Freitag, 22. August 2014

Interview mit Astral Doors Sänger Patrik Johansson



Wieder haben wir weder Kosten noch Mühen gescheut, Euren Lieblingsbands das letzte Haar aus der Nase zu ziehen...lest hier, was Astral Doors-Frontmann Patrik Johansson zu unseren bohrenden Fragen einfiel:


rockingboy:  
Patrik, zunächst möchte ich Dir und Deinen Freunden zu einem fantastischen Album gratulieren. Notes From The Shadows hat alles, was ich von einem guten Heavy Metal Album erwarte.
Patrik: 
Danke Bernd, das freut mich wirklich sehr. Wir sind echt genauso glücklich mit dem Resultat!


rockingboy:  
Um ehrlich zu sein, von Astral Doors hörte ich zum ersten mal, als ich das Päckchen von Stephan, dem freundlichen Metalville-Mensch in den Händen hielt. Vielleicht geht es ja einigen unserer Leser genauso...möchtest Du Astral Doors kurz vorstellen ?
Patrik: 
Wir fingen 2002 mit dem Ziel, echten True Metal / Hardrock zu schreiben, an. Alles ging sehr schnell und wir bekammen ruck-zuck einen Plattenvertrag. Jetzt haben wir schon sieben Alben und ein Best Of Album veröffentlicht und in ganz Europa gespielt. Solltest Du Dio vermissen, leg Astral Doors auf: Wir tragen das Dio-Vermächtnis in die nächste Generation.


rockingboy
Mitglied bei Astral Doors zu sein, ist das eine Ganztagsbeschäftigung ? Und...seid ihr Profimusiker ?
Patrik
Wir alle haben "echte" Jobs: Ich habe das große Glück, als Musiktherapeuth zu arbeiten, und mich mich so intensiv mit Musik beschäftigen zu können. Die anderen Jungs arbeiten in einer metallverarbeitenden Fabrik names SSAB. Seit die Leute keine Alben mehr kaufen, ist es schon eine Herausforderung von der Musik leben zu können. Wenn Du das möchtest, musst Du, wie Sabaton das tun, mindestens 6 Monate im Jahr auf Tour sein...


rockingboy: Lass' uns über Musik sprechen. Eure erste Platte, Of The Son And The Father erschien im Jahr 2003. Was würdest Du sagen, welche waren die höchsten Hürden, die ihr als Musiker bzw. Band in dieser Zeit erklimmen musstet ? Gab es in gar dieses "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"- Ding?
Patrik: 
Wir sind mit den Jahren auf jeden Fall bessere Songwriter und bessere Musiker geworden. In meinem Fall ist der Gesang deutlich besser als noch auf dem debut. Natürlich haben auch wir Höhen und Tiefen in all den Jahren gehabt, aber alles in allem sind wir immer noch gute Freunde. Es gibt keine großen Egos in der Band !


rockingboy: 
Die Musik auf Of The Son And The Father hört sich sehr nach dem 80er Jahre-Zeugs an. Hohe Vocals, mystische Texte und chorale Refrains  haben so rein gar nichts mit den ganzen Blues-orientierten Retro-Bands, mit ihren langen Haaren und alten Klamotten zu tun. Viele von denen kommen aus Skandinavien, habt ihr nie darüber nachgedacht, irgendwelchen Trends hinterherzurennen ?
Patrik:
Well, first I must say that I have never been a high pitch singer. A highpitch singer is for example Ralf Scheepers. I don't sing that way at all. I don't think the music on the debut is power metal either, it is more Black Sabbath and Dio-style. I believe that we walked against all trends with the debut and actually came up with something totally unexpected.


rockingboy: 
Ich befürchte, ich gehe Dir jetzt auf die Nerven, aber die Frage ist mir wichtig: 
Wie jeder schnell merkt, der eure älteren Platten hört, haben Ronnie James Dio und David Coverdale, Rainbow und Deep Purple euch sehr stark beeinflusst. Hängt das nicht manchmal wie ein Damoklesschwert über euren Köpfen ? Und korrigiere mich gern, wenn ich da falsch liege; ist Notes From The Shadows ein kleiner Schritt in eine etwas unabhängigere Richtung ? Es scheint als würdest Du Deine Stimme diesmal, was mir sehr gut gefällt, vielfältiger einsetzen...
Patrik:
Danke sehr! Nun ja, wenn die Leute mich mit Coverdale oder Dio vergleichen,
ist das echt eine große Ehre für mich. Auf der anderen Seite kann ich meine Stimme sehr vielfältig einsetzen. Wenn Du Dir das Zeugs, welches ich mit Wuthering Heights oder Civil War eingespielt habe, anhörst, wirst Du merken was ich meine. Astral Doors ist jedenfalls eine Band, mit der ich unseren Hörern ein starkes Power Metal Erlebnis im Dio/Tony Martin/Coverdale-Stil bieten möchte. Aber vielleicht hast Du Recht, ich denke ich zeige schon verschiedene Gesangs-Seiten auf diesem Album. Vielleicht lautet die einfachste Antwort aber auch, dass ich meinen Gesang wirklich verbessert habe. 

rockingboy:
Patrik, hast Du jemals einen Deiner Musiker-Helden kennengelernt ? Für viele Fans ist es ja das höchste der Gefühle, quasi das absolute Highlight, wenn sie ihren Helden, Stars, wie auch immer, die Hand schütteln, Fotos schiessen, vielleicht sogar einen freundschaftlichen Kontakt aufbauen können. Das Sammeln von signierten Platten oder Autogrammen ist vielen sehr wichtig, war das für Dich jemals wichtig und wie ist das heute, viele Jahre später ? Was ist mit eurer Astral Doors- Gefolgschaft ? Sind die Sex & Drugs & Rock'n'Roll mässig durchgedreht oder ist das ein Klischee ?
Patrik:
Nö, ich bin nie einer von dieser Sorte gewesen. Ich habe Dio mal getroffen, aber ich wollte ihn nicht nerven. Ich hasse nicht mehr als Arschkriecher und Leute, die ihren "Stars" hinterherhecheln. Ich weiss wer ich bin und was ich kann, selbst wenn einige mich als "Star" betrachten, würde ich selbst mich niemals so sehen. In Wirklichkeit sehe ich niemand als "Star" an: Wir alle sind Menschen und jeder ist in irgendetwas gut. Zum Thema Sex & Drugs & Rock'n'Roll...das existiert tatsächlich, mir reicht es aber wenn ich nach den Gigs ein paar Bier trinken kann.


rockingboy: Erzähl mir doch bitte vom Aufnahmeprozess von Notes From The Shadows, wie funktioniert so etwas in eurem Fall ? Im Studio rumsitzen, Bier saufen, Freunde sein und gemeinsam Musik ausarbeiten...ist das nicht Teil eines Musikmärchens ?
Patrik:
Wir schreiben die Songs auf diese Weise: Johan, Joachim, manchmal auch Ulf arbeiten die Musik aus. Dann schicken sie mir das Zeug und ich arbeite allein die Melodien und Texte aus.

rockingboy: Irgendwelche Neuigkeiten, Tourpläne etc. für eure deutschen Fans ?


Patrik:
Darauf kannst Du einen lassen. Wir werden das Album mit einer Menge Shows quer durch Europa promoten. Unser Schlagzeuger hat sich dummerweise die Hand verletzt (Arbeitsunfall), so dass wir die Shows auf den Winter verschieben müssen, aber dann kommen wir mit geballter Power !


rockingboy: 
Patrik, Danke dass Du meine Fragen beantwortet hast. Ich wünsche Dir das allerbeste für die Zukunft und großen Erfolg mit dem Album. Und grüße Jocke, Joakim, Ulf and Johan von mir...


Patrik:
Danke für das interessante Interview. Ich werde die Jungs grüßen :-)


Interview with Astral Doors Singer Patrik Johansson



Again, we spared no costs nor fears to tear every answer out of your favourite musicians...read here, what Astral Doors-Fronter Patrik Johansson answered :


rockingboy:  
Patrik, first of all, let me congratulate you and your friends for an awesome Album. Notes From The Shadows is exactly what I expect from a good Heavy Metal Album.
Patrik: 
Thank you Bernd, that makes me very glad. We are so happy with the result ourselves as well!


rockingboy: 
To be honest, Astral Doors came into my mind when I received the Package of Stephan, the friendly Metalville-guy. Maybe some are in the same situation and never heard of yours...would you please introduce Astral Doors to our readers ?
Patrik: 
We started out back in 2002 with the intention to write true classic heavy metal/hard rock. Things went really fast and we got a record deal very fast. Now we have released seven albums, one best of album and played all over Europe. If you miss Dio you must check out Astral Doors: we carry his legacy on to new generations.


rockingboy: 
Being a Astral Doors member, is it a fulltime job ? Are you professionals ?
Patrik: 
We all have „real“ jobs as well: I have the great fortune to actually work with music as a music therapist and the rest of the boys work for the steel company SSAB. It's tough for musicians these days to live of the music since people don't buy albums anymore. The only chance if you wanna live of the music is to tour at least six months per year like Sabaton.


rockingboy: 
Let's talk about your music. Your first record, Of The Son And The Father was released in 2003, so what would you say which were the biggest steps you climbed as musicians and as a band in this time ? Was there this „good times, bad times“ thing in-between ?
Patrik: 
We have become better songwriters I hope and also better musicians over the years. My singing for example is much better now than on the debut. Of course we have had some ups and downs through the years, but all in all have we been good friends since we started. No big ego's in this band!


rockingboy: 
The music on Of The Son And The Father sounds like 80s Power-Metal stuff with high pitch vocals, mystical lyrics and choral refrains, which totally runs against a huge wave of early 70s, blues-oriented retro-bands, wearing long hair and vintage clothes.
Many of them are from scandinavia...did you never think about following musical trends ?
Patrik: 
Well, first I must say that I have never been a high pitch singer. A highpitch singer is for example Ralf Scheepers. I don't sing that way at all. I don't think the music on the debut is power metal either, it is more Black Sabbath and Dio-style. I believe that we walked against all trends with the debut and actually came up with something totally unexpected


rockingboy: 
I fear I'm getting on your nerves, but this one's a necessary question:
As everyone's picking out while listening to your older records, Ronnie James Dio and David Coverdale, Rainbow and Deep Purple must have influenced you a lot. Isn't that hanging above your heads as a sword of damocles sometimes ? And correct me if I'm wrong, is Notes From The Shadows a little step into another, a more independent direction ? It seems, you tried to use your voice more different this time, which I like a lot btw....
Patrik: 
Thank you! Well. If people compare me to Coverdale or Dio, it's just a big honor. On the other hand I can use my voice in many ways. If you listen to the stuff I did with Wuthering Heights or Civil War you will get what I mean. Astral Doors is however a band where I really wanna give the listeners an old school powerful vocal experience in Dio/Tony Martin/Coverdale style. But perhaps you are right, I may show more sides of my voice on this album. Or perhaps the simple answer is that I have improved my singing.


rockingboy: 
Patrik, did you ever contact one of your favourite musicians ? For many fans, being in a „friendship“ to a musician, let's call him „star“, shake hands or shoot pictures, is the highest level they can reach. Collecting signed records and picture with their favourite musicians, is what they long for. Was that ever important to you and how about today, many years later ? What about your Astral Doors fellowship ? Sex & Drugs & Rock'n'Roll craziness or is that a cliché ?
Patrik: 
No, I have never been that kind of guy. I've met Dio once but I didn't wanna bother him. There's nothing I dislike more than „Ass lickers“ and people who crawls for the „stars“. I know who I am and what I do and even if other people see me as a star I would never see myself as one. As the matter of fact I see no one as a star: we're all just people and everyone is good at something. About the sex and drugs thing it exist of course in the business, but I'm happy if I can have some beers after the gig.


rockingboy: 
Tell me about the process of recording Notes >From The Shadows, how does this work in your case ? Sitting around in a studio as a group, drinking beer, being friends and working out musical stuff, isn't that part of a historic myth ?
Patrik: 
We write the songs this way: Johan, Joachim and sometimes Ulf come up with the music. Then they send it to me and I sit on my own creating the melodies and lyrics.


rockingboy: 
Any news, tour plans etc. for your friends in Germany ?
Patrik: 
You bet. We will promote this album with a bunch of European shows. Our drummer injured his hand a while ago, so the gigs are postponed to winter, but then we will come out with full force.


rockingboy: 
Patrik, thanks for answering my questions. I wish you all the best for your future and huge success with your Album. Say hello to Jocke, Joakim, Ulf and Johan...
PJ: 
Thanks for this interesting interview. I will say hello to the boys:-)

Montag, 18. August 2014

Jimmy Cornett And The Deadmen - The Ride



Band : Jimmy Cornett And The Deadmen
Album : The Ride
Spielzeit : 48:17 Min.
Veröffentlichung : 29.08.2014
Plattenfirma : Stringkiller Music
Homepage : www.jimmycornett.de

Wertung :  8 von 10

Trackliste : 

  1. Devil Got My Soul
  2.  ...For The Ride
  3. Guardian Light
  4. Kilian
  5. Lecker
  6. Another Wednesday Morning
  7. Long Way To The Bar
  8. Fields Of Stone
  9. Red Light
  10. Rip Off Your Shirt
  11. Raise The Dust [bonus track]
  12. Red Light (Remix by Bombax) [bonus track]
 
Musiker, die mit beiden Beinen fest auf ihrem Boden stehen und dazu noch handgemachte Qualitätsmucke auf den Markt kicken, werden von uns immer wieder gerne etwas genauer unter die rockingboy-Lupe genommen. Jimmy Cornett And The Deadmen sind aus diesem Holz und knallen uns Ende des Monats ein Album voller ungeahnter Perlen vor den Latz. Eins ist auf jeden Fall sicher: The Ride wird garantiert noch für Furore sorgen...

Jimmy Cornett, Wahlhamburger mit deutsch-finnischer Abstammung, wuchs in Minden (NRW) auf und wohnt seit 21 Jahren im geerdeten Hamburg-Harburg. "Das ist ein ehrlicher Ort mit ehrlichen Leuten, die einem auch gerne die Meinung sagen, wenn man komisch wird.", so Cornetts symphatische Meinung über seine Harburger Nachbarn. The Deadmen, bestehend aus Dennis Adamus (Lead Gitarre), Frank Jäger (Upright Bass) und Thomas Raabe an den Drums ergänzen Cornett und runden den ersten Cover-Eindruck einer Band die mit sich im Reinen zu sein scheint, ab.



Jimmy lieh sich irgendwann mal die Gitarre einer Nachbarin und entdeckte sein Talent für dieses Instrument, spielte mit einem trommelnden Kumpel ein wenig herum und so nahm die Sache ihren Lauf. Ergebnis dieser Entwicklung, und sicherlich viel harter Übung, ist die bereits dritte Platte des Mannes mit dem Faible für die USA und Triumph-Motorräder. Die Bikes waren auch der Grund dafür dass Cornett sich mit den Hells Angels bzw. deren musikalischen Vorlieben, beschäftigte. 2006 erschien das daraus resultierende Album Rythm Of Hells - Songs Of Angels - History, gefolgt von einer 5-Track EP namens California Session und dem ganz ganz feinen 2012er Americana-Album Raise The Dust.  

Nun erscheint also The Ride, wieder ein Album, dessen Urprung viel eher in den Staaten liegen müsste, als im Norden unserer Bundesrepublik. Cornett greift aber, und das steht ihm und der Band wirklich sehr gut, nicht nur in die prallgefüllte Kiste der US-Musikgeschichte, indem er Delta-Blues der Marke Reverend Peyton's Big Damn Band (Devil Got My Soul, Rip Off Your Shirt), das countryeske Killian oder in Lecker schmissigen Rock'n'Roll nicht nur zitiert. Nein, er drückt sämtlichen Songs seinen persönlichen Stempel auf. Hut ab die Herren !!!

Ganz nebenbei hat Jimmy Cornett dann auch noch ein ganz feines Gespür für Melodien und die harmonische, melancholische Seite der Musik, an der schon so viele gescheitert sind. Und so finden sich neben erwähnten herausragenden Songs, etwas versteckt, die kleinen, unscheinbaren Highlights auf The Ride. Mit Guardian Light zeigt Jimmy, welch hervorragender Songwriter und Sänger er ist. Mir scheint, dass die Musikwelt bisher einen schweren Fehler gemacht hat, indem sie den Mann schnöde ignoriert hat. Leute, nehmt euch einfach mal die Zeit, es lohnt sich. Vergesst einfach mal die ganze Radioscheisse und hört echte Musik !!!



Ganz nebenher befindet sich ein Track auf der Scheibe, der eine ganz besondere Geschichte hat. Raise The Dust wurde von Rupert Henning geschrieben und von Jimmy Cornett für eine Doku über eine 1300 Kilometer lange Offroad-Motorradexpedition komponiert, die von einem Kamerateam begleitet und dokumentiert wurde. Im obigen Videoclip seht ihr deshalb einen Teil dieses Films und dürft der wunderbaren Musik im Hintergrund lauschen.

Ein weiterer Song verdient Aufmerksamkeit: Red Light, ein Coversong, den ich so niemals auf der Scheibe erwartet hätte. Das Original stammt aus dem Jahre 1977 und wurde von keinem anderen als Billy Ocean (die Älteren unter uns werden sich erinnern) zum Besten gegeben.

Jimmy und die Deadmen schaffen es tatsächlich, aus der Disconummer ein ernstzunehmendes Stück Musik zu formen, sicher mit einem Schmunzeln im Gesicht. Wie auch beim für mich überflüssigen Versuch, diesen in einer remixten Version als Bonustrack als Bonus hintendranzuhängen. Grundsätzlich nicht schlecht gemacht, aber für meinen Geschmack passt das irgendwie nicht in den Kontext der ansonsten tollen Scheibe.

Ich bin höchst erfreut, endlich mal wieder ein sehr erfrischendes wie ernstzunehmendes Stück Musik aus deutschen Landen auf dem Tisch gehabt zu haben. Jimmy Cornett And The Deadmen haben, wenn nicht wieder sämtliche Organe unserer quotengeilen Musikbranche die Augen verschliessen, eine rosige Zukunft vor sich...



Bernd Fischer

Ace Frehley - Space Invader

Interpret : Ace Frehley
Album : Space Invader
Spielzeit :  54:14 min.
Veröffentlichung : 15.08.2014
Plattenfirma : Steamhammer (SPV)
Homepage :  www.acefrehley.com


Wertung :  7 von 10


Tracklist:

01. Space Invader
02. Gimme A Feelin'
03. I Wanna Hold You
04. Change
05. Toys
06. Immortal Pleasures
07. Inside The Vortex
08. What Every Girl Wants
09. Past The Milk Way
10. Reckless
11. The Joker
12. Starship



Space-Ace Frehley ist das Paradebeispiel für einen Rocker, der sich seine Karriere selbst ziemlich verbaut hat. Gleich zweimal hatte er die Chance bei Amerikas bekanntester Hardrocktruppe und zweimal hat er sie verkackt (wie auch sein Kumpel Peter Criss). Von daher gebe ich Paul Stanley und Gene Simmons völlig Recht bei dem Thema, wenn es darum geht, ob noch Platz für die beiden im aktuellen Kiss Line-up besteht. Und die Antwort darauf  ist ein klares "nein". Zumal die "Ersatzmänner" musikalisch einiges mehr drauf haben als die Originale.

Seit dem Abgang von Kiss (und was man so hört mal wieder total abgebrannt) versucht sich Ace Frehley mal wieder im Space-Ace-Gewand zu präsentieren und sein Kiss-Image dabei wieder in den Vordergrund zu rücken. Dabei benutzt er erneut einen "Space"-affinen  Titel und auch das Cover (angeblich aus der Feder des "Destroyer"-Künstlers) deutet auf seine Vergangenheit hin.

Soweit so gut-angekündigt wurde ja ein Album, dass die letzten Platten seiner Ex-Bandmitglieder verblassen lassen würden. Naja - das schafft er dann doch nicht wirklich.

Ace war bei Kiss immer gut für ein bis zwei Lieder auf Kiss-Scheiben, aber über die volle Distanz wird das Ganze dann doch etwas ermüdend. Zum einen, weil er alles andere als ein guter Sänger ist (teilweise ist es ja nur Sprechgesang) und zum anderen weil die Songs eben nur biederer Durchschnitt sind.So war es zumindest bislang, wobei ich die erste Frehley Solo-Scheibe von 1978 hier mal herausnehme.

Was bietet nun "Space Invader" ? Das Einstiegstrio lässt auf Großtaten hoffen. Der Titelsong ist ein typisch schnoddriger Ace-Rocker im Stil von "New York Groove" oder "Shock Me" mit den typischen Markenzeichen. Was mich besonders überrascht hat war der doch sehr gute und klare Sound, bei dem vor allem die knackige Les-Paul-Gitarre schön in Erscheinung tritt.

"Gimme a Feelin'" spinnt das Konzept weiter, ein flotter trockener Rocker im Kiss 70's -Style. Sehr geil die Fills und Soli, die der Spaceman da einstreut. 

Auch das ein bisschen schräg gesungene "I  Wanna Hold You" lässt sich auf der Habenseite verbuchen. Ein Fest für alle Frehley-Jünger soweit.

Nach dem famosen Einstiegs-Trio wird danach erst einmal das Tempo heruntergefahren mit "Change", einem dann doch etwas unspektakulären Song, der nicht so wirklich überzeugen kann. Das Gleiche lässt sich leider auch von "Toys" sagen, dessen austauschbarer und nichtssagender Refrain eher nervig ist. 

Bei "Immortal Pleasures" kommen erstmals Akustikgitarren zum Vorschein. Zwar auch nicht der Übersong vor dem Herrn aber durchaus besser als die beiden eher lauwarmen Vorgängersongs. "Inside The Vortex" dann auch wieder ein eher lascher rack, der zum einen Ohr rein aber genauso flott wieder zum anderen raus ist. 

Mit "What Every Girl Wants" ist dann endlich wieder ein Stück vertreten, welches auf einer Ebene mit dem Einstieg in die Scheibe ist und auch an alte Glanzzeiten anknüpfen kann. Knackiger Refrain, ein schön nach vorne treibender Rocker. 

"Past The Milky Way" lebt (wie der Grossteil der Scheibe) einzig von Aces filigranem Gitarrenspiel, dass in dieser Güte nicht zu erwarten war. Der Gute ist zwar sicherlich kein Virtuose a'la Vai oder Satriani aber er hat durchaus seinen ureigenen Stil, was nicht jeder Gitarrero von sich behaupten kann. Ansonsten ist der Milchstrassen-Song auch eher in die Ecke "gepflegte Langeweile" zu stecken.

"Reckless" ist wieder mit akustischen Klampfen untermalt, ein ganz passabler Song, der aber auch etwas am eher schwachbrüstigen Chorus leidet.

Ob es die Coverversion von Steve Miller's "The Joker" gebraucht hätte, wage ich einmal zu bezweifeln. Zwar eine ganz nette Version, ziemlich nah am Original, was mir hierbei aber besonders mißfällt ist der Gitarrensound, der sich irgendwie seltsam flach anhört im Gegensatz zum Rest der Scheibe. 

Den über siebenminütigen instrumentalen Rausschmeisser "Starship" hätte man durchaus etwas abkürzen können, der ist einfach zu lange und wiederholt das Grundthema dann doch etwas zu oft. Aber dennoch ein passender Abschlußtrack.

Fazit: Das starke Niveau der ersten drei Songs kann leider nicht gehalten werden.  Nach dem fulminanten Einstieg verliert sich "Space Invader" doch in etwas zu viel Durchschnitt. Auf der Plusseite ist der gute Sound und das sehr gute Gitarrenspiel des ehemaligen Kissmitglieds zu nennen. Wenn man die letzten Kiss-Scheiben mit einigen Songs der neuen Frehley-Scheibe ergänzt hätte, würde wohl ein wahre Killer-CD dabei herauskommen. Auf die Langdistanz ist "Space Invader" leider nicht der ganz große Wurf.

Ich würde hier neutral 6,5 Punkte vergeben, lege aber wegen dem Kultfaktor und der guten Laune noch einen halben Wertungspunkt drauf und lasse "Space Invader" mit 7 Punkten über die Ziellinie.

Martin

Mittwoch, 13. August 2014

Astral Doors - Notes From The Shadows


Band : Astral Doors
Album : Notes From The Shadows
Spielzeit : 49:10 Min.
Veröffentlichung : 29.08.2014
Plattenfirma : Metalville
Homepage : www.astraldoors.com

Wertung : 9 von 10

Trackliste :
  1. The Last Temptation Of Christ
  2. Disciples Of The Dragon Lord
  3. Wailing Wall
  4. Shadowchaser
  5. Die Alone
  6. Hoodoo Ceremony
  7. Southern Conjuration
  8. Walker The Stalker
  9. Desert Nights
  10. In The Name Of Rock
  11. Confessions

Entegen des weiträumig und grenzübergreifend grassierenden Trends, sich Schlaghosen anzuziehen, die Matte schön fettig glänzen zu lassen und möglichst 70er Jahre-like "Retro" rüberzukommen, hat endlich mal wieder eine Band meinen in den 80er Jahren gefestigten Metalgeschmack voll getroffen. Astral Doors heissen die Jungs aus Schweden und die präsentieren uns dieser Tage ihren Knaller Notes From The Shadows...

Fans der Band wissen schon länger, wo die Qualitäten der Astral Doors liegen, nämlich im reinrassigen Powermetal, der an eine erstklassige Mischung aus Blind Guardian, Helloween und Dio erinnert. Die Schönheit von siebten Platte der Band, Notes From The Shadows entfaltet sich mit jedem Hördurchgang ein wenig weiter. Sänger und Kopf der Band Patrik Johansson und seine Mitstreiter haben es geschafft, die starren Rainbow- / Dio- / Deep Purple-Fesseln der Vorgängeralben zu lockern, auch wenn seine Stimme noch immer an den kleinen Mann mit der großen Stimme erinnert. Ich finde ich es aber schon bemerkenswert, wie vielfältig der Astral Doors Sound heute klingt, was sicher auch daran liegt dass Patrik Johansson sich als eigenständiger Sänger etabliert hat, der dank seines wandelbaren Organs verschiedene Stimmungslagen erzeugen und Akzente setzen kann.


  
Ein weiteres Pfund ist das Songwriting. Wer Zweifel hat, sollte in Die Alone, den mit neun Minuten längsten Track der Platte, reinhören. Die tickende Uhr, getragen von einem verregneten Intro und sphärischen Keyboardklängen, gibt den Takt der Nummer vor und geht nahtlos in ein episches Metalopus über, welches keinen Anhänger harter Klänge kalt lassen dürfte. Der Song hat alles was mein Metallerherz berührt, bratzige Rhytmusgitarren und ein kurzes Gitarrensolo im Mittelteil, ein feines Keyboard im Hintergrund, Tempiwechsel. Dazu wieder Johanssons packender, durch verschiedene Höhenlagen wandelnder Gesang, dann die schönen Refrains...all diese Zutaten führen dazu dass die Nummer immer wieder zurück zum Thema findet. Diese epischen Songs packen mich immer wieder bei den Hörnern, das Ding wird ein Klassiker der Band. Jungs, das habt ihr gut gemacht...

Der Sound, die dritte Säule der Platte: Jonas Kjellgren hat einen astreinen Job gemacht, und den Aufnahmen in den schwedischen Black Lounge Studios einen würdigen Mix verpasst. Dabei ist es letztlich egal, ob die Songs In The Name of Rock oder The Last Temptation of Christ heissen: Dröge, hölzern oder langweilig ist keiner davon. Im Gegenteil, auch nach mehreren Hördurchgängen finde ich überraschende Details. So dachte ich zuerst in Southern Conjuration neben Patrik eine Frauenstimme zu hören...mitnichten. Ich habe Patrik gefragt, er hat sämtliche Vocals und Chorus selber und allein eingesungen !!!

Wer von Euch also auf klassischen Heavy Metal steht, kommt an Notes From The Shadows nur sehr schwer vorbei. Meine Metalplatte des bisherigen Jahres ! 

Leichten Punkteabzug muss es zwangsläufig geben für die Tatsache dass immer mal wieder die alten Legenden zitiert werden, die Musik also doch irgendwie Retro ist...auf der anderen Seite ist gute Mucke nun mal zeitlos und deshalb darf ich die Astral Doors zu fetten 9 Punkten beglückwünschen !




Bernd Fischer


P.S.: Was Sänger Patrik Johansson zum neuen Material zu sagen hat, erfahrt Ihr demnächst hier bei Eurem Rockingboy-Mag...

Samstag, 9. August 2014

Bald hier auf Rockingboy ... Astral Doors - Notes From The Shadows



Freunde des gepflegten Metals !



Ihr dürft Euch auf die neue Astral Doors freuen, am 29.August ist es soweit und Notes From The Shadows wird auf die Metal-Welt losgelassen...

Merkt Euch den Namen einer Band, die sich dem klassischen Heavy Metal verschrieben hat und an einen großartigen, kleinen Mann erinnert, der eben diese Szene geprägt hat...



Also, Terminkalender raus, fett markieren und auf alles achten wo METALVILLE draufsteht, denn nur wo Metal draufsteht ist auch Metal drin !!!! 

Demnächst übrigens mehr zur Scheibe auf Eurem Rockingboy-Blog... 


- Rockingboy...we blog harder -

The Shanks - Surfing The Lexicon

Band : The Shanks
Album : Surfing The Lexicon
Spielzeit : 33:00 Min.
Veröffentlichung : 27.06.2014
Plattenfirma : Phratry Records / Broken Silence
Homepage : www.herecometheshanks.bandcamp.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Feel The Holes
  2. When We Come
  3. Touch Me
  4. Miss Virginia
  5. Out Of Our Mouth
  6. Step By Step
  7. Do It Again
  8. Cornerman
  9. Get Cut Tonight
  10. Who You Are

Nimm eine Prise Weezer, ein wenig Marcy Playground und mische eine dicke Dosis Turbonegro in die Suppe, fertig ist ein rotziges aber wohlschmeckendes Stück Musik, serviert von den merkwürdig auftretenden Pistolwhip von Shankenstein (aka Ian Starkey, four strings worth of rock annihilation, vocals) sowie Colonel Crankshaft (aka Jody Brumell, four stick splintering arms worth of shell shattering and additional vocal stylings, piano)...




So verwegen The Shanks aus Toronto mit ihren Bärten, Helmen und Kapitänsmützen auch aussehen mögen, die Musik auf ihrem aktuellen, sechsten Album Surfing The Lexicon, darf getrost als melodische, vor allem ins Ohr gehende Punk'n'Rock Highschool-Mucke bezeichnet werden.

Gänzlich ohne Gitarren (OK, der Bass ist auch eine Gitarre) eingespielt, wohnt der Musik des Duos ein ganz eigener Sound inne, der jedoch alles andere als trocken oder gar monoton herüberkommt. Im Gegenteil, die Shanks spielen mit Gegensätzen, huldigen Nirvana, den Stooges und den Ramones...flechten aber auch wesentlich seichtere Zitate der bereits erwähnten Weezer, Marcy Playground, bis hin zum surfigen Pop-Sound der Marke Beach Boys ein..



Ob nun Feel The Holes in Monster Magnet für Softies-Manier an uns vorbeigallopiert, When We Come die perfekte Strandparty-Ballade gibt oder Touch Me direkt in die Ohrmuscheln geht um sich dort bis ans Ende aller Tage festzubeissen...die beiden Shanks-Schenkelbürsten wissen was sie tun und erzeugen einen Klangteppich wie ich ihn von einem Duo nicht erwartet hätte. 

Ganz ehrlich, Surfing The Lexicon, was auch immer der Albumtitel bedeuten soll, ist ein kurzweiliges Album voller wow-Momente geworden. So verschroben-schrullig die beiden Kanadier auch herüberkommen, so bodenständig und ernsthaft betreiben sie ihre Musik. Jeder Song, Break und jeder Refrain macht Sinn, trotzdem erlauben sich Pistolwhip & Crankshaft hie und da auch mal einen Moment der Besinnung und zitieren sich selber. Und so fällt der hintere Teil des Albums ein wenig ab als hätten die Shanks ihr Pulver nach den ersten drei Songs bereits verschossen.

Macht aber nix, alles in allem ist Surfing the Lexicon eine Platte geworden, in die sich's reinzuhören lohnt, vor allem aber bin ich mir sicher dass dies nicht der Schlussakkord einer hörenswerten Band ist.


Bernd Fischer

Montag, 4. August 2014

Voyager - V

Band : Voyager
Album : V
Spielzeit : 54:46 Min.
Veröffentlichung : 27.06.2014
Plattenfirma : IAV Records
Homepage : www.voyager-australia.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Hyperventilating
  2. Breaking Down
  3. A Beautiful Mistake
  4. Fortune Favours The Blind
  5. You, The Shallow
  6. Embrace The Limitless
  7. Orpheus
  8. The Domination Game
  9. Peacekeeper
  10. It's A Wonder
  11. The Morning Light
  12. Summer Always Comes Again
  13. Seasons Of Age  
Die Verquickung elektronischer Musik mit hartem, progressivem Metal ist ja schon oft in die Hose gegangen. Grund dafür ist meistens die Kälte und Hektik, die solchen Scheiben quasi wie ein in Stein gemeisseltes Manifest innewohnt. Schlimmer noch, Fans dieser Musik sehen die Branche nun endgültig um ein Genre angereichert, welches alten Säcken wie mir den kalten Angstschweiss auf die Stirn treibt...

Der Stoff, aus dem die Träume der jungen Metalfans sind, hört auf den Namen Djent. Der Name des seit Ende der 90er gewachsenen Genres bezieht sich auf den extrem verzerrten, krächzenden Gitarrensound, der auf bis zu 8-saitigen Gitarren erzeugt wird und dessen bekannteste Bands auf die Namen Meshuggah, Kobong, Cloudkicker oder TesseracT hören. Der komplizierte, von zahlreichen Breaks und (Achtung! Jetzt kommt das Wort des Monats:) ...polyrhytmischem Songaufbau dominierte Sound, verlangt dem unvorbereiteten Hörer wirklich alles ab, will der sich ernsthaft mit dem Thema befassen. 

Die aktuelle Scheibe der australischen Band Voyager darf allerdings wohl eher als Djent- meets Pop-Mix bezeichnet werden, streckt uns die Band doch zwischen allem Gefrickel erfreulicherweise immer wieder die Hand in Form von eingängigem Leadgesang der Marke Morten Harket (a-ha) entgegen.

Und so ist das schlicht mit "V" betitelte, fünfte Album der Jungs aus Perth eben weitaus mehr als eine Nervensäge, es ist ein Album, mit dem zu befassen es sich lohnt. Songs wie Embrace The Limitless oder das darauf folgende Orpheus entführen den Hörer in eine Welt voller wunderbarer Refrains und dem erwähnten, tollen Gesang von Danny Estrin auf der einen, und einer stets hektischen, galoppierenden Grundhärte auf der anderen Seite. Musik zum Relaxen hört sich definitv anders an. Was Fans der ersten Stunde wohl auch an V bemängeln werden, schlugen Voyager doch noch auf dem Vorgängeralbum The Meaning Of I (2011) einen wesentlich eingängigeren Sound an.


In der Endabrechnung kann V den Hörer technischer Progmusik garantiert begeistern, an lockere und ruhigere Klänge gewöhnte Trommelfelle werden Schwierigkeiten mit der Scheibe haben. Aber: Wer sich auf eine 54-Minütige, hyperaktive Reise begeben möchte, wird die eine oder andere Perle auf dem Album entdecken. Ganz oben auf meiner Liste stehen zwei Songs am Ende des Albums: Zum einen die wundervolle und halbwegs entspannte Ballade Summer Always Comes Again und deren Vorläufer The Morning Light mit Gänsehautfeeling. Beide Nummern, und da wiederhole ich mich wirklich gerne, sind aber nur zwei aus einem Pool von Höhepunkten, die für meinen Geschmack leider zu oft in Uptempodrumming und Geräuschkulisse untergehen...


Bernd Fischer

Dienstag, 29. Juli 2014

Jethro Tull - A Passion Play (An Extended Performance)


Band : Jethro Tull
Album : A Passion Play (An Extended Performance)
Spielzeit CD1 : 45:34 Min.
Spielzeit CD2 : 59:43 Min.
Veröffentlichung : 30.06.2014
Plattenfirma : Chrysalis
Homepage : www.jethrotull.com


Wertung : 8 von 10 

Trackliste CD1 "A Passion Play"

  1. Lifebeats / Prelude
  2. The Silver Cord
  3. Re-Assuring Tune
  4. Memory Bank
  5. Best Friends
  6. Critique Oblique
  7. Forest Dance #1
  8. The Story Of The Hare Who Lost His Spectacles
  9. Forest Dance #2
  10. The Foot Of Our Stairs
  11. Overseer Overture
  12. Flight From Lucifer
  13. 10:08 To Paddington
  14. Magus Perdé
  15. Epilogue

Die gute Nachricht vorweg: Mit der Neuauflage von Jethro Tulls A Passion Play kann Euch mal so rein gar nix passieren, von wegen verstörendem Inhalt oder so. Das 73er Werk hat mit Bravour die "FSK ab 6"- Freigabe erhalten ! 
Somit können sich auch endlich die Jüngsten unter uns, ohne Schaden zu nehmen, mit dem opulenten, von Steven Wilson remixten, 2CD/2DVD - Set beschäftigen...

Anhängern der Band werde ich wohl nicht viel Neues erzählen, wenn ich bekannte Fakten präsentiere. So sollte der Thick As A Brick Nachfolger aus finanziellen Gründen (die britischen Steuern...) eigentlich im französischen Château d'Hérouville aufgenommen werden, was jedoch in die Hose ging. Technische Probleme, eine Lebensmittelvergiftung und Heimweh einzelner Musiker bewegten Ian Anderson dazu, die Aufnahmen abzubrechen und fortan nur noch vom “Chateau d’Isaster” zu sprechen.
Die Band entschloss sich, 17 Tage vor dem Start der US-Tour (in der die Band das Album in Form eines Theaterstückes, in welchem sie selber mitspielen, aufführen sollte), die Platte in den Londoner Morgan Studios komplett neu einzuspielen. Das hörenswerte Ergebnis ist auf der ersten der beiden CDs enthalten und besteht, inklusive des Spoken-Word Beitrages The Story of the Hare Who Lost His Spectacles ursprünglich aus einem einzigen Song, welcher in vier LP-Seiten aufgeteilt wurde:  
  • Act 1 – Ronnie Pilgrim’s funeral – a winter’s morning in the cemetery
  • Act 2 – The Memory Bank – a small but comfortable theatre with a cinema-screen (the next morning)
  • Interlude – The Story of the Hare Who Lost His Spectacles
  • Act 3 – The business office of G. Oddie & Son (two days later)
  • Act 4 – Magus Perdé’s drawing room at midnight 
Thema der Geschichte ist die Beerdigung Ronnie Pilgrims, Auferstehung und Rückblick auf dessen Leben. Eine Pilgerreise durch Himmel und Hölle, moderne Passionsspiele sozusagen. Musikalisch umgesetzt wird das Ganze höchst interessant, aber sperrig. Vertrackte, instrumentale Passagen, Saxophon-, Orgel- und Schlagzeug-dominierte, jazzige Ansätze gehen immer wieder über in den Tull-typischen, von Ian Andersons Querflöte geprägten harten Folk-Rock. Ständige Stimmungswechsel zwingen den Hörer zu einer kontinuierlichen Aufmerksamkeit, auch die Aufarbeitung der verworrenen Geschichte um das Schicksal des Ronnie Pilgrim strengt an, macht die Platte aber extrem nachhaltig. Höhepunkt dieses Verwirrspiels ist die märchenhafte Erzählung The Story Of The Hare Who Lost His Spectacles (einer Geschichte eines Hasen, der seine Brille verliert bis er irgendwann merkt dass er ja eine Ersatzbrille dabei hat), die vom damaligen Bassisten Jeffrey Hammond-Hammond vorgetragen wurde. 



Welche Drogen da im Spiel waren, entzieht sich meiner Kenntnis, die Hasengeschichte lässt allerdings kaum einen anderen Schluss zu, als dass irgendein Verantwortlicher da in sehr fernen Welten schwebte. Darüberhinaus verliert sich die Band zeitweise in dem Bestreben, die Umsetzung des Konzepts auf die Länge eines Doppelalbums zu erstrecken. Was dem neutralen Hörer den schnellen Zugang zum Album verbaut, erfreut jedoch noch heute die Fans der Band. A Passion Play rangiert immerhin im oberen Bereich in der Gunst der Anhängerschaft. Musiker und Tontechniker Steven Wilson (Porcupine Tree) hat dem Album nun zu neuem Glanz verholfen und auch die Château d'Hérouville-Sessions klanglich aufpoliert.

Trackliste CD2 "The Château d'Hérouville Sessions" :
  1. The Big Top
  2. Scenario
  3. Audition
  4. Skating Away On The Thin Ice Of The New Day
  5. Sailor
  6. No Rehearsal
  7. Left Right
  8. Only Solitaire
  9. Critique Oblique (Part I)
  10. Critique Oblique (Part II)
  11. Animelee (1st Dance)
  12. Animelee (2nd Dance)
  13. Law Of The Bungle (Part I)
  14. Tiger Toon
  15. Law Of The Bungle (Part II)
Deutlich rauher und hörbar unfertig fällt die ursprüngliche Arbeit der Band zu diesem Projekt aus, man merkt den 15 Songs der zweiten CD halt an, dass die Bemühungen Jethro Tulls ab einem gewissen Punkt abgebrochen wurden, was das Hörvergnügen ein wenig schmälert. Dem Hörer dürfte allerdings einmal mehr klar sein, welch hochkarätige Ansammlung kreativer und begabter Musiker sich im Tull-Pool damals tummelten. Ian Anderson hätte sich noch so lange auf ein Bein stellen können...ohne Martin Barre (Gitarren), John Evan (Tasteninstrumente), Jeffrey Hammond-Hammond (Bass) und Barriemore Barlow (Schlagzeug) hätte er wohl wenig Land gesehen.
Auf den Chateau d'Hérouville-Sessions tummeln sich höchst unterschiedliche Songs und Stimmungen, insofern lässt sich durchaus die eine oder andere Parallele zum fertigen Passion Play-Werk ziehen. Schon der Einstieg in die Platte mit dem instrumentalen The Big Top und dem anschliessenden Scenario lädt nicht gerade zum entspannten Hören ein, sondern verlangt vom Hörer, der dann zum Ende des Songs feststellt, dass eben doch nicht viel passiert ist, etwas Geduld. Das eingängige und harmonische Skating Away On The Thin Ice Of The New Day macht das aber wieder gut und dürfte im Laufe der Jahre weit über den JT-Insiderkreis hinaus bekannt geworden sein. Audition, Skating..., Sailor und No Rehearsal bilden dann den anschmiegsamen Songblock der Sessions, um vom von Babygebrabbel eingeleiteten und Andersons in dem Fall ausnahmsweise nervenden Querflöte dominierten Left Right beendet zu werden.

Solitaire ist leider schon das letzte Highlight der zweiten CD, bevor die verschachtelten und sperrigen Critique Oblique Pt. I und II mit ihren minutenlange Improvisationen manchem Hörer erneut eine Portion Verständnis abverlangen. Älteren Prog-Liebhabern hingegen dürfte aber allein bei dem Gedanken, dass hier nicht wenig an Van Der Graaf Generator erinnert, das Wasser buchstäblich im Munde zusammenlaufen...

Law Of The Bungle Pt.1+2 inklusive dem von beiden Songs in die Zange genommenen Tiger und Ansätzen des darin enthaltenen Spoken Word-Beitrag "...The Hare..." beschliessen dann den Passion Play Prototyp und lassen manchen unvorbereiteten Hörer eventuell ewas ratlos zurück. 
Alles in allem jedoch sollte dieses Beiwerk mit gebührender Gelassenheit als etwas anderes Jethro Tull-Goodie betrachtet werden. Mit knapp 25,-€ darf man angesichts der Tatsache dass sich noch zwei DVDs mit verschiedenen Audiomixen der CDs, inklusive der visuellen Umsetzung des Häschenschmankerls, im Paket befinden, wirklich von Value for Money sprechen. 

Steven Wilson hat ganze Arbeit geleistet und den Aufnahmen zu ihrem wahren Glanz verholfen.


Bernd Fischer

Mittwoch, 23. Juli 2014

Veni Domine - Light

Band: Veni Domine
Album: Light
Spielzeit: 67:20 min.
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 23.05.2014
Homepage: http://venidomine.com/


WERTUNG: 9,5 von 10


Tracklist:
01. In Memoriam
02. Farewell
03. Hope
04. Where The Story Ends
05. Preludium
06. Last Silence Before Eternity
07. The Hour Of Darkness
08. Waiting
09. Oh Great City 2014


Seit 1987 beglücken uns die Schweden von VENI DOMINE mit ihrem christlich-beeinflussten Mix aus Doom und Progressive Metal. Leider trotz großartiger Alben noch ohne nennenswerten Erfolg in Deutschland. Und doch zählen Scheiben wie das Longplay Debüt "Fall Babylon Fall" oder "Spiritual Wasteland" zu meinen absoluten Favoriten im progressiven Bereich. Anno 2014 liefern VENI DOMINE auch wieder ganz genau das ab. Gut, Sänger Fredrik Sjöholm kommt nicht mehr in die ganz hohen Lagen, aber vielen war das eh bisher ein leichter Dorn im Auge. Ich finde es schade. 


Das ist aber beim neuen Meisterwerk "Light" auch der einzige Wermutstropfen. Ansonsten dominieren göttliche Harmonien, perfekt gesetzte Breaks und trotz aller Abwechslung bleibt der rote Faden nie auch nur eine Sekunde auf der Strecke. Vielleicht liegt es daran, dass ich nach mittlerweile sieben Jahre Abstinenz dringend wieder neues VENI DOMINE Futter gebraucht habe, aber "Light" ist wahrlich perfekt. Ich hab dem Album mittlerweile tatsächlich Monate Zeit gelassen, um zu wirken und finde noch immer keine Sekunde langweilig (sorry für die späte Rezension). 

Kommen wir endlich zu den Songs an sich. "In Memoriam" ist mit seinen 12 Minuten Länge der perfekte Opener, denn bereits dort ziehen die Schweden alle Register ihres Könnens. Die düstere atmosphärische Grundstimmung passt vielleicht nicht bei jedem Sommerwetter, aber dafür gibt es ja AOR und eben keinen Doom. Leider liegen mir nur die mp3 Version vor, doch auch hier ist nicht nur zu erahnen, dass in Stockholm hinsichtlich der Produktion großes geleistet wurde (ein Dankeschön an Torbjörn Weinesjö - so muss Progressive Doom klingen). Das folgende "Farewell" glänzt mit ruhigen Parts und einem Refrain, der nur zum Niederknien göttlich depressiv ist. Das besondere ist aber, dass sich VENI DOMINE diesmal nicht einen einzigen Aussetzer leisten. Auch bei "The Hour Of Darkness" dürften alle Doom Jünger feuchte ..äh.. Augen bekommen, doch auch wer auf klassischen Hardrock-Metal mit epischem Touch steht, sollte sich "Light" schnellstens einverleiben. 

Warum gebe ich nun nicht die Höchstpunktzahl? Ganz einfach: Das geniale "Oh Great City" vom Debüt gibt es in einer richtig geilen neuen 2014er Version, die jedoch nicht ganz den Spirit des 20 Jahre alten Originals halten kann.Trotzdem bin ich von VENI DOMINE wieder hellauf begeistert. Der erste Anwärter auf das Album des Jahres 2014 - ohne wenn und aber. 

Markus

Montag, 21. Juli 2014

Infinty's Call - Unconditional


Band : Infinity's Call
Album : Undonditional
Spielzeit : 47:32 Min.
Veröffentlichung : 30.05.2014
Plattenfirma : Sonic Revolution / Bob Media
Homepage : www.infinityscall.de

Wertung : 7 von 10

Trackliste : 
  1. Stop Fooling Around
  2. Can't Get Over You
  3. Bitter Taste Of Destiny
  4. The Place
  5. Where Does Love Go
  6. Prelude
  7. Say What You Gotta Say
  8. Even The Bravest
  9. Unconditional Love
  10. Emotional Evolution
  11. Infinty
Es war Mitte der 80er, als ich in die Handwerkslehre ging und mir ein Kumpel aus der Berufschule mal wieder ein Tape mit dem seiner Meinung nach "geilsten Metal-Shit aller Zeiten" in die nervöse Hand drückte. Helloween, TNT, Pretty Maids und so weiter hiessen die Bands auf der Cassette (Cassetten sind übrigens die Dinger, in denen man ständig mit'm Bleistift drin rumpopeln musste um den Bandsalat zu entwirren)...

Jedenfalls liegt jetzt mit Unconditional, dem aktuellen, zweiten Album der Ulmer Band Infinity's Call eine CD in meinem Player, die mich verdammt an diese Zeiten erinnert. Unconditional besticht durch den gitarrenlastigen, riffbetonten, aber melodischen Metal-Hardrock-Mix, der in den 80ern Bands wie Victory, Bonfire oder die Lieblinge meiner Heimat, Mad Max, zu einem kurzen, hohen Bekanntheitsgrad verholfen hat. 
Und was soll ich sagen, Claus Zeller - Gesang (ex Stranger), Philipp Zanella - Gitarre (ex Tyrant), Uwe Hofmaier - Bass (ex Dynasty) und Ralf Neumann - Schlagzeug (ex Chinchilla) haben, ob Zufall oder nicht, den Geist der alten Recken erweckt. Abmischung und Produktion spielen dabei eine ebenso große Rolle wie das Songwriting und die mehrstimmigen Refrains, welche gelegentlich an Accept erinnern. Kurzum, das Paket hätte im Grunde auch 30 Jahre früher geschnürt werden können. 

Stop Fooling Around steht als Opener geradezu Pate für dieses Deja Vu. Ein pumpender Bass, galoppierende Drums, die langgezogende Gitarre, so haben die Jungs es gelernt und ebenso lieben wir es doch. Dann der eingängige Refrain, der nach dem dritten Durchlauf in der gequälten Hörmuschel hängen bleibt...geil.
OK, ein kleines bisschen mehr Kreativität, mal ein Tempowechsel, ein wenig mehr Stimmvolumen, nach oben wie unten, hätte ich sicher noch geiler gefunden, doch warum jammern ?



Infinty's Call bedienen alles was der Melodic-Hörer möchte und heute häufig vermisst, feine Gitarren-Soli (The Place), melodische Refrains (Unconditional Love) und eine grundsolide, kontrollierte Härte. Dazu immer wieder die tolle Gitarre von Philipp Zanella, dessen Kunst mich echt begeistert. Der Mann hat es verdient, gehört zu werden, was sich insbesondere in Prelude, einem zweieinhalbminütigen Intermezzo, zeigt. Passenderweise in die Albummitte platziert, markiert das Instrumental nicht nur die enorme musikalische Fähigkeit des Gitrristen, sondern der ganzen Band, die halt aus erfahrenen Mitgliedern mittleren Alters besteht.

Jedoch, es hakt hie und da ein wenig bei der Abwechslung. Mir fehlt irgendwas. Bei aller Freude über die alten Zeiten, die Platte hätte auch Anno 85 wohl nur den zweiten Platz geholt. In Where Does Love Go wird überdeutlich, warum. Claus Zeller schleppt sich auffallend hüftsteif und monoton ins Ziel und man fühlt sich in der Befürchtung, ihm könne vielleicht die Luft wegbleiben, geradezu verunsichert. Schade, da hätte das gesamte Team nochmal nachhaken sollen.

Dass er anders kann, wissen wir. In der zweiten Nummer Can't Get Over You oder im wunderschönen, balladesken The Place beschwört Herr Zeller zwar nicht die Götter des Stimmvolumens, aber er zeigt uns, wie es gehen kann und sollte. Für mich zeigt er in beiden Songs eine hervorragende Leistung. 

Zum Abschluss einer unerwartet starken, aber (weil?) nicht perfekten Platte steigt mit Infinity der, erneut instrumentale, Höhepunkt der Platte. Ein solch schönes Gitarrenstück habe ich schon lange nicht mehr hören dürfen. Mein höchster Respekt erneut an Phillip Zanella, als auch an die Rhythmusgruppe. Ach wie herrlich, allein für diese Nummer müsst Ihr euch die Platte kaufen !!! 

Fein gemacht ! 7 Punkte...


Bernd Fischer