Scheibe. One Of These Days hatte einfach das Pech, nicht mehr aufs Album zu passen, hätte es aber allerbestens getan. Das countryeske Ride Baby Ride fällt da schon eher aus dem Rahmen, geht als Bonustitel aber sehr gut durch. Zwischen diesen Stücken lagern drei A- bzw. B-Seiten. Auch hier kein Ausfall, und zum Schluss die Feststellung dass auf Louisiana Lady ein vierter Young-Bruder ins Spiel kommt: Alex Young, der älteste und 1997 verstorbene Bruder aus der Young Dynastie, gibt hier seine Saxophonkünste zum besten.

Wow, ich habe nicht damit gerechnet, von einer Platte, die 1973 ihren Ursprung hatte und derart lange schlummerte...von der man also nie etwas gehört hat, derart begeistert zu werden. Ziehe ich sämtliche Euphorisierungsnoten ab, bleiben hervorragende acht Punkte übrig, die sich die Marcus Hook Roll Band aber wirklich verdient hat.


Bernd Fischer